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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2 Interpretationen zur Prozessdimension
Aus Platzgründen können wir leider nicht alle Prozesse von Automotive SPICE
behandeln, sondern müssen uns auf eine sinnvolle Auswahl beschränken. Wir
haben uns daher an den Prozessen orientiert, die aufgrund unserer Erfahrung aus
Verbesserungsprojekten und vielen Assessments für die meisten Anwender –
zumindest zu Beginn ihrer Verbesserungsaktivitäten – von zentraler Bedeutung
sind. Außerdem sollten zumindest die Prozesse abgedeckt sein, die von der Her-
stellerinitiative Software (siehe Kap. 1) im Rahmen von Lieferantenassessments
untersucht werden, da diese das bei weitem größte Volumen an Assessments aus-
machen. Das Ergebnis zeigt Abbildung 2–1, wobei die im Buch behandelten Pro-
zesse durch einen Punkt markiert sind.
Ein Prozess in Automotive SPICE besitzt einen standardisierten Aufbau (siehe
Abb. 1–5). Die Elemente des Prozesses haben folgende Bedeutung:
Process ID: Eindeutiger Bezeichner des Prozesses, bestehend aus einer Kombina-
tion aus drei Buchstaben und einer Zahl zwischen 1 und 12 (z.B. »MAN.3«).
Process Name: Name des Prozesses
Process Purpose: Zweck des Prozesses
Process Outcomes: Die definierten Prozessergebnisse
Base Practices: Die Basispraktiken stellen die unmittelbar handlungsrelevanten
Elemente des Prozesses dar.
Output Work Products: Jedes Arbeitsprodukt besitzt eine eindeutige WP-ID und
wird im Automotive SPICE PAM, Annex B (Work product characteristics),
erläutert.
2 Interpretationen zur Prozessdimension
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Abb. 2–1
Die in diesem Buch behandelten Prozesse (mit Punkten markiert); gefüllte Punkte
bezeichnen die von den OEMs geforderten Prozesse (sogenannter HIS Scope). Bei reinen
Softwarelieferanten fallen ENG.2, ENG.3, ENG.9, ENG.10 weg. Wenn keine Unterlieferanten
eingesetzt werden, fällt ACQ.4 weg.
Der Process Purpose und die Process Outcomes haben eine besondere Bedeutung,
da sie von Prozessattribut PA 1.1 und der generischen Praktik GP 1.1.1 (siehe
Kap. 3) adressiert werden und somit als Grundlage der Reifegradbeurteilung dienen.
Jeder der markierten Prozesse ist in diesem Kapitel mit einem eigenen
Abschnitt vertreten, der folgendermaßen aufgebaut ist:
Zweck: Der »Process Purpose«, wie in Automotive SPICE vorgegeben
Besonderheiten in der Automobilindustrie: Dieser Abschnitt soll den Beson-
derheiten der Entwicklung von Software und Systemen in der Automobil-
industrie Rechnung tragen.
PRIMARY Life Cycle Processes
Acquisition Process Group (ACQ)
ACQ.3 Contract agreement
ACQ.4 Supplier monitoring
ACQ.11 Technical requirements
ACQ.12 Legal and administrative
requirements
ACQ.13 Project requirements
ACQ.14 Request for proposals
ACQ.15 Supplier qualification
SUPPORTING Life Cycle Processes
Support Process Group (SUP)
SUP.1 Quality assurance
SUP.2 Verification
SUP.4 Joint review
SUP.7 Documentation
SUP.8 Configuration management
SUP.9 Problem resolution management
SUP.10 Change request management
Supply Process Group (SPL)
SPL.1 Supplier tendering
SPL.2 Product release
ORGANIZATIONAL
Life Cycle Processes
Management Process Group (MAN)
MAN.3 Project management
MAN.5 Risk management
MAN.6 Measurement
Process Improvement Process Group (PIM)
PIM.3 Process improvement
Reuse Process Group (REU)
REU.2 Reuse program management
Engineering Process Group (ENG)
ENG.1 Requirements elicitation
ENG.2 System requirements analysis
ENG.3 System architectural design
ENG.4 Software requirements analysis
ENG.5 Software design
ENG.6 Software construction
ENG.7 Software integration test
ENG.8 Software testing
ENG.9 System integration test
ENG.10 System testing
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2 Interpretationen zur Prozessdimension
Basispraktiken: Die von Automotive SPICE definierten Basispraktiken wer-
den einzeln und im Detail durchgesprochen. Den hier enthaltenen Anmerkun-
gen (engl. notes) kommt in Automotive SPICE eine besondere Bedeutung zu.
Sie stellen meistens Konkretisierungen bzw. Interpretationshinweise dar, die
durch die OEM-Mitarbeiter der Automotive SIG ergänzt wurden und daher
in OEM-Assessments häufig überprüft werden.
Ausgewählte Arbeitsprodukte: In Automotive SPICE wird eine große Zahl
von Arbeitsprodukten definiert. Wir haben zu den für die Praxis wichtigen
Arbeitsprodukten Erläuterungen und z.T. Beispiele angegeben. Dabei wurden
die WP-ID und -Bezeichnung referenziert. In einigen Fällen – wenn Automo-
tive SPICE kein entsprechendes Arbeitsprodukt vorsah – haben wir aus unse-
rer Erfahrung eigene Arbeitsprodukte vorgeschlagen.
Besonderheiten Level 2: Da die generischen Praktiken (siehe Kap. 3) prozess-
unspezifisch definiert sind, ist für das praktische Verständnis eine prozess-
spezifische Interpretation hilfreich. Wir haben uns dabei in der Regel auf
Level 2 beschränkt, da die Unterschiede auf Level 3 nicht so gravierend sind.
Durch die Zwischenüberschriften »Zum Management der Prozessdurchfüh-
rung« und »Zum Management der Arbeitsprodukte« wird auf die Prozess-
attribute PA 2.1 und PA 2.2 Bezug genommen.
Zusätzlich haben wir unregelmäßig vorkommende Gestaltungselemente verwendet:
Exkurse: An einigen Stellen sind weiterführende oder prozessübergreifende
Ausführungen in Form von Exkursen dargestellt.
Hinweise für Assessoren: Damit wollen wir für den Einsatz im Assessment
sowohl praktische Tipps (z.B. in Form von typischen Assessmentfragen)
geben, als auch auf besondere Probleme, häufige Schwachstellen und schwie-
rige Bewertungssituationen hinweisen.
Erfahrungsberichte: Hier beschreiben wir typische Probleme oder Situationen
aus der Praxis.
Die in diesem Kapitel kursiv gedruckten Texte stehen immer für einen von uns ins
Deutsche übersetzten Automotive SPICE-Text. So haben wir z.B. den Zweck des
Prozesses, die Basispraktiken und die Anmerkungen übersetzt. Bei der Überset-
zung haben wir uns sehr eng an das englische Original gehalten, auch wenn
dadurch die Übersetzung nicht immer besonders »ästhetisch« wurde.
1
In einigen
Fällen, wenn eine wörtliche Übersetzung nicht sinnvoll war, waren wir zu einer
freieren Übersetzung gezwungen. In Zweifelsfällen und bei schwierigen Interpre-
tationsfragen sollte daher immer auch der englische Originaltext hinzugezogen
werden. Gelegentlich vorkommende Übersetzungsprobleme sind in Fußnoten
erläutert.
1. Sowohl in Assessments als auch in der Prozessimplementierung gewinnen oftmals Nuancen
der Formulierung eine große Bedeutung.

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