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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2.9 ENG.7 Softwareintegrationstest
Testabschlussbericht (Test Summary Report, Teil von WP-ID 13-50): Gibt
dem Projekt und dem Management einen Überblick über die Testergebnisse;
enthält u.a. was und wie getestet wurde, Zusammenfassung der Ergebnisse
und deren Bewertung (bestanden/nicht bestanden, Fehlerrisiken etc.).
2.9 ENG.7 Softwareintegrationstest
2.9.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, Softwaremodule
51
zu größeren Einheiten zu integrieren,
um so die integrierte Software, die konsistent zum Softwaredesign ist, zu erstellen
und das Zusammenspiel der Softwarebausteine zu testen.
Der Zusammenbau der Software sollte schrittweise und mit begleitenden Tests
erfolgen. Die Tests ergänzen die vorangegangenen Modultests. Dieses schritt-
weise Vorgehen bei der Integration hilft, besonders bei komplexen Systemen,
Fehler so früh wie möglich zu identifizieren und abzustellen. So wird der »Bau-
fortschritt« der Software abgesichert und das funktionelle Wachstum während
der Integration bleibt beherrschbar. Bezüglich der verwendeten Dokumente ori-
entiert sich Automotive SPICE inhaltlich an den IEEE-Begriffen (siehe auch den
Exkurs »Testdokumentation« beim ENG.6-Prozess.
2.9.2 Besonderheiten in der Automobilindustrie
In Automotive SPICE werden Integrationsaspekte außer in ENG.7 auch noch in
ENG.9 (Systemintegration) beschrieben. Wird in dem Projekt ein integriertes Sys-
tem, bestehend aus Hard- und Softwarekomponenten, entwickelt, so wird die
reine Softwareintegration in ENG.7 und die Software-Hardware-Integration in
ENG.9 beschrieben. In manchen Fällen findet nur eine einzige Integration statt:
Die Hardware liegt bereits als fertiges Produkt vor (wie z.B. ein Steuergerät in der
Automobilentwicklung), und die verschiedenen Softwaremodule werden direkt
auf dieser Zielhardware integriert.
50. Ein Problem muss nicht notwendigerweise auf einen Fehler der Software zurückzuführen
sein. Ursachen können z. B. sein: unterschiedliche Interpretation von Vorgaben bei Entwick-
ler und Tester, unterschiedliche System- und Testumgebung bei Entwickler und Tester, Fehler
im Testfall.
51. In Automotive SPICE: »software units«.
2 Interpretationen zur Prozessdimension
80
Viele Unternehmen arbeiten mit einer hohen Wiederverwendungsrate, z.B. indem
eine vorhandene Plattformsoftware im Projekt zugrunde gelegt wird und nach
den Projektbedürfnissen angepasst und erweitert wird. Bei der Weiterentwick-
lung der Plattformsoftware selbst bestehen – im Vergleich zu einer rein projekt-
spezifischen Entwicklung – erhöhte Sorgfaltspflichten hinsichtlich der Qualitäts-
sicherung. Diese gelten für den ENG.7-Prozess sowie auch für alle anderen
Engineering-Prozesse. Im Fall, dass ein Modellierungswerkzeug für die modellba-
sierte Entwicklung des Softwaredesigns verwendet wird, kann die Softwareinteg-
ration direkt im Modellierungswerkzeug durchgeführt werden. Bei Integrations-
tests im Modellierungswerkzeug wird im Allgemeinen von Software-In-the-
Loop-Tests (SIL
52
-Tests) gesprochen.
2.9.3 Basispraktiken
BP1: Entwickle eine Strategie für die Softwareintegration. Entwickle eine Stra-
tegie und eine Integrationsreihenfolge, um die Softwareeinheiten in Übereinstim-
mung mit der Releasestrategie zu integrieren.
Eine solche Strategie spezifiziert die Reihenfolge, in der die Softwaremodule
schrittweise unter Berücksichtigung der Releasestrategie (siehe SPL.2
53
) zu
immer größeren integrierten Softwareeinheiten zusammengebaut werden. Die
integrierten Softwareeinheiten entsprechen ab einer bestimmten Aggregations-
stufe den Elementen der Softwarearchitektur. Die Integrationsstrategie muss
daher mit dem Softwaredesign und der Softwarearchitektur kompatibel bzw. aus
diesen abgeleitet sein. Es sind, je nach Produkt, verschiedene Strategien zur Inte-
gration sinnvoll, wobei alle Strategien unterschiedliche Ansätze zur Integration
von geänderten bzw. neuen Softwareeinheiten berücksichtigen sollten:
Hinweis für Assessoren
Verschmelzen ENG.7 und ENG.9, können die Integrationstätigkeiten sowohl bei
ENG.7 als auch bei ENG.9 bewertet werden. Beide (identisch) zu bewerten, macht
wenig Sinn. Meistens wird die Bewertung nur einmal bei ENG.9 vorgenommen
und ENG.7 als nicht anwendbar erklärt. Zu beachten sind dabei die unterschied-
lichen Aspekte der jeweiligen Integrationsstufen. Werden z. B. bei der Systeminte-
gration hauptsächlich Schnittstellen zwischen Hardware und Software betrachtet,
so werden bei der Softwareintegration Schnittstellen zwischen Softwarekompo-
nenten untersucht.
52. Nicht zu verwechseln mit SIL = Safety Integrity Level (siehe Kap. 5).
53. Der Begriff »Releasestrategie« wird in Automotive SPICE zwar verwendet, jedoch nicht defi-
niert (siehe stattdessen »Releaseplanung«).

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