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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2.14 SUP.2 Verifikation
Charakters solcher Prozesskonformitätsprüfungen wird in der Regel auch ein
standardisierter QS-Prozess benötigt, was Elemente von Level 3 erfordert.
Die Quintessenz ist, dass SUP.1 Elemente von Level 2 und 3 und bestimmte
organisatorische Voraussetzungen benötigt. Dies kann bei Assessments zu dem
Problem führen, dass auf Level 1 – ohne solche Elemente – die Erfüllung des Pro-
zesszwecks nur schwer oder gar nicht nachgewiesen werden kann.
»Qualitätssicherung der Qualitätssicherung«
Auf Level 2 wird durch GP 2.2.4 eine Art »Qualitätssicherung der Qualitätssi-
cherung« implementiert. Konkret bedeutet dies, dass die Implementierung und
Wirksamkeit des Prozessses periodisch auditiert wird. Hierzu werden zentrale
Arbeitsprodukte von SUP.1 wie z.B. der Qualitätssicherungsplan oder Stichpro-
ben von Abweichungsberichten durch eine unabhängige Stelle untersucht, z.B.
durch externe Auditoren oder durch Personen aus der QS-Organisation, die
genügend Distanz zur operativen Ebene von SUP.1 besitzen.
2.14 SUP.2 Verifikation
2.14.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, zu bestätigen, dass jedes Arbeitsprodukt eines Prozes-
ses oder Projektes den spezifizierten Anforderungen entspricht.
Verifikation wird in der Fachwelt üblicherweise als ein entwicklungsphasenspezi-
fischer Prozess verstanden (vgl. z.B. [Spillner et al. 2005]), in dem die Korrektheit
und Vollständigkeit von Arbeitsprodukten dieser Phase im Hinblick auf die
direkten Vorgaben
74
an das jeweilige Arbeitsprodukt geprüft werden. So wird
z.B. bei der Verifikation einer Softwarekomponente schwerpunktmäßig gegen
deren Designvorgaben und gegen Programmierrichtlinien geprüft. Verifikation
beantwortet also sozusagen die Frage »Baue ich das System richtig?«, d.h., ent-
spricht es der Vorgabe?
Validierung hingegen beantwortet die Frage »Baue ich das richtige System?«,
d.h., ist es geeignet für die vorgesehene Nutzung? Es wird also geprüft, ob ein
System für seinen Einsatzzweck tauglich ist. Dies geschieht in erster Linie durch
eine Erprobung des Systems in der Praxis und in zweiter Linie durch Prüfung
gegen die Kunden- und Systemanforderungen.
Die meisten gängigen Prüfmethoden können in der Praxis sowohl für Verifi-
kations- als auch Validierungszwecke eingesetzt werden, haben jedoch klare
Schwerpunkte:
74. Im Prozesszweck wird dies als »Anforderungen« bezeichnet. Gemeint sind jedoch Anforde-
rungen im allgemeinen Sinne, nicht ausschließlich die ursprünglichen Kundenanforderungen.
2 Interpretationen zur Prozessdimension
122
Für Verifikation werden hauptsächlich Reviews, Walkthroughs, die Tests auf
den unterschiedlichen Ebenen und statische Codeanalysen eingesetzt.
Für Validierung ist die vorherrschende Methode die praktische Erprobung,
aber auch der Black-Box-Test oder verschiedene Spezialtests wie z.B. Stress-
tests, Performanztests, Lasttests werden eingesetzt. Auch Simulationen eignen
sich für frühzeitige Validierung.
In Automotive SPICE sind Verifikations- und Validierungsaktivitäten bereits an
zahlreichen Stellen beschrieben (vergleiche auch die Übersicht beim SUP.1-Pro-
zess), u.a. bei den Engineering-Prozessen sowie in Prozessattribut PA 2.2. Wird
der Verifikationsprozess SUP.2 implementiert, kann er in folgenden Punkten dar-
über hinausgehen:
1. SUP.2 beschreibt – über die oben genannten hinaus – zusätzliche Maßnah-
men, die parallel zur Entwicklung laufen und führt für diese eine gemeinsame
Planung und Koordinierung durch.
2. SUP.2-Aktivitäten besitzen einen gewissen Grad an Unabhängigkeit zu den
Entwicklungsaktivitäten.
SUP.2 hängt, wie bereits erwähnt, eng mit dem Validierungsprozess
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(ISO/IEC
15504-5 SUP.3) zusammen. Sowohl die einzusetzenden Prüfmethoden als auch
die Prozessmethodik sind sehr ähnlich. Daher werden in vielen Prozessrealisie-
rungen die Verifikations- und Validierungsaktivitäten eng koordiniert, beispiels-
weise durch einen gemeinsamen Verifikations- und Validierungsplan (»V&V-
Plan«).
Verifikation ist ein inkrementeller Prozess, der sich durch das gesamte Projekt
hindurchzieht, beginnend mit der Verifikation der Anforderungen. Es folgt dann
die Verifikation der in den nachfolgenden Entwicklungsphasen entstehenden
Arbeitsprodukte und verschiedener Prototypversionen des Produkts.
2.14.2 Besonderheiten in der Automobilindustrie
In der Automobilindustrie wird für die Verifikationsaktivitäten sehr spezifisches
und detailliertes Know-how und Erfahrung benötigt. Es liegt daher nahe, dass
diese Aktivitäten entweder von den Entwicklern selbst oder von speziell ausgebil-
detem, erfahrenem Fachpersonal durchgeführt werden.
75. Der Validierungsprozess SUP.3 wurde aufgrund der Assessmenterfahrung der Mitglieder der
Automotive SIG nicht als automotive-spezifischer Prozess in Automotive SPICE umgesetzt.
Sollte der Validierungsprozess in einem Assessment gefordert sein, so ist der Prozess aus der
ISO/IEC 15504-5 zu verwenden.

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