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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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3.2 Wie werden Reifegradstufen gemessen?
ist z.B. eine Methode zur Durchführung von Reviews von Arbeitsprodukten, die
das Prozessattribut PA 2.2 unterstützt.
In der Assessmentpraxis werden vor allem die generischen Praktiken als Indi-
katoren zur Prozessbewertung herangezogen. Daher werden die generischen Res-
sourcen nachfolgend nicht weiter behandelt.
Zur Beurteilung von Level 1 sind die Indikatoren für die Reifegraddimension
(Basispraktiken und Arbeitsprodukte) relevant, aufgrund derer das Prozessattri-
but PA 1.1 und damit die Ausführung des Prozesses bewertet wird. Diese sind
prozessspezifisch und sind daher für jeden Prozess in Kapitel 2 dieses Buchs
beschrieben.
3.2 Wie werden Reifegradstufen gemessen?
In einem Assessment wird der real ausgeführte Prozess mit den Indikatoren des
Assessmentmodells verglichen und darauf basierend die Erfüllung der Prozess-
attribute bewertet. Zur Ermittlung der Reifegradstufe eines Prozesses fordert die
ISO/IEC 15504-2 die Bewertung der Erfüllung der Prozessattribute mittels fol-
gender vierstufiger Bewertungsskala:
N (Not achieved bzw. nicht erfüllt), entspricht 0-15%.
Es gibt keine oder geringe Anzeichen der Erfüllung des definierten Attributs
bei dem assessierten Prozess.
P (Partially achieved bzw. teilweise erfüllt), entspricht >15-50%.
Es gibt einige Anzeichen für eine Vorgehensweise und eine teilweise Erfüllung
des definierten Attributs in dem assessierten Prozess. Einige Aspekte der
Erfüllung des Attributs können unvorhersagbar sein.
L (Largely achieved bzw. überwiegend erfüllt), entspricht >50-85%.
Es gibt Anzeichen für eine systematische Vorgehensweise und eine signifi-
kante Erfüllung des definierten Attributs in dem assessierten Prozess. Im
assessierten Prozess können einige Schwächen bezüglich des Attributs existie-
ren.
F (Fully achieved bzw. vollständig erfüllt), entspricht >85-100%.
Es gibt Anzeichen für eine vollständige und systematische Vorgehensweise
und eine volle Erfüllung des definierten Attributs in dem assessierten Prozess.
Im assessierten Prozess gibt es keine signifikanten Schwächen bezüglich des
Attributs.
3 Interpretationen zur Reifegraddimension
234
Zur Berechnung des Reifegrads aus den Bewertungen der einzelnen Prozessattri-
bute gibt ISO/IEC 15504-2 ein »process capability level model« vor. Nach diesem
gilt:
Die PAs der betreffenden Reifegradstufe müssen mindestens mit L (»überwie-
gend erfüllt«) bewertet sein, um diese Stufe zu erreichen.
Alle PAs aller darunter liegenden Stufen müssen mit F (»vollständig erfüllt«)
bewertet sein.
Hinweis für Assessoren
Obwohl Automotive SPICE lediglich eine Bewertung der Prozessattribute vor-
sieht, werden in der Assessmentpraxis meistens auch Basispraktiken und generi-
sche Praktiken mittels der N/P/L/F-Skala bewertet, da dies eine objektive und
nachvollziehbare Bewertung sehr gut unterstützt. Bei der Bewertung der Basis-
praktiken werden auch die Existenz und Qualität der Arbeitsprodukte berücksich-
tigt, da diese durch die Basispraktiken erzeugt bzw. bearbeitet werden.
Viele Assessmentverfahren bilden einen Mittelwert der Bewertung der Basis-
praktiken als Anhaltspunkt für die Bewertung von PA 1.1 sowie einen Mittelwert
der Bewertung der generischen Praktiken für die Bewertung der anderen Prozess-
attribute. Assessmenttools berechnen sogar eine prozentuale Erfüllung des Prozess-
attributs aus dem Mittelwert der prozentualen Erfüllungen der einzelnen Basis-
praktiken bzw. der generischen Praktiken. Diese Methode kann jedoch immer nur
als Anhaltspunkt dienen, da die Basispraktiken in der Regel nicht gleichgewichtig
sind und auch in der individuellen Situation eine unterschiedliche Gewichtung
haben können. Gleiches gilt für die generischen Praktiken.
Diese Problematik spielt besonders in Grenzfällen eine Rolle, wenn z.B. durch
ein Assessmenttool ein Erfüllungsgrad von 50% (=P) vorgeschlagen wird und die
Diskussion aufkommt, ob es nicht doch 51% (=L) sein könnten. Das Assessment-
team muss daher – insbesondere in solchen Grenzfällen – die Erfüllung des Prozess-
attributs im jeweiligen Kontext anhand der verbalen Charakterisierung der N/P/L/F-
Skala bewerten (siehe oben) und nicht etwa alleine aufgrund einer von einem
Assessmenttool ausgeworfenen Prozentzahl. Dabei ist auch zu beachten, dass die
generischen Praktiken keineswegs ein genaues Spiegelbild der Charakteristika der
Prozessattribute darstellen, sondern sehr viel detaillierter sind. Manche Details
(die eventuell bei der generischen Praktik bewertet wurden) fallen auf der überge-
ordneten Ebene des Prozessattributs weg. Gleiches gilt für den Spezialfall der
PA 1.1, die in ihrer Bewertung auf die Prozessergebnisse abzielt. Die Basisprak-
tiken sind ebenfalls kein genaues Spiegelbild der Prozessergebnisse, analog zu den
obigen Ausführungen.

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