170 3 Die Finanzwirtschaft
nicht informiert, die Zahlungen erfolgen nach wie vor an das Unternehmen, das die Beträge
an den Factor weiterleitet.
Das Factoring bezieht sich nicht auf den Verkauf einzelner Forderungen, sondern ist eine
längerfristig in Anspruch genommene Dienstleistung, bei der sämtliche Forderungen des
Unternehmens oder alle Forderungen mit bestimmten Merkmalen, z.B. an eine Kundengrup-
pe oder aus einem Geschäftsbereich, auf den Factor übergehen. Dadurch erreicht der Factor
eine gewisse Risikostreuung und kann verhindern, dass das Unternehmen ihm nur die beson-
ders ausfallgefährdeten Forderungen abtritt.
3. Genussscheine
Genussscheine sind von Aktiengesellschaften ausgegebene Wertpapiere, durch die ähnlich
wie bei einer Schuldverschreibung dem Unternehmen finanzielle Mittel für eine bestimmte
Laufzeit zur Verfügung gestellt werden. Als Entgelt für die Kapitalüberlassung werden je-
doch keine fest vereinbarten Zinsen gezahlt, sondern den Inhabern der Genussscheine wird
wie den Aktionären – ein Recht auf einen Anteil am Gewinn des Unternehmens eingeräumt.
Im Gegensatz zu Aktien bringen Genussscheine jedoch keine Mitwirkungsrechte in der Ak-
tiengesellschaft mit sich. Sie sind daher zwischen den Instrumenten der Kreditfinanzierung
und der im folgenden Abschnitt behandelten Beteiligungsfinanzierung angesiedelt. Die Höhe
der Ausschüttung orientiert sich in der Regel an der den Aktionären gezahlten Dividende.
Erwirtschaftet das Unternehmen keinen Gewinn, so erhalten auch die Genussscheininhaber
keine Ausschüttung, sie sind also direkt an den Chancen und Risiken der Unternehmenstä-
tigkeit beteiligt.
Weitere Finanzierungsinstrumente, die eine Stellung zwischen Eigen- und Fremdkapital
einnehmen, sind z.B. Wandelschuldverschreibungen, Optionsanleihen und Gewinnschuld-
verschreibungen.
3.3.2 Beteiligungsfinanzierung
Bei der Beteiligungsfinanzierung wird dem Unternehmen Eigenkapital von außen zugeführt.
Ein wesentliches Kennzeichen von Eigenkapital ist, dass es dem Unternehmen unbefristet
zur Verfügung gestellt wird. Die Beteiligungsfinanzierung ist mit Vorgängen verbunden, bei
denen das Eigenkapital in seiner Höhe oder seiner Zusammensetzung verändert wird. Der
Kapitalbedarf sowie die Möglichkeiten und die Abwicklung der Beteiligungsfinanzierung
sind in hohem Ausmaß abhängig von der Rechtsform, in der das Unternehmen geführt wird
(vgl. Abschnitt 1.4). Die verschiedenen Anlässe der Beteiligungsfinanzierung sind in Abb.
3.11 zusammengestellt.
3.3 Finanzierung 171
Beteiligungsfinanzierung
Gründung
Kapital-
erhöhung
Sanierung
Umwand-
lung
Fusion Liquidation
Beteiligungsfinanzierung
Gründung
Kapital-
erhöhung
Sanierung
Umwand-
lung
Fusion Liquidation
Abb. 3.11 Anlässe der Beteiligungsfinanzierung
1. Gründung
Bei der Gründung eines Unternehmens leisten die Eigentümer Einlagen in Form von Geld
oder Sachmitteln, die in das Eigentum des Unternehmens übergehen. Das Eigenkapital ist
eine Rechengröße, die sich ergibt, indem man vom Wert der auf der Aktivseite der Bilanz
aufgeführten Vermögensgegenstände die als Fremdkapital aufgenommenen Verbindlichkei-
ten abzieht (vgl. nochmals Abb. 3.7).
Bei einem Einzelunternehmen besteht aus rechtlicher Sicht keine Trennung zwischen dem
Privat- und dem Betriebsvermögen, da der Inhaber mit seinem Gesamtvermögen für die
Verbindlichkeiten des Unternehmens haftet. Bei der Unternehmensgründung ordnet er einen
Teil seines Vermögens dem Unternehmen als Betriebsvermögen zu. Das Eigenkapital als
Differenz aus dem Wert der Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden des Unterneh-
mens ändert sich im Grunde mit jedem Geschäftsvorfall.
Bei der Gründung einer Personengesellschaft
gehen die von den einzelnen Gesellschaftern
geleisteten Geld- und Sacheinlagen in das Vermögen der Gesellschaft über. Da die Kapital-
anteile in der Regel Grundlage für die Gewinnverteilung sind, werden sie im Gesellschafts-
vertrag festgehalten. Das Eigenkapital erhöht sich durch Gewinne der Gesellschaft und wird
durch Verluste oder Entnahmen reduziert.
Während bei den Personengesellschaften die Höhe des Eigenkapitals in Abhängigkeit vom
Unternehmenserfolg stark schwanken kann, weisen Kapitalgesellschaften
ein festes Nennka-
pital auf, das grundsätzlich bei der Unternehmensgründung eingezahlt werden muss. Das
Eigenkapital einer Kapitalgesellschaft besteht nicht nur aus dem bei der Gründung eingezahl-
ten Nennkapital, sondern umfasst darüber hinaus die vom Unternehmen erwirtschafteten
Rücklagen. Wird das Nennkapital bei der Gründung nicht vollständig eingezahlt, so haften
die Anteilseigner für die ausstehenden Einlagen persönlich.
Die Gründung einer GmbH oder einer Aktiengesellschaft kann als Bargründung oder als
Sachgründung erfolgen. Bei der Sachgründung einer Aktiengesellschaft ist durch eine Grün-
dungsprüfung sicherzustellen, dass der Wert der eingebrachten Vermögensgegenstände min-
destens dem Grundkapital entspricht. Soll eine Aktiengesellschaft an der Börse notiert wer-

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