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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2 Interpretationen zur Prozessdimension
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2.14.5 Besonderheiten Level 2
Zum Management der Prozessdurchführung
Planung und Verfolgung der Verifikationsaktivitäten richten sich danach, inwie-
weit diese durch Projektpersonal oder sonstiges Personal erfolgen. Im ersten Fall
geschieht die Planung und Verfolgung mittels der im Projekt praktizierten Pro-
jektmanagementmethoden. Ansonsten wird in der Regel ein separater Plan
erstellt, eng mit dem Projektplan abgestimmt und durch projektunabhängiges
Personal verfolgt.
Zum Management der Arbeitsprodukte
Aufgrund der großen Bedeutung der Verifikationsstrategie sollte insbesondere
diese reviewt werden.
2.15 SUP .4 Gemeinsame Reviews
2.15.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, mit den Stakeholdern ein gemeinsames Verständnis
für den Fortschritt der Ziele der Vereinbarung aufrechtzuhalten, und was getan
werden sollte, um sicherzustellen, dass ein Produkt entwickelt wird, das die Sta-
keholder zufriedenstellt. Gemeinsame Reviews gibt es sowohl auf Projektma-
nagementebene als auch auf technischen Ebenen, sie werden während der gesam-
ten Projektdauer durchgeführt.
Unter Review wird die Prüfung von Reviewobjekten (z.B. Entwicklungsergeb-
nisse in Form von Dokumenten oder Code) gegenüber Vorgaben und gültigen
Richtlinien durch geeignete Prüfer verstanden. Diese Prüfung hat das Ziel, Fehler,
Schwächen und Lücken des Reviewobjekts aufzuzeigen, zu kommentieren und zu
dokumentieren sowie den Reifegrad des Objekts festzustellen.
Der Begriff Review wird in Literatur und Praxis meist mit sehr unterschied-
lichen Bedeutungen verwendet. Automotive SPICE geht nicht weiter auf die ver-
schiedenen Reviewmethoden wie Inspektion, Walkthrough, »Schreibtischtest«,
Peer-Review etc. ein. Als Referenz kann hierzu [IEEE 1028] herangezogen wer-
den, weiterführende Informationen gibt es z.B. bei [Gilb 1993] und [Freedman et
al. 1990].
Gerade in frühen Phasen eines Projekts stellen Reviews ein wirksames und
kostengünstiges Mittel dar, um die Qualität von z.B. Konzepten oder Kundenan-
forderungen zu überprüfen und um ein gemeinsames Problemverständnis im Pro-
jekt zu erzeugen. In späteren Entwicklungsphasen werden dann Entwicklungser-
gebnisse wie Designdokumente, Code oder Testfälle in Reviews überprüft. SUP.4
adressiert die folgenden Reviews:
129
2.15 SUP .4 Gemeinsame Reviews
(Projekt-)Managementreviews: Eine systematische Untersuchung mit Manage-
mentbeteiligung (Projektmanagement oder Linienmanagement), evtl. auch
mit Beteiligung von Kundenvertretern. Reviewobjekt ist dann meist der Pro-
jektstatus (Überprüfung des Projektfortschritts) oder es werden wichtige Ent-
wicklungsergebnisse geprüft und abgestimmt.
Meilensteinreviews: Zu wichtigen Projektmeilensteinen werden der Projekt-
status und die zu diesem Meilenstein fertigen Entwicklungsergebnisse gegen
definierte Kriterien überprüft, typischerweise auch mit Managementbeteili-
gung (s.o.).
Technische Reviews: Überprüfung von Entwicklungsdokumenten durch Exper-
ten mit technischem Fokus. Überprüft werden laut SUP.4 zum Beispiel die
Auslastung von Hardwareressourcen, neue Anforderungen und der Einsatz
von neuen Technologien und die damit verbundenen Entwicklungsergebnisse.
Reviews können mehr oder weniger aufwendig durchgeführt werden. Eine relativ
aufwendige und nach strengen Regeln durchgeführte Form ist die »Inspektion«.
Diese wird unter geplanter Leitung eines Moderators durchgeführt, erlaubt den
Prüfern vorab eine Begutachtung des Reviewobjekts und trägt in der Inspektions-
sitzung nur die Ergebnisse zusammen (siehe auch [Gilb 1993]). Derartige Metho-
den werden manchmal als »formale Reviews« bezeichnet. Andere Methoden ver-
zichten auf den ein oder anderen Bestandteil (z.B. keine Eingangsprüfung des
Reviewobjekts durch den Moderator, keine Vorbereitungszeit der Prüfer, keine
Sitzung, sondern nur schriftliche Kommentare) oder Aufwandstreiber (Verzicht
auf Moderatorenrolle, geringere Anzahl von Prüfern, z.B. nur Autor plus Kol-
lege). In jedem Fall müssen die durchzuführenden Schritte und Verantwortlich-
keiten präzise definiert sein (im Reviewprozess) und ggf. unterstützende Materia-
lien (z.B. Checklisten und Templates) zur Verfügung stehen.
Jede der genannten Formen hat ihre Berechtigung und besitzt Vor- und Nach-
teile. Durch langjährige Untersuchungen ist beispielsweise nachgewiesen, dass
mittels Inspektionen die meisten Probleme gefunden werden. Inspektionen bieten
sich daher für wichtige, zentrale Dokumente (wie z.B. Anforderungsdokumente,
Architektur, Design) an. Bei in großer Anzahl durchgeführten kleinen Reviews
(z.B. für Code) reicht vielleicht ein Peer-Review nur mit Autor und Kollege. In der
Praxis verfügen die Unternehmen daher meistens über ein Spektrum von Review-
prozessen für verschiedene, festgelegte Einsatzzwecke.
Aus Sicht von Automotive SPICE ist allerdings darauf zu achten, dass Assess-
ment-taugliche Nachweise von Reviews vorliegen. Empfehlenswert ist daher
mindestens Folgendes:
Planung, Identität der beteiligten Personen, das Vorgehen bezüglich Vertei-
lung der Reviewobjekte, Termine etc. sind nachvollziehbar.
Die Reviewergebnisse sind dokumentiert.
Die Mängelbeseitigung ist nachweisbar.

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