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Automotive SPICE in der Praxis: Interpretationshilfe für Anwender und Assessoren by Jörg Zimmer, Lars Dittmann, Klaus Hörmann, Markus Müller

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293
Glossar
A-/B-/C-/D-Musterstand
Die Automobilindustrie arbeitet mit sogenannten Musterständen (A,B,C,D). Dabei
werden Protoytpen der zu entwickelnden Bauteile mit zunehmendem Reifegrad im
Entwicklungsprozess bereitgestellt und in Erprobungsfahrzeugen integriert. Die Mus-
terphasen bedeuten etwa (für Details siehe Abschnitt 2.2.2):
A-Muster: meist bedingt taugliche Funktionsmuster mit geringem Reifegrad
B-Muster: funktionsfähige Grundsatzmuster mit hohem Reifegrad, können auf
Hilfswerkzeugen hergestellt werden
C-Muster: voll funktionsfähige Muster aus Serienwerkzeugen
D-Muster: wie C-Muster, werden vom Lieferanten zwecks Baumusterfreigabe zur
Verfügung gestellt
Abnahme
Die Abnahme ist die schriftliche Erklärung der Annahme des Arbeitsproduktes (oder
Dienstleistung) im juristischen Sinne durch den Kunden/Auftraggeber. Der Kunde/Auf-
traggeber überzeugt sich meist durch Tests oder Prüfungen davon, dass das Arbeitspro-
dukt die spezifizierten Eigenschaften besitzt, sich entsprechend den spezifizierten
Anforderungen verhält und für die geplante Anwendung brauchbar ist. Abnahmen
werden meist durch Auftraggeber und Auftragnehmer gemeinsam durchgeführt.
Anforderung
Eine Anforderung (engl. requirement) beschreibt eine zu erfüllende Eigenschaft oder zu
erbringende Leistung eines Produkts, Systems oder Prozesses, die verifizierbar ist.
Arbeitsprodukt
Ein Artefakt, das mit der Ausführung eines Prozesses zusammenhängt. Output-
Arbeitsprodukte werden im Prozess erstellt bzw. geändert und stehen nach Ausführung
eines Prozesses weiteren Prozessen zur Verfügung. Arbeitsprodukte können projektin-
ternen Charakter haben oder nach außen gegeben werden. In diesem Fall spricht man
eher von »Produkt«. Output-Arbeitsprodukte sind Indikatoren der Prozessdimension.
(Automotive SPICE-Bezeichnung »work product«)
Glossar
294
Assessment
Eine Bewertung der Leistungsfähigkeit der Prozesse einer Organisation gegenüber
einem Modell (z.B. Automotive SPICE
PAM). Ziel ist die Bewertung und Verbesserung
der Prozesse (Prozessfähigkeit).
Assessmentmodell
Siehe Prozessassessmentmodell
AUTOSAR
Eine Initiative führender OEMs und Tier-one-Lieferanten, um einen De-facto-Stan-
dard für Elektrik- und Elektronikarchitekturen für das Automobil zu entwickeln (siehe
auch REU.2).
Baseline
Eine Konfiguration, die einen Entwicklungsstand beschreibt, der eine besondere
Bedeutung hat (z.B. eine Anforderungsbaseline, Designbaseline oder Baselines im
Zusammenhang mit der Erzeugung von Releases). Die betreffenden Konfigurationsele-
mente und ihre Zusammengehörigkeit werden durch die Baselinebildung »konser-
viert«, d.h. gegen Änderungen geschützt. Sie werden als zusammengehörig gekenn-
zeichnet und »eingefroren«, d.h., die betreffenden Konfigurationselemente dürfen
nicht mehr geändert werden.
Basispraktik
Eine oder mehrere Aktivitäten, die im Rahmen eines Prozesses ausgeführt werden und
die Output-Arbeitsprodukte erzeugen. Basispraktiken sind Indikatoren der Prozessdi-
mension. (Automotive SPICE-Bezeichnung »base practice«)
Beschaffung
Unter Beschaffung wird im Rahmen der ACQ-Prozesse (vergleiche Abschnitt 2.1 zu
ACQ.4.) die Auswahl von Lieferanten sowie die Steuerung der Erstellung von (Teil-
)Produkten durch die ausgewählten Lieferanten verstanden. (Automotive SPICE-
Bezeichnung: »acquisition«)
Bewertungsskala
Gemäß ISO/IEC 15504 werden die Prozessattribute mit einer vierstufigen Bewertungs-
skala (N/P/L/F) bewertet (siehe Abschnitt 3.2 zur Erläuterung der Skala). (Automotive
SPICE-Bezeichnung »rating scale«)
Black-Box-Test
Dieser Test vergleicht das nach außen beobachtbare Verhalten an den äußeren Schnitt-
stellen der Software (ohne Kenntnis von deren Aufbau) mit dem gewünschten Verhal-
ten. Diese Tests werden häufig mit »funktionalen Tests« gleichgesetzt, obwohl Black-
Box-Tests natürlich auch nicht funktionale Tests beinhalten können. Siehe auch
White-Box-Test.
Code
Code steht hier für Quellcode bzw. Sourcecode und ist die Darstellung von Abläufen
und Datenstrukturen in einer Programmiersprache, sodass eine Weiterverarbeitung
durch einen Übersetzer (Compiler) möglich ist.
295
Glossar
Codeinspektion
Automotive SPICE verwendet diesen Begriff als Synonym für »Codereview«. Unter
einer »Inspektion« versteht man üblicherweise eine formalere Form eines Reviews
nach einem genau festgelegten Prozess durch ausgebildete Gutachter und Inspektions-
leiter. Der Inspektionsprozess sieht typischerweise unter anderem vor, dass das Prüfob-
jekt den Prüfern bereits eine Weile vor der Sitzung zwecks Prüfung zur Verfügung
gestellt wird. Während der Sitzung werden dann nur noch die Prüfergebnisse kurz
durchgesprochen, konsolidiert und aufgezeichnet. Siehe auch Codereview und Review.
Codereview
Anwendung einer Review-Methodik (siehe Review) auf Software. Automotive SPICE
zitiert hierzu im Glossar die IEEE-Definition aus [IEEE 610]: eine Sitzung, in der Soft-
ware einer Gruppe von Projektmitarbeitern, Managern, Benutzern, Kunden und ande-
ren Interessenten präsentiert wird zwecks Kommentierung oder Genehmigung. Siehe
auch Codeinspektion.
Commitment
Eine zwischen zwei oder mehreren Parteien freiwillig geschlossene, verbindliche Ver-
einbarung bzw. Verpflichtung.
Definierter Prozess
Gemeint ist der im Projekt oder an einer sonstigen Stelle in der Organisation ausge-
führte und dokumentierte Prozess, der aus einem Standardprozess abgeleitet und ggf.
(mittels »Tailoring«) angepasst wurde. (Automotive SPICE
-
Bezeichnung »defined pro-
cess«)
Dynamische Analyse
Eine Analyse eines Systems oder einer Komponente basierend auf dem Verhalten wäh-
rend der Ausführung [IEEE 610]. Siehe auch statische Analyse.
Entwicklungsumgebung
Eine Gruppe von Werkzeugen und Infrastruktur, die Entwicklungsprozesse unterstüt-
zen. Hierzu gehören u.a. Planungswerkzeuge, Entwurfswerkzeuge, Simulatoren und
Generatoren, Editoren, Übersetzer, Debugger, Konfigurationsmanagementwerkzeuge
sowie die Hardware wie PC, Testumgebungen etc.
Erweiterbarkeit
Das Maß, in dem eine Softwarekomponente geändert werden kann, um z.B. die Funk-
tionalität zu erweitern (vgl. [ISO/IEC 9126] »Qualitätsmerkmale für Software«).
Flashen
Unter Flashen versteht man in der Automobilindustrie das Beschreiben eines EEPROM
in einem Steuergerät, z.B. zum Einspielen eines neuen Softwarestands.
Freigabe
Formale Entscheidung auf der Basis der Projektergebnisse über den Reifegrad eines
Arbeitsprodukts zur offiziellen Übergabe an den nächsten Prozessschritt oder zur Aus-
lieferung.
Funktionale Anforderung
Eine Anforderung, die einen direkten Einfluss auf die Funktionalität besitzt und diese
beschreibt.

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