6 Der organisationstheoretische Ansatz
Der organisationstheoretische Ansatz ist neben dem bürokratietheoretischen Modell (Kap. 7)
einer von zwei Ansätzen der Außenpolitikanalyse, der wesentlich durch die Arbeiten Graham
Allisons geprägt wurde (Allison 1971). Gerade für außenpolitische Entscheidungen, die von
außen zunächst irrational und unverständlich erscheinen, eröffnet dieser Ansatz häufig neue
Perspektiven auf mögliche Erklärungszusammenhänge.
Tab. 6.1: Kernaussagen, Referenzautoren und zentrale Werke des organisationstheoretischen Ansatzes
Kernaussagen
Außenpolitik ist das Ergebnis organisatorischer Routinen innerhalb der Exekutive. Der Einfluss solcher
Routinen schlägt sich vor allem in den Phasen der Vorbereitung und Implementierung außenpolitischer
Entscheidungen nieder.
Der organisationstheoretische Ansatz beruht auf der Annahme begrenzt rationaler Akteure und versteht
organisatorische Entscheidungsprozesse als Instrument zur Reduktion von Komplexität.
Standardisierte Handlungsroutinen sind elementare Bestandteile organisatorischer Entscheidungspro-
zesse, die Organisationen in die Lage versetzen, zuverlässig auf wiederkehrende Problemstellungen zu
reagieren.
Organisatorische Routinen sind vergleichsweise stabil und rigide. Anpassungen dieser Routinen erfol-
gen in der Regel in inkrementellen Lernprozessen.
Organisatorische Routinen können zu nicht intendierten Konsequenzen außenpolitischer Entscheidun-
gen führen, die oftmals im Mittelpunkt organisationstheoretischer Analysen stehen.
Referenzautoren Zentrale Werke
Graham Allison
Essence of Decision: Explaining the Cuban Missile Crisis. Boston: Little,
Brown and Company, 1971 (2. Auflage: 1999, zusammen mit Philip Zelikow).
James March
A Behavioral Theory of the Firm. Englewood Cliffs: Prentice-Hall, 1963.
Herbert Simon
Administrative Behavior: A Study of Decision-Making Processes in Administra-
tive Organization. New York: Macmillan Company, [1945] 1959.
Jack Levy
Organizational Routines and the Causes of War. International Studies Quar-
terly 30(2), 193–222, 1986.
„Organization matters“ (Allison/Szanton 1976: 14) – Der Ausgangspunkt der organisations-
theoretischen Analyse von Außenpolitik ist die Annahme, dass die organisatorische Vermitt-
lung außenpolitischer Entscheidungen von Bedeutung für die Inhalte staatlicher Außenpolitik
ist. Diese Annahme lenkt das Erkenntnisinteresse des Ansatzes auf die Analyse von Ent-
Richard Cyert/

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