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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2 Interpretationen zur Prozessdimension
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2.12.4 Ausgewählte Arbeitsprodukte
08-50 Test specification – Testspezifikation
Siehe bei ENG.8
08-52 Test plan – Testplan
Siehe bei ENG.8
13-50 Test result – Testergebnis
Siehe bei ENG.8
2.12.5 Besonderheiten Level 2
Siehe hierzu die analogen Ausführungen bei ENG.8.
2.13 SUP.1 Qualitätssicherung
2.13.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, durch eine unabhängige Instanz sicherzustellen, dass
Arbeitsprodukte und Prozesse vorab definierten Vorschriften und Plänen ent-
sprechen.
Qualitätssicherungsprozesse und -praktiken sind an mehreren Stellen in Automo-
tive SPICE definiert. Diese bilden ein (gewollt) redundantes System:
68
69
Generische Praktiken GP 2.2.1 und 2.2.4
Um Level 2 für einen Prozess zu erreichen, muss ein Minimum an Qualitätssiche-
rung für die Arbeitsprodukte des Prozesses gewährleistet sein, auch wenn keiner
der nachfolgend beschriebenen qualitätssichernden Prozesse implementiert ist.
SUP.1 Qualitätssicherung
SUP.1 ist der grundlegende Qualitätssicherungsprozess auf Projektebene. Im
Unterschied zu den generischen Praktiken wird hier nicht nur die Arbeitspro-
duktqualität, sondern auch die Qualität von Prozessen adressiert. SUP.1 koor-
diniert und überwacht die Aktivitäten von SUP.2, SUP.3 und SUP.5.
68. Auch wenn ein Unternehmen in seinen Prozessen die genannten SUP-Prozesse nicht berück-
sichtigt hat, werden QS-Praktiken dennoch auf Level 1 durch die Engineering-Prozesse und
auf Level 2 durch die generischen Praktiken GP 2.2.1 und 2.2.4 gefordert.
69. Einige der hier aufgeführten Prozesse sind nicht in Automotive SPICE enthalten, können
jedoch bei Bedarf aus der ISO/IEC 15504 herangezogen werden.
107
2.13 SUP.1 Qualitätssicherung
SUP.2 Verifikation
SUP.2 stellt systematisch sicher, dass jedes Arbeitsprodukt eines Prozesses oder
eines Projekts die vorgeschriebenen Anforderungen ordnungsgemäß widerspie-
gelt. Dazu gehört auch, dass Verifikationskriterien ermittelt werden, Defekte ent-
deckt, protokolliert und verfolgt werden und die Ergebnisse dem Kunden und
anderen Beteiligten zur Verfügung gestellt werden.
Verifikationsaktivitäten in ENG.6 – ENG.10
In diesen Engineering-Prozessen werden zahlreiche Verifikationsaktivitäten für die
Arbeitsprodukte gefordert, die eng in die Entwicklungsaktivitäten eingebunden
sind. Die Qualitätssicherung überwacht die Durchführung der Maßnahmen, auch
wenn sie diese nicht in jedem Einzelfall selbst durchführt. Durch diese Maßnah-
men, die zeitnah nach Erstellung der Arbeitsprodukte durchgeführt werden soll-
ten, können Folgefehler verhindert bzw. Prüfkosten in späteren Phasen reduziert
werden. Diese Verifikationsaktivitäten greifen bereits auf Level 1 und wenn keine
der anderen hier genannten qualitätssichernden Tätigkeiten implementiert ist.
SUP.4 Gemeinsame Reviews
Der Fokus von SUP.4 ist, die am Projekt Beteiligten zu synchronisieren und deren
Interessen und Belange zu erfüllen. Die dort spezifizierten gemeinsamen Reviews
mit beteiligten Personen und Gruppen (»Stakeholder«) umfassen sowohl
Managementreviews als auch technische Reviews. Insbesondere Letztere stellen
qualitätssichernde Maßnahmen dar.
SUP.5 Audit
Ähnlich wie SUP.1 stellt SUP.5 sicher, dass Arbeitsprodukte und Prozesse Quali-
tätsanforderungen genügen. Der entscheidende Unterschied ist, dass dies durch
Prüfung von unabhängiger Stelle geschehen muss.
MAN.4 Qualitätsmanagement
MAN.4 fordert ein Qualitätsmanagementsystem, das durch die Überwachung
von Produkt- und Dienstleistungsqualität systematisch Kundenzufriedenheit
sicherstellt. MAN.4 bezieht sowohl die Projekt- als auch die Organisationsebene
mit ein und bildet eine Art von Dach für alle anderen qualitätssichernden Aktivi-
täten.
2.13.2 Besonderheiten in der Automobilindustrie
Bei der Entwicklung von Systemen aus Hard- und Software ist das technische
Domänen-Know-how oft so speziell und setzt langjährige Erfahrung voraus,
sodass die Definition und Umsetzung von Qualitätsanforderungen an Arbeits-
2 Interpretationen zur Prozessdimension
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produkte von technischen Prozessen (z.B. Brems- und Fahrwerksregelungs-
systeme, Motorsteuerungen) nur durch Fachspezialisten sichergestellt werden
können. Aufgrund der Interdisziplinarität und insbesondere in großen Organisa-
tionen wird Qualitätssicherung in der Regel durch verschiedene Personengrup-
pen betrieben. Die praktische Umsetzung des SUP.1-Prozesses muss daher die
Koordination der beteiligten Personen sicherstellen.
Klassische Qualitätsthemen, definiert und abgebildet z.B. in DIN EN ISO
9001, EFQM oder ISO/TS 16949, sind in Produktion und Massenfertigung schon
jahrelang bekannt und in den Organisationen etabliert. Mit neuen Methoden wird
hier versucht, die statistischen Fertigungskennzahlen weiter zu verbessern, gleich-
wohl hier nur noch kleinere Verbesserungen zu erwarten sind. Leider hat das
Thema Qualitätssicherung für die Entwicklung nicht immer den notwendigen,
angemessenen Stellenwert und benötigtes Personal oder Infrastruktur wird nicht
immer ausreichend bereitgestellt. Kleine Organisationen mit bis zu 50 Entwick-
lern verfügen meist nur über einen Mitarbeiter für die Qualitätssicherung in der
Entwicklung, der oft neben seinen QS-Aufgaben noch selbst entwickelt oder tes-
tet.
Wenn dann versucht wird, die »klassischen« QS-Ansätze in der Entwicklung
anzuwenden, ist dies in der Regel nicht zielführend, weil sich die Methoden, Vor-
gehensweisen und Inhalte voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede in der
Organisation klar und verständlich darzustellen und das Commitment des
Managements für die Unterstützung der Qualitätssicherung in der Entwicklung
einzuholen, ist eine wichtige Voraussetzung zur zweckmäßigen Implementierung
dieses Prozesses.
2.13.3 Basispraktiken
BP1: Entwickle eine Vorgehensweise für Qualitätssicherung im Projekt. Eine
Vorgehensweise zur Durchführung von Qualitätssicherung auf Projektebene ist
entwickelt. Diese Strategie ist mit der Qualitätsmanagementstrategie der Orga-
nisation konsistent.
Anmerkung: Der Qualitätssicherungsprozess kann mit den verwandten Prozes-
sen SUP.2 Verifikation, SUP.4 Gemeinsame Reviews, Validierung und Audit
koordiniert werden.
Eine solche Vorgehensweise wird typischerweise als Teil eines Qualitätssiche-
rungsplans dokumentiert (siehe BP3). Die Strategie gibt dabei die grundsätzliche
Richtung vor, während der Plan die konkrete planerische Ausgestaltung enthält.
Sind weitere QS-Prozesse implementiert (z.B. SUP.2, SUP.3, SUP.4, SUP.5), so
müssen sie im Rahmen der Strategie in diese Vorgehensweise eingebunden und
koordiniert werden.

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