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Gott handhaben

Book Description

Christentum, Judentum und Islam gehen gemeinsam davon aus, dass Gott sich aus der Unverfügbarkeit seiner Transzendenz heraus den Menschen selbst verfügbar gemacht hat. Das göttliche Wesen und sein Wille werden in den heiligen Schriften erkennbar ― aber auf eine Weise, die ein weitergehendes Wissen darüber erforderlich macht, wie diese Schriften für den Alltag handlungsleitend werden sollen: Solches „religiöses Wissen“ ist wesentlich verfasst als reflexives und praktisches Wissen darum, wie der Mensch Gott zur Verfügung zu stehen hat.
Umgekehrt geht es den institutionellen Religionen, aber auch den sozialen Gruppen und Individuen darum, Gott „handzuhaben“. Dabei ist für sie wesentlich, die Welt mit jenen transzendenten Potentialen aufzuladen, die Leben sichern und auch über sein Scheitern und Ende hinaus „aufbewahren“. Die Allmacht Gottes wird demnach trotz der Versuche, ihn verfügbar zu machen, nicht verneint. Der Glaube an sie ist vielmehr die Triebfeder für das Handeln der Akteure.
Im vorliegenden Band zeichnen verschiedene Disziplinen nach, wie Konflikte um das Zu-Handen-Machen Gottes dazu beigetragen haben, Institutionen, Verfahren und soziale Gruppen zu generieren, die „religiöses Wissen“ mitprägten und damit letztlich auch die Entstehung unserer heutigen Wissensgesellschaft beeinflusst haben.
Vier Forschungsfelder strukturieren dabei den Sammelband. Sie fragen (1) nach Strategien der Distinktion, (2) dem religiösen Expertentum, (3) den Gender-Kategorien der Handhabung Gottes und (4) ihren Medien. Alle beruhen auf dem Gegensatz zwischen „Mythisierung und Rationalisierung“ bzw. „Verzauberung und Entzauberung“.

Table of Contents

  1. Cover
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Vorwort
  5. Inhaltsverzeichnis
  6. Einleitung
  7. Teil 1: Strategien der Distinktion
    1. Minnemärtyrer: Opfer-Szenarien in der höfischen Literatur
    2. Die Reformation schweizerisch-oberdeutscher Prägung und ihre Auswirkungen auf die Bestattungsplätze
    3. Death and Burial in Medieval and Post-Reformation Scandinavia
    4. Wissen von der heiligen Hand des Bischofs im Katholizismus des Ancien Régime
    5. Handhabung Gottes: Catharina Regina von Greiffenbergs poetische Praxis der Unbegreiflichkeit und Hans Blumenbergs Theorie der Unbegrifflichkeit
  8. Teil 2: Der Kampf um das Expertentum
    1. Bonus agricola: À propos de quelques figures de saints prêtres dans l’hagiographie carolingienne
    2. Carolingian Rural Priests as Local (Religious) Experts
    3. Konkurrierende Experten: Priester, Prediger und Mönche als Experten konfessionellen Wissens im Speyer des 16. Jahrhunderts
    4. Göttliche Offenbarung, Täuschung des Teufels oder natürlich verursacht? „Gesichter“ als eine Herausforderung für die lutherische Theologie im Heiligen Römischen Reich (ca. 1630–1650)
  9. Teil 3: Gott handhaben – männlich oder weiblich
    1. Beyond David and Solomon: Biblical models for Carolingian laymen
    2. Maria voll der Gnade: Die Gottesmutter als Opponentin des richtenden Gottes im Guldein Abc des Mönchs von Salzburg
  10. Teil 4: Medien der Handhabung Gottes
    1. Reims, ville des sacres
    2. Anselm von Canterbury und die englischen Investiturkonflikte. Perspektiven historischer Netzwerkanalyse
    3. Das begreifbare Sakrament: Zur Medialität von Taufgefäßen zwischen Entwurfs-und Offenbarungsmoment
    4. Gott und seine Töchter am Ende des Mittelalters
    5. Transformations du savoir religieux dans le théâtre français du Moyen Âge
    6. Das Meisterlied bei Hans Sachs als Instrument zur Kommunikation über religiöses Wissen als handlungsleitendem Movens innerhalb des städtischen Gemeinwesens
    7. Die Liturgie der Aufklärung zwischen Verehrung Gottes und sittlicher Besserung des Menschen
  11. Register
    1. Namenregister
    2. Ortsregister
    3. Sachregister
  12. Fußnoten