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IT-Near- und -Offshoring in der Praxis: Erfahrungen und Lösungen by Rainer Rucks, Ronald Krick, Jens Borchers, Gerd Nicklisch

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1 Die Globalisierung hat die IT
erreicht
Welche Organisation ist am besten auf die Zukunft eingestellt? Es gibt
diverse Kriterien dafür, wann Organisationen optimal ausgerichtet
sind: Flexibilität, Effizienz und natürlich Kundenorientierung. Im
Zuge zunehmender Globalisierung unserer Wirtschaft ist »Off-
shoring« zum Synonym für die Nutzung kostengünstiger Ressourcen
weltweit geworden und wird von vielen Unternehmen gar als einzig
verfügbares »Allheilmittel« gesehen, um im internationalen Wettbe-
werb weiter bestehen zu können. Im Bereich der industriellen Produk-
tion ist die globale Arbeitsteilung schon seit Jahrzehnten gängige Pra-
xis. Die politischen Veränderungen und der technische Fortschritt der
letzten beiden Dekaden haben eine zusätzliche Dynamisierung dieser
Arbeitsteilung verursacht. Das ist eine Entwicklung, die auch die deut-
sche Wirtschaft maßgeblich beeinflusst, was nachfolgende Meldungen
illustrieren:
Zunehmende
Auslandsinvestitionen von
deutschen Unternehmen
In einer DIHK-Pressemitteilung aus dem Jahr 2005 heißt es: »Die
Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen erreichen 2005 ein
Rekordhoch. Das ergibt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Indus-
trie- und Handelskammertages (DIHK) bei mehr als 7.500 deutschen
Unternehmen« [DIHK 2005]. Und auch im Jahr 2007 kommt der
DIHK in einer Nachfolgestudie zu dem Schluss: »Im Jahr 2007
werden die Auslandsinvestitionen der deutschen Industrieunterneh-
men nochmals etwas stärker zulegen als schon in den letzten Jahren«
[Nitschke & Ressler 2007]. Sicherlich werden zuerst Wachstumschan-
cen durch Markterschließung und Auslandsvertrieb wahrgenommen.
Während die Studie aus dem Jahr 2005 ergab, dass Unternehmen mit
wachsenden Auslandsbudgets die Kostenersparnis an ausländischen
Standorten als wichtigstes Motiv für Investitionen im Ausland nennen
(34 % der Nennungen), steht dieses Motiv in der Nachfolgestudie des
Jahres 2007 erst an dritter Stelle (29 % der Nennungen), allerdings mit
einem geringen Abstand vom zweitwichtigsten Motiv »Auslandspro-
1 Die Globalisierung hat die IT erreicht 2
duktion zur Markterschließung« (31 % der Nennungen). Diese Ent-
wicklung kann vermutlich auch durch ein wachsendes Bewusstsein um
die Schwierigkeiten einer internationalen Arbeitsteilung erklärt wer-
den, die mitunter die Erreichung von Kostenvorteilen verzögern oder
gar verhindern.
Globaler Wettbewerb der
Produktionsressourcen
Pressemitteilungen des DIHK und viele weitere Meldungen lassen
einen Trend zu einer zunehmenden weltwirtschaftlichen Verflechtung
auch bei der Nutzung von eigenen Unternehmensressourcen erkennen.
Nicht nur die Produkte stehen weltweit im Wettbewerb, sondern auch
die Ressourcen zu ihrer Herstellung. Mit Ressourcen aus den, im
Bereich der industriellen Arbeitsteilung, lange etablierten Ländern wie
Korea, Taiwan und Mexiko konkurrieren nun auch Ressourcen aus
Standorten, die ihre Märkte erst in der jüngsten Geschichte zuneh-
mend geöffnet haben. Dazu gehören insbesondere die Länder Mittel-
und Osteuropas sowie China. Ursache der Marktöffnung sind die poli-
tischen Veränderungen in diesen Ländern. Einen vorläufigen Höhe-
punkt erreichte diese Entwicklung in Europa durch die »EU-Osterwei-
terung«.
1
Mit den neuen Märkten in direkter Nachbarschaft gerät der
Standort Deutschland unter besonderen Wettbewerbsdruck. Während
dieser Druck internationale Konzerne schon lange erreicht hat, wirkt
er sich unter den neuen Bedingungen nun auch verstärkt auf den deut-
schen Mittelstand aus. Verschärft wurde dieser Effekt in den letzten
Jahren gerade in Deutschland noch durch eine geringe Inlandsnach-
frage in Kombination mit hoher Preissensibilität und überwiegend aus-
geprägten Käufermärkten
2
.
Globale Arbeitsteilung
in der IT
Laut einer Pressemitteilung der NASSCOM, (National Associa-
tion of Software and Services Companies), der indischen Handelskam-
mer, konnten die indischen IT-Dienstleister im Geschäftsjahr
2006/2007 IT-Leistungen im Wert von 18 Mrd. USD an ausländische
Kunden absetzen, was einem Wachstum von 35 % gegenüber der Vor-
periode entspricht [NASSCOM 2007]. Für das bis 2008 andauernde
nachfolgende Geschäftsjahr kann mit einem weiteren Wachstum von
etwa 24 % gerechnet werden.
1. In Wirklichkeit handelt es sich nicht nur um eine Osterweiterung der EU, da auch
Länder wie Zypern und Malta in den Erweiterungsprozess eingeschlossen wurden.
Der Begriff EU-Osterweiterung prägte jedoch die öffentliche Diskussion, die ihre
Berechtigung darin fand, dass es sich bei der Aufnahme der mittel- und osteuropä-
ischen Länder um einen ökonomisch wie politisch besonders bedeutsamen Schritt
mit weitreichenden Konsequenzen handelte.
2. Käufermärkte sind solche Märkte, in denen der Käufer eine günstigere Verhand-
lungsposition hat als der Verkäufer, mit entsprechenden Konsequenzen für die
Preisbildung. Gründe für die Entwicklung von Märkten zu Käufermärkten sind
u. a. ein Angebotsüberhang und eine Verschiebung von Investitionen durch die
Nachfrager in die Zukunft. Letzteres Verhalten kann durch Preisverfall im Käufer-
markt noch begünstigt werden.

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