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CMMI: Verbesserung von Software- und Systementwicklungsprozessen mit Capability Maturity Model Integration (CMMI-DEV) by Ralf Kneuper

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5 Vergleich von CMM, CMMI v1.1 und
CMMI v1.2
5.1 Von SW-CMM zu CMMI v1.1
Ein Teil der Unterschiede zwischen CMMI und seinem Vorgängermo-
dell CMM wurde bei der Behandlung des jeweiligen Themas an ande-
rer Stelle bereits angesprochen. Hier sollen die wichtigsten Änderun-
gen zusammengefasst und vervollständigt werden.
Bereits in Kapitel 3 behandelte offensichtliche Hauptunterschiede
sind der modulare Aufbau, die damit verbundene Anpassbarkeit an
verschiedene Anwendungsgebiete sowie die Einführung einer kontinu-
ierlichen Darstellung und der generischen Ziele und Praktiken.
Ein sehr detaillierter Vergleich von CMMI-SE/SW und dem SW-
CMM v1.1 auf Ebene einzelner Anforderungen (Praktiken) ist in
[STSC02] zu finden.
Schlüsselprozessgebiete
und Schlüsselpraktiken
Die Benennungen der Strukturelemente wurden teilweise geändert.
Statt »Schlüsselprozessgebiete« (Key Process Areas, KPA) wie in CMM
gibt es in CMMI »Prozessgebiete«, und die bisherigen »Schlüsselprak-
tiken« heißen jetzt »Praktiken«, wobei eine Unterscheidung zwischen
generischen und spezifischen Praktiken eingeführt wurde.
5.1.1 Verbesserte Strukturierung
Um das Ziel der leichten Anpassbarkeit zu erreichen, wurde das
CMMI gegenüber dem CMM wesentlich stärker strukturiert:
Gemeinsame Anforderungen in allen Prozessgebieten wurden als
generische Ziele und Praktiken herausgezogen.
Jede Praktik gehört zu genau einem Ziel. Damit haben die Ziele in
der Praxis einen höheren Stellenwert erhalten, da ihre Erreichung
jetzt leichter zu überprüfen ist.
5 Vergleich von CMM, CMMI v1.1 und CMMI v1.2
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Eher eine Formalie ohne praktische Auswirkungen ist die Untertei-
lung der Prozessgebiete in vier Kategorien (Prozessmanagement,
Projektmanagement, Ingenieurdisziplinen und Unterstützung) statt
drei Kategorien wie im CMM (Management, Organisation, Ingeni-
eurdisziplinen; siehe [CMM94, Kap. 4.6]).
5.1.2 Inhaltliche Änderungen
Diese stärkere Strukturierung führt dazu, dass die gestellten Anforde-
rungen eindeutiger werden und Anforderungen, die offensichtlich
gemeint, aber nicht explizit gefordert sind, kaum noch vorkommen.
Im CMM gab es solche Fälle, beispielsweise fordert Aktivität 2 von
CMM-OPF einen Plan für die Aktivitäten zur Softwareprozessent-
wicklung und -verbesserung. Es gibt aber keine explizite Anforderung,
dass dieser Plan umgesetzt wird. Zumindest gerüchteweise soll es
Organisationen geben, die diese Lücke in Assessments ausgenutzt haben.
Bei einem Vergleich der einzelnen Reifegrade ergibt sich folgendes
Bild:
Reifegrad 2
Viele Änderungen im Detail, aber im Wesentlichen sind die Anfor-
derungen gleich geblieben. Offensichtlichster Unterschied ist das
neue Prozessgebiet »Messung und Analyse«, in dem die vorher
über alle Prozessgebiete verteilten Anforderungen zu diesem Gebiet
zusammengefasst wurden (vgl. Kap. 4.1.5).
Beim Prozessgebiet »Anforderungsmanagement« ist die Forde-
rung nach der bidirektionalen Nachverfolgbarkeit (SP 1.4, siehe
Seite 42) der Anforderungen in CMMI hinzugekommen, deren
Umsetzung vielen Unternehmen Schwierigkeiten bereitet.
Reifegrad 3
Diese Stufe wurde gegenüber dem CMM am stärksten geändert.
Durch einen Vergleich der Prozessgebiete beider Modelle wird dies
auf den ersten Blick sichtbar. Von den sieben Prozessgebieten des
CMM, Reifegrad 3, wurden zwei in etwa beibehalten (»Organisa-
tionsweiter Prozessfokus« und »Organisationsweite Prozessdefini-
tion«), für zwei weitere gilt dies mit Einschränkungen (»Trainings-
programm« und »Integriertes Softwaremanagement«) und die
anderen drei wurden komplett umstrukturiert und ergänzt, sodass
CMMI-Reifegrad 3 auf insgesamt elf Prozessgebiete angewachsen
ist (vgl. Abb. 5–1).
1
Durch diese stärkere Aufgliederung hat der Projektlebenszyklus
im engeren Sinne einen wesentlich höheren Stellenwert bekommen,
1. Dabei sind nur die Prozessgebiete des CMMI-SW berücksichtigt; für IPPD
kamen noch zwei, für SS noch ein weiteres Prozessgebiet hinzu.
95
5.1 Von SW-CMM zu CMMI v1.1
da er jetzt deutlich ausführlicher in drei getrennten Prozessgebieten
beschrieben ist (siehe Anfang Kap. 4.2, insbesondere Kap. 4.2.1 bis
Kap. 4.2.3).
Reifegrad 4
Wie schon bei Reifegrad 2 gibt es viele Änderungen im Detail, aber
im Wesentlichen sind die Anforderungen gleich geblieben.
Reifegrad 5
Auch hier erkennt man viele Änderungen im Detail, aber es gibt
keine Änderungen in den grundsätzlichen Anforderungen.
Änderungen an den Prozessen und Änderungen der Technologie, die
im CMM in zwei getrennten Schlüsselprozessgebieten behandelt wur-
den, nämlich in »Technologieänderungsmanagement« und »Prozessände-
rungsmanagement«, sind im CMMI im Prozessgebiet »Organisations-
weite Innovation und Verbreitung« (Kap. 4.4.1) zusammengefasst.
Abb. 5–1
Abbildung der
CMM-Stufe 3 auf
CMMI-Stufe 3
5 Vergleich von CMM, CMMI v1.1 und CMMI v1.2
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5.1.3 Modellumfang
Der Umfang des CMMI ist deutlich größer als der des CMM oder der
anderen Vorgängermodelle, ausgenommen IPD-CMM (siehe Tab. 5–1).
Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass das CMMI alle von den Vor-
gängermodellen behandelten Themen abdecken soll.
Dadurch ist allerdings der Aufwand bei der Einführung und insbe-
sondere bei der Überprüfung im Rahmen eines Assessments (Kap. 8)
deutlich größer. Dies wird noch verstärkt durch die Ablösung der
Assessmentmethode CBA-IPI durch die »Standard CMMI Appraisal
Method for Process Improvement« SCAMPI, bei der höhere formale
Anforderungen bestehen (siehe Kap. 8.2).
5.1.4 Die gemeinsame Struktur der Prozessgebiete
Inhaltlich wurden die in der Struktur der Prozessgebiete (Common
Features) des CMM steckenden Anforderungen beibehalten, auch wenn
sie im CMMI anders eingeteilt wurden. Die Common Features wurden
in CMMI v1.1 zur Unterscheidung der generischen Praktiken verwen-
det, hatten allerdings keine praktische Bedeutung und wurden daher in
CMMI v1.2 gestrichen.
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Tab. 5–1
Größenvergleich von
CMMI mit den
Quellmodellen
(mit (*) markierte
Angaben nach [Phil02])

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