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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2 Interpretationen zur Prozessdimension
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sowie Zwischen- und Endabnahmen eingeplant und deren Einhaltung bzw.
Durchführung verfolgt.
Zum Management der Arbeitsprodukte
Die im Rahmen der Abstimmung der Kommunikation gemäß BP1 vereinbarten
Arbeitsprodukte des Lieferanten sind zu reviewen und unter Versions- und Ände-
rungsmanagement zu stellen. Neben den vereinbarten Zwischen- und Endliefe-
rungen gilt dies auch für vereinbarte Planungsdokumente des Lieferanten und
Fortschrittsberichte. Weiter sind ggf. auch Änderungsanträge zu reviewen. Es
kann auch vereinbart werden, dass ein gemeinsames Konfigurationsmanagement
eingerichtet wird und dass die Arbeitsprodukte entsprechend versioniert und
geändert werden.
2.2 SPL.2 Produktrelease
2.2.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, Produktreleases für den jeweiligen Kunden zu steu-
ern.
Ein Produktrelease ist eine konsistente Menge von versionierten Objekten mit
definierten Eigenschaften und Merkmalen, die zur Auslieferung an interne oder
externe Kunden bestimmt ist. Ein Produktrelease ist somit eine Baseline im Sinne
des Konfigurationsmanagements (siehe SUP.8 BP5). Der Prozess beinhaltet:
Die Planung und Steuerung von Releases
Die Erstellung von Freigabekriterien
Die Vorbereitung und Durchführung von Zwischen- und Endfreigaben für
Releases
Die Zusammenstellung von »Build-Listen«
Die Art und Weise der Auslieferung
Dokumentation und Support von Releases
Der Prozess hat Schnittstellen zum Anforderungsmanagement, zum Projektma-
nagement und zum Konfigurationsmanagement. Im Anforderungsmanagement
werden die zu realisierenden Anforderungen priorisiert (siehe z.B. ENG.2 BP4).
Im Rahmen des Projektmanagements werden diese Anforderungen zum Beispiel
mittels einer Funktionsliste (siehe Abb. 2–19) den verschiedenen Releases und
Meilensteinen zugeordnet, und deren Umsetzung wird verfolgt.
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2.2 SPL.2 Produktrelease
2.2.2 Besonderheiten in der Automobilindustrie
Die Automobilindustrie arbeitet mit sogenannten Musterständen (A, B, C, D).
Dabei werden Entwicklungsstände der zu entwickelnden Bauteile mit zunehmen-
dem Reifegrad im Entwicklungsprozess bereitgestellt und in Erprobungsfahrzeu-
gen integriert. Ziel sind die frühzeitige Integration und der Test des Zusammen-
spiels im Fahrzeug. Die Musterphasen bedeuten:
A-Muster: Dies sind bedingt fahrtaugliche Funktionsmuster mit geringem
Reifegrad. Das Bauteil erfüllt noch nicht die Anforderungen z.B. bezüglich
Temperatur- und Spannungsbereich, Abmessungen, Rüttel-/Stoßfestigkeit,
elektromagnetischer Störsicherheit (EMV) und Optik. A-Muster gestatten
aber bereits die Erprobung von (Software-)Grundfunktionen unter Versuchs-
bedingungen. A-Muster dienen der Funktionsdarstellung.
B-Muster: Dies sind funktionsfähige, fahrtaugliche Grundsatzmuster mit
hohem Reifegrad. B-Muster sehen aus wie das spätere Serienteil und haben
alle zu dem Zeitpunkt geforderten (Software-)Funktionen. B-Muster bestehen
aus weitgehend seriennaher Hardware und erlauben erste Aussagen bezüglich
elektromagnetischer Verträglichkeit und Temperaturbereich. B-Muster kön-
nen aber noch aus Hilfswerkzeugen erstellt worden sein. B-Muster gewähr-
leisten eine ausreichende Betriebsicherheit für die Erprobung auf dem Prüf-
stand und im Fahrzeug. Die Infrastruktur für Diagnose ist enthalten. Für den
Einsatz im Fahrzeug kann es noch Einschränkungen geben. B-Muster dienen
der konstruktiven Festlegung z.B. hinsichtlich Einbau und Platzbedarf sowie
der Funktionserprobung, Funktionsabsicherung und Applikation im Fahr-
zeug, Prüfstand und im Labor.
C-Muster: Diese werden mit Serienwerkzeugen unter seriennahen Bedingun-
gen gefertigt und dienen u.a. der Erprobung im Fahrzeugdauerlauf. Die Bau-
form und Spezifikationen entsprechen den Serienanforderungen. Sämtliche
Spezifikationen für Funktion, Zuverlässigkeit und Störsicherheit müssen ein-
gehalten werden. Ferner entsprechen die Einbauverhältnisse, der Platzbedarf
und die Kontaktierung dem Serienstand. Es muss weiterhin eine Reproduzier-
barkeit in der Serienfertigung gewährleistet sein. Bei den C-Mustern sind
keine technischen Einschränkungen zugelassen, und es ist somit ein uneinge-
schränkter Einsatz im Fahrzeug gewährleistet. Die Elektronikbauteile müssen
qualifizierte Serienteile sein. In der Theorie sollen die Softwarefunktionen
bereits beim B-Muster fertiggestellt sein. In der Praxis werden letzte Software-
funktionen bei einigen Steuergeräten aber erst mit dem C-Muster fertigge-
stellt. C-Muster dienen der Gesamterprobung (Dauererprobung, Funktions-
absicherung, Applikation) unter serienähnlichen Bedingungen.
Baumuster/D-Muster: Diese werden vom Lieferanten für die Baumusterfrei-
gabe bereitgestellt. Baumuster, manchmal auch D-Muster genannt, werden
mit Serienwerkzeugen unter Serienbedingungen gefertigt. Die Geräte sind voll

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