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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2 Interpretationen zur Prozessdimension
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2.3.5 Besonderheiten Level 2
Zum Management der Prozessdurchführung
Die bei Prozessattribut PA 2.1 aufgeführten Inhalte werden in der Regel mit den
im Projekt üblichen Projektmanagementmethoden umgesetzt und z.T. im Pro-
jektplan dokumentiert. Die Planung der Aktivitäten im Rahmen des Änderungs-
managements beschränkt sich eher auf Terminplanung für Sitzungen und auf die
in BP5 genannten Abläufe.
Zum Management der Arbeitsprodukte
Die Anforderungen von Prozessattribut 2.2 gelten insbesondere für die Anforde-
rungsdokumente und Änderungsaufzeichnungen.
2.4 ENG.2 Systemanforderungsanalyse
2.4.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, die definierten Kundenanforderungen in eine Menge
von gewünschten, technischen Systemanforderungen zu überführen, die das
Design des Systems unterstützt.
Die Systemanforderungsanalyse ist einer der wichtigsten Prozesse, stellt sie doch
eine wesentliche Grundlage für die gesamte Entwicklungsarbeit bereit. Die Sys-
temanforderungen beschreiben die Anforderungen an das Gesamtsystem, bestehend
aus verschiedenen Hardware-, Mechanik- und Softwarekomponenten, und an
das Zusammenwirken dieser Komponenten. Eine mangelhafte Systemanforde-
rungsanalyse ist einer der größten Misserfolgsfaktoren in Entwicklungsprojekten.
ENG.2 setzt auf die in ENG.1 ermittelten Anforderungen (= Lastenheft-
ebene) des Kunden auf und transformiert diese in technisch detailliertere Anfor-
derungen (= Pflichtenheftebene). Neben den Anforderungen des Kunden werden
auch die Anforderungen der sonstigen an der Entwicklung beteiligten Gruppen
und Personen berücksichtigt. Insbesondere das Zusammenspiel verschiedener
Entwicklungsbereiche, wie z.B. Hardware-, Mechanik- und Softwareentwick-
lung oder Testabteilungen, ist entscheidend für die erfolgreiche Durchführung der
Systemanforderungsanalyse.
2.4.2 Besonderheiten in der Automobilindustrie
Anforderungen an die einzelnen Komponenten des Systems sind aus den Anfor-
derungsdokumenten des Kunden oft schwer separierbar, da dort in der Regel die
gewünschte Funktionalität des Systems aus Endkundensicht im Vordergrund
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2.4 ENG.2 Systemanforderungsanalyse
steht. Bei der Systemanforderungsanalyse steht nun die technische Sicht der Ent-
wicklungsmannschaft des Lieferanten im Fokus. In der Praxis (in Automotive
SPICE nicht gefordert) werden oft die Anforderungen an die einzelnen Kompo-
nenten separiert, z.B. durch entsprechende Strukturierung des Systemanforde-
rungsdokuments oder durch Aufteilung in verschiedene Dokumente.
Exkurs: System
Die meisten Assessments beginnen inhaltlich mit der Frage: »Wie definieren wir
den Begriff System?« Wird diese Frage nicht eindeutig geklärt, führt das im wei-
teren Verlauf immer wieder zu Verwirrung und behindert den Ablauf. Selbst die
AUTOSIG (Automotive Special Interest Group) hat für die Diskussion und ein-
deutige Festlegung zwei Tage benötigt. Eine genaue Definition ist wichtig, weil
die nachfolgenden Schritte (z.B. ENG.4 Softwareanforderungsanalyse) auf der
Systemdefinition aufbauen und daher zumindest eine eindeutige Abgrenzung von
Hardware und Software erfolgt sein sollte.
[IEEE 610] definiert ein System als »Sammlung von Komponenten, die ange-
ordnet sind, um eine spezielle Funktion oder eine Menge von Funktionen auszu-
führen«. [DIN EN 61508] definiert das System als »Menge von Elementen, die
nach einem Entwurf in gegenseitiger Beziehung stehen. Ein Element eines Systems
kann zugleich ein anderes System sein, genannt Teilsystem, welches ein steuern-
des oder ein gesteuertes System sein kann und Hardware, Software und mensch-
liche Eingriffe beinhalten kann«. Systeme in der Automobilindustrie können aus
verschiedenen Mechanik-, Hardware- und Softwarebestandteilen bestehen. Mög-
lich sind u.a. folgende Systemdefinitionen:
Das Kraftfahrzeug mit all seinen einzelnen Bestandteilen, die wiederum selbst
noch feiner, z.B. in weitere Subsysteme, untergliedert werden können.
Zusammenbauteil oder Modul bestehend aus einem Mechanikanteil (z.B.
Lenkungsmechanik), Steuergerätehardware und einem Softwareanteil. Diese
Definition entspricht der AUTOSIG-Definition.
Steuergerät bestehend aus Mechanik (Gehäuse), Hardware (Leiterplatte, elek-
tronische Bauelemente) und Software. Diese Definition bezieht sich rein auf
das elektronische Steuergerät und ist damit eine Unterform der Definition
Zusammenbauteil/Modul.
Fahrzeugfunktion verteilt über mehrere Zusammenbauteile, Module oder
Steuergeräte. In diesem Fall wird die Systembetrachtung im Verlauf eines
Assessments beliebig komplex.
Softwarefunktion, die über mehrere Steuergeräte verteilt ist.

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