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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2 Interpretationen zur Prozessdimension
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2.1 ACQ.4 Lieferantenüberwachung
2.1.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, die Leistungen des Lieferanten gemäß den vereinbar-
ten Anforderungen zu verfolgen.
Dieser Prozess behandelt neben der Überwachung des Lieferanten auch die
Zusammenarbeit und die Kommunikation mit diesem. Basis für die Zusammen-
arbeit sind eine erfolgte Lieferantenauswahl sowie eine vertragliche Vereinbarung
zwischen Auftraggeber und Lieferant.
Bei der Lieferantenüberwachung können Methoden aus MAN- und SUP-Pro-
zessen wie Projektmanagement, Risikomanagement, Messen und Änderungsma-
nagement angewendet werden, nur dass diese hier vom Auftraggeber zur Über-
wachung und Steuerung des Lieferanten eingesetzt werden.
Werden Entwicklungsleistungen an den Lieferanten vergeben, so müssen die
Prozessschnittstellen aufeinander abgestimmt sein. Neben den Engineering-Pro-
zessen sollten insbesondere die unterstützenden Prozesse wie Konfigurations-
und Änderungsmanagement sowie Qualitätssicherung aufeinander abgestimmt
sein.
Für weiterführende Informationen zum Thema Lieferantenmanagement siehe:
[SA-CMM 1999] Software Acquisition Capability Maturity Model
[DoD 1998] Software Acquisition Best Practices Initiative
[PPSM 1998] Process Professional Supplier Management Part 1-7
2.1.2 Besonderheiten in der Automobilindustrie
Bei der Entwicklung von Steuergeräten arbeiten Fahrzeughersteller und Lieferan-
ten
7
häufig eng zusammen. In einigen Fällen wird die Entwicklung fast vollstän-
dig beim Lieferanten durchgeführt. Die Automobilhersteller kaufen z.T. auch
bereits entwickelte Komponenten ein, die meist nur in geringem Umfang ange-
passt werden.
Bei der Entwicklung von komplexen Elektronikkomponenten im Automobil
arbeiten oft mehrere Lieferanten mit. Bei einer derart vernetzten Entwicklung
werden häufig Partnerschaften eingegangen, wobei meist einer der Lieferanten
als Systemlieferant beauftragt wird, dessen Aufgabe es unter anderem ist, die
übrigen Lieferanten zu steuern.
Oft entsteht dabei eine ganze Hierarchie von Auftraggeber-Auftragnehmer-
Beziehungen, d.h., ein Lieferant (»tier one«) akquiriert weitere Systembestand-
7. Häufiger als der Begriff »Lieferant« wird in der Automobilbranche der Begriff »Zulieferer«
oder
»tier one« bis »tier n« verwendet.
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2.1 ACQ.4 Lieferantenüberwachung
teile von eigenen Unterlieferanten (»tier two«) und steuert die Zusammenarbeit.
Oft werden dem Lieferanten bestimmte Tier-two-Lieferanten durch den Auftrag-
geber vorgeschrieben. Daher kommt der Auswahl und Steuerung von Lieferanten
in der Automobilentwicklung eine besondere Bedeutung zu.
8
9
2.1.3 Basispraktiken
BP1: Vereinbare gemeinsame Prozesse und gemeinsame Schnittstellen. Etabliere
eine Vereinbarung über gemeinsame Prozesse und gemeinsame Schnittstellen,
Verantwortlichkeiten, Art und Häufigkeit von gemeinsamen Aktivitäten, Kom-
munikation, Besprechungen, Statusberichte und Reviews. Vereinbare zumindest
die Prozesse und Schnittstellen für Änderungsmanagement, Problemlösungsma-
nagement, Qualitätssicherung und Abnahme durch den Kunden.
Anmerkung: Der Ausdruck Kunde bezieht sich in diesem Prozess auf die zu
assessierende Organisation. Der Ausdruck Lieferant bezieht sich auf den Liefe-
ranten der zu assessierenden Organisation
10
.
Im Rahmen der Projektabwicklung müssen die Prozesse und Schnittstellen zwi-
schen Kunde
11
und Lieferant abgestimmt und dokumentiert werden. Dies
umfasst:
Hinweis für Assessoren
Dieser Prozess wird im Rahmen eines OEM-Lieferanten-Assessments nur über-
prüft, falls der Lieferant (tier one) Unterlieferanten (tier two) besitzt. Es wird also
assessiert, wie der Lieferant seine Lieferanten überwacht und steuert. Der Prozess
findet dann Anwendung, wenn Entwicklungsleistungen unterbeauftragt werden
oder wenn Produktkomponenten eingekauft werden, die an die Projektbedürfnisse
anzupassen sind. Werden lediglich Ressourcen für Entwicklungstätigkeiten
eingekauft
8
(häufig auch »Body Leasing« genannt) oder nur Standardprodukte
ohne Anpassungen (»Produkte von der Stange«
9
), ist eine Assessierung des Prozes-
ses nicht sinnvoll, da ACQ.4 eine starke Verzahnung der Entwicklungsprozesse
fordert, was in diesen Fällen aber nicht zutrifft.
8. In diesem Fall arbeiten die Fremdmitarbeiter nach Prozessen des Auftraggebers und werden
im Assessment bei Bedarf wie dessen eigene Mitarbeiter befragt.
9. Engl. COTS (Commercial off-the-shelf).
10. Wird z. B. ein Tier-one-Lieferant assessiert, dann geht es darum, wie dieser seine (Tier-
two-)Lieferanten überwacht und steuert.
11. Wir verwenden den allgemeineren Begriff
»Kunde«. Dieser kann Auftraggeber sein oder
auch nicht, z.B. wenn der OEM formal der Auftraggeber des Unterlieferanten ist und den
Lieferanten zur Steuerung des von ihm beauftragten Unterlieferanten verpflichtet.

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