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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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2 Interpretationen zur Prozessdimension
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2.19.5 Besonderheiten Level 2
Projektmanagement des Projektmanagementprozesses
Auf Level 2 (siehe PA 2.1, Steuerung der Prozessausführung) werden ebenfalls
grundlegende Projektmanagementprinzipien gefordert, jedoch angewendet auf
den jeweiligen Prozess (und nicht das Projekt).
So wird gefordert, dass der Prozess, basierend auf Zielen, geplant ist und die
Planeinhaltung verfolgt wird. Für MAN.3 bedeutet dies, dass die Projektmanage-
mentaktivitäten wie Projektplanerstellung, Projektbesprechungen, Ausarbeiten
der Projektdetailplanung und Planungsaktualisierungen, Fortschrittsüberwachung,
Erstellen von Fortschrittsberichten etc. geplant und verfolgt werden müssen.
Sinnvoll planbar ist z.B. der erstmalige Fertigstellungstermin des Projekt-
plans und dessen Aktualisierung zu Beginn von neuen Phasen. Auch muss eine
Kapazitätseinplanung für Projektmanagement erfolgen, d.h., auch wiederkeh-
rende Tätigkeiten müssen berücksichtigt werden. Dies ist insbesondere dann
wichtig, wenn der Projektleiter neben der eigentlichen Leitung auch noch techni-
sche Aufgaben hat. In der Praxis ist dies oft bei kleineren Projekten der Fall und
führt in Stresssituationen häufig zur Vernachlässigung des Projektmanagements.
Zum Management der Arbeitsprodukte
Planungsdokumente ändern sich recht häufig, vorausgesetzt, die Dokumente
»leben« (d.h., sie werden als Planungs- und Steuerungsinstrument aktiv genutzt).
Daher können die Planungsdokumente nicht bei jeder kleinen Änderung reviewt
werden. Projektplan und Terminplan sollen aber zumindest zu Planungsbaselines
reviewt werden.
2.20 MAN.5 Risikomanagement
2.20.1 Zweck
Zweck des Prozesses ist es, Risiken kontinuierlich zu ermitteln, zu analysieren,
zu behandeln und zu verfolgen.
Zur Begriffsklärung: Wir verstehen unter einem
Risiko ein ungewolltes Ereignis
oder ein potenzielles Problem, das in der Zukunft mit einer gewissen Wahrschein-
lichkeit eintreten kann. Ein Risikoeintritt ist mit einem Schaden verbunden, d.h.,
er hat einen negativen Effekt auf die Projektziele, bewirkt also z.B. eine Kostener-
höhung, Terminverschiebungen, Qualitätsprobleme oder sonstige Schäden. Ziel
des Risikomanagements ist es, Risiken zu erkennen und wenn möglich zu vermei-
den oder ihre Eintrittswahrscheinlichkeit zu verringern und/oder die Auswirkun-
gen des Risikoeintritts abzumildern. Eng verwandt mit dem Begriff des Risikos ist
187
2.20 MAN.5 Risikomanagement
der Begriff des Problems. Der entscheidende Unterschied ist, dass ein Problem
entweder schon eingetreten ist oder mit Sicherheit eintreten wird.
Risikomanagementmethoden erlauben es, Risiken jeder Art
104
zu ermitteln,
zu analysieren, zu bewerten und über den gesamten Projektablauf zu verfolgen.
2.20.2 Besonderheiten in der Automobilindustrie
Eine spezielle Form von Risikomanagement ist die Methode FMEA
105
(Fehler-
möglichkeits- und Einflussanalyse bzw. Failure Modes and Effects Analysis). In
der Automobilentwicklung ist die Durchführung von System-FMEAs verbindlich
vorgeschrieben.
Durch eine FMEA werden vorausschauend Fehlerquellen im Design (sog.
Konstruktions-FMEA
106
) oder in der Herstellung (sog. Prozess-FMEA) ermittelt
und bewertet. Die Methodik der System-FMEA verbindet diese beiden Sichtwei-
sen. FMEAs konzentrieren sich also auf Produkt- und Fertigungsprozessrisiken
und werden vorwiegend in frühen Projektphasen nach Vorliegen eines ersten
Designs (oder der Konzeption eines Herstellungsprozesses) eingesetzt. Bei Steuer-
geräten müssen natürlich auch die Softwareanteile in Rahmen der FMEA mitbe-
trachtet werden.
Risikomanagement in der hier beschriebenen Form adressiert darüber hinaus
auch alle möglichen weiteren Risiken (wie z.B. Projekt-, Entwicklungsprozess-
und Organisationsrisiken). Im Rahmen der Komponentenentwicklung durch Zulie-
ferer kann sich Risikomanagement auf mehreren Ebenen im Projekt abspielen:
Auf Ebene des Entwicklungsprojekts (sowohl auf Auftragnehmer- als auch
auf Auftraggeberseite)
Auf Ebene des Fahrzeugprojekts auf Auftraggeberseite
Auf Organisationsebene (sowohl Auftraggeber- als auch Auftragnehmerorga-
nisation)
104. Das heißt auch nicht technische Risiken, im Gegensatz zur FMEA.
105. Im Rahmen einer FMEA können auch andere Analysetechniken eingesetzt werden, wie FTA
(Failure Tree Analysis = Fehlerbaumanalyse nach DIN 25 424; dabei wird ausgehend von
einer Fehlermöglichkeit nach den Ursachen gesucht) und ETA (Event Tree Analysis = Ereig-
nisfolgenanalyse nach DIN 25 419; hier werden, ausgehend von einer Fehlermöglichkeit, die
möglichen Folgen analysiert).
106. Wird das Prinzip der Konstruktions-FMEA auf Software angewendet, spricht man auch von
einer Software-FMEA. Oft werden die Softwareanteile im Rahmen einer Gesamt-FMEA mit
betrachtet.
Hinweis für Assessoren
Im Rahmen der Bewertung des Prozesses muss daher festgelegt werden, auf wel-
chen Umfang der Risikomanagementprozess angewendet wird.

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