Zum Begriff des Staates
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European state. By that same time, this formerly undernourished and barbarous
part of the globe had become so populous, rich, and militarily preponderant as
to colonize or subject the rest of the world's polities. These, in turn, either in
emulation and admiration, or to get revenge, copied the design of the states to
which they were subjected. This is why the European modern state - the territo-
rial nation state that proclaims democratic and secular values - has become the
model for the entire contemporary world" (Finer 1997: 94).
(a) Feudale Herrschaftsordnung
Europa war um das Jahr 1000 vielleicht nicht völlig barbarisch (Finer meint hier si-
cher die Zeit unmittelbar nach dem Niedergang des Römischen Reiches), in jedem Fall aber
rückständig (als Überblick Fried 1993). Zunächst existierten zu dieser Zeit und durch das
ganze Mittelalter hindurch keine Staaten, sondern Personenverbände, die „feudalen Herr-
schaftsbeziehungen". Sie beruhten im Wesentlichen auf persönlichen Abhängigkeiten.
Zwar lassen sich unter Karl dem Großen erste Ansätze einer Zentralisierung von Herrschaft
auf der Grundlage schriftlich fixierter Normen feststellen, zwischen dem 10. und 13. Jahr-
hundert spielten sie aber keine Rolle mehr.
Nur die Kirche entwickelte eine Verwaltung und ein formalisiertes Recht und erlangte
auf diese Weise eine starke Stellung gegenüber den weltlichen Feudalherren. Sie war zu
einer Effektivierung ihrer Verwaltung gezwungen, weil ihre Länder und Besitztümer über
ein weites Gebiet zerstreut waren, eine persönliche Kontrolle durch den Papst also aus-
schied. Möglich wurde diese Verwaltung, weil die Geistlichen des Schreibens kundig wa-
ren und die Kirche das römische Recht kannte. Die Tatsache, dass weltliche Herrschaften in
Mitteleuropa keine Oberhoheit über die Religion erlangen konnten und sie sowohl hinsicht-
lich ihrer Legitimität als auch ihrer Exekutivkapazitäten von der Kirche abhängig waren,
erklärt die lange Dauer des Feudalismus. Die Kirche wiederum hatte kein Interesse an der
Übernahme der weltlichen Macht, weil sie von der Konkurrenz der weltlichen Herrscher
nur profitieren konnte. Ideologisch legitimiert wurde diese duale Struktur durch die Lehre
der zwei Reiche, die schon im 4. Jahrhundert von Aurelius Augustinus formuliert wurde. In
diesem Dualismus lag allerdings auch eine Ursacher die Entwicklung des modernen
Staates in Europa: In den Auseinandersetzungen mit der Kirche und den lange anhaltenden
Konflikten zwischen Ständen und Konfessionen schälte sich die Institution des Staates als
Lösung heraus, eine Form der Herrschaft, die unabhängig von religiöser Legitimation und
persönlichen Interessen der Herrschenden funktionieren konnte und zugleich über ein grö-
ßeres Territorium ausdehnbar war (Creveld 1999: 74). Angesichts der Fragmentierung welt-
licher Herrschaften entstanden konkurrierende Staaten, die sich gegenseitig durch Wettbe-
werb zu einer Effektivierung ihres Staatsapparates (Militär, Verwaltung) und der Wirtschaft
auf ihrem Gebiet (die eine entscheidende Grundlage der Macht war) trieben (Hall 1986;
Sprayt 1994).
Die mittelalterliche Herrschaftsordnung entstand somit in dem Machtvakuum, das zu-
nächst das Römische Reich und später das karolingische Reich hinterließ. Sie zeichnete
sich durch das Fehlen einer zentralen Führung, durch eine kleinräumige Organisation der
Herrschaftsverhältnisse und eine ausgeprägte Informalisierung aus. Man kann sie als ein
System ineinander verschachtelter, hierarchisch angeordneter Vertrauens- oder Vertragsbe-
ziehungen begreifen. Aber diese Hierarchie stellte keine klare Machtstruktur dar, vielmehr
handelte es sich um Patronageverhältnisse (Reinhard 1999: 133-139). Ihre Grundstruktur
bildeten persönliche Verbindungen zwischen dem Feudalherrn und den Vasallen. Die un-
terste Ebene bestand aus Beziehungen zwischen Rittern und ihren Dienstleuten und Bauern.

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