Irina Gradinari (Berlin) und Johannes Pause (Dresden)

Sexualmord und Fotografie

Zur Entstehung des Tatorts als Wissensraum

1 Lustmord als diskursive Leerstelle

Vom Moment seines diskursiven Erscheinens an stellte der Lustmord ein epistemologisches Problem dar. Als Kategorie des Verbrechens entstand er in einer Zeit, die durch ein allgemeines wissenschaftliches Interesse an sexuellen ‚Pathologien’111 ebenso gekennzeichnet war wie durch den Beginn einer systematischen, wissenschaftlichen Erfassung der Kriminalität. Im Schnittfeld dieser beiden Diskurse blieb das Phänomen Lustmord jedoch ein wissenschaftliches Phantasma. Die aufwendigen Beweisführungen, die die Taten auf körperliche (und ab den 1950er Jahren auf psychische) Merkmale zurückführen ...

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