O'Reilly logo

IT-Projektverträge: Rechtliche Grundlagen by Christoph Zahrnt

Stay ahead with the world's most comprehensive technology and business learning platform.

With Safari, you learn the way you learn best. Get unlimited access to videos, live online training, learning paths, books, tutorials, and more.

Start Free Trial

No credit card required

27
1.2 Anspruchsgrundlage, Abwehrgrundlage und Beweislast
1.2 Anspruchsgrundlage, Abwehrgrundlage und Beweislast
Wer etwas von einem anderen haben will, braucht eine Anspruchsgrundlage, die
den gewünschten Anspruch beinhaltet (d.h. diesen bei Erfüllung der Anspruchs-
voraussetzungen zur Folge hat) [Kapitel 1.1 (5)]. Die erste Frage lautet also, ob es
für das, was jemand verlangt, überhaupt eine Anspruchsgrundlage gibt [Kapitel
3.1].
Jede Anspruchsgrundlage besteht aus einer Menge von Anspruchsvorausset-
zungen für eine Rechtsfolge [Kapitel 3.1]. Dass diese gegeben (= erfüllt) sind,
muss der Anspruchsteller im Streitfall vor Gericht durch Tatsachen beweisen.
Weniger weitreichende Anspruchsgrundlage: Wenn es eine Anspruchsgrundlage
auf die gewünschte Rechtsfolge nicht gibt (oder ihre Voraussetzungen nicht
bewiesen werden können), heißt das nicht automatisch, dass man nichts
bekommt. Es kann auch eine andere Anspruchsgrundlage mit einem weniger
weitreichenden Anspruch geben.
Abwehrgrundlage: Entsprechendes gilt für Verteidigungsmittel. Wenn der
Anspruch besteht (oder nicht bestritten wird), kann der Schuldner möglicher-
weise eine »Abwehrgrundlage« dagegenhalten, dass er trotzdem nicht oder nur
eingeschränkt zu leisten braucht. Beispielsweise kann der Schuldner entgegenhal-
ten, dass der Anspruch erfüllt oder verhrt sei [Kapitel 3.10 bzw. 6.3.12]. Bei
Schadensersatzansprüchen kann der Schuldner beispielsweise Mitverschulden
des Geschädigten einwenden [Kapitel 3.1 (4)].
(1) Darlegungslast/Schlüssigkeitsprüfung
In der Praxis wird der Anspruchsteller gefragt, ob er eine überzeugende Begrün-
dung für seine Forderung (oder seine Verteidigung) habe; darauf, ob die Tatsa-
chen, auf die der andere seine Begründung stützt, wahr sind, kommt es erst ein-
mal noch nicht an. Übertragen auf die rechtliche Ebene: Wer sich auf eine
Anspruchsgrundlage stützt, muss nachvollziehbar darlegen, dass deren
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Der Anspruchsteller (Gläubiger) muss
den Anspruch »substanziieren«; er hat die »Darlegungslast«.
9
Entsprechend
+/75/+1+
DJ>^BJ;?D,E<JM7H;FHE:KAJ;?D;DKHLED:?;I;C$KD:;D:H?D=;D:8;D_J?=J;KDAJ?ED
D?9>J>7J ;H PM7HA;?D;D DIFHK9> 7K< !7<JKD= M;=;D &^D=;BD "0*3&, ! A7DD
78;H;?D;DDIFHK9>7KI;H7JKD=IL;HI9>KB:;D>78;D "0*3&,!
[8;HP?;>J :;H %?;<;H7DJ ;?D;D $EIJ;D7DI9>B7= M;?J A7DD :;H $KD:; I?9> PM7H
C;?IJD?9>J:7H7K<8;HK<;D:7II;?D;(8;H=H;DP;8;IJ;>;D:7KI;?D;C$EIJ;D7D
I9>B7=1L;H;?D87HJMEH:;DI;?HA7DD78;H;?D;DDIFHK9>7K<,9>7:;DI;HI7JP
M;=;DKDI7K8;H;H,9>^JPKD=>78;D "0*3&,!
1 Einführung in das Vertragsrecht
28
muss der Schuldner seine Abwehrgrundlage darlegen. Ob die Darlegung aus-
reicht, wird in der » Schlüssigkeitsprüfung« überprüft. Die Juristen nennen diesen
Vorgang auch »Subsumti on« [Anhang A.3].
10
(2) Die Beweislast im engeren Sinne
Wenn der Anspruchsteller es geschafft hat, die Anspruchsvoraussetzungen schlüs-
sig darzulegen, kommt es darauf an, ob die behaupteten Tatsachen wahr sind.
Das ist di e Beweislast im engeren Si nne. Werden die Tatsachen vom Gegner
bestritten, müssen sie bewiesen werden. Bei Gericht kommt es dabei darauf an,
ob sie vom Gegner zulässigerweise bestritten werden. Der Gegner kann nicht ein-
fach Tatsachen bestreiten, die in seinem Bereich bestanden haben oder noch
bestehen.
Für den Beweis reicht vor Gericht ein »so hoher Grad an Wahrscheinlichkeit,
dass ein vernünftiger, d
ie Lebensverhältnisse klar überschauender Mensch nicht
mehr an der Wahrheit zweifelt. Es kommt demnach darauf an, dass das Gericht
zu einem für das praktische Leben brauchbaren Grad von Gewissheit gelangt, der
dem Zweifel Schweigen gebietet, ohne ihn völlig auszuschließen
11
9. Formal braucht der Kläger die Anspruchsgrundlage nicht zu nennen, auch nicht die einzelnen
Anspruchsvoraussetzungen. Er muss einen Sachverhalt vortragen, aus dem das Gericht die
gewünschte Rechtsfolge ableiten kann (kann es das, wird es über die strittigen Tatsachen Beweis
erheben). Implizit behauptet der Kläger eine bestimmte Anspruchsgrundlage und trägt vor, dass
die einzelnen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.
+/75/+1+
7I)HE:KAJ>7<JKD=IH;9>J=;M^>HJA;?D;DIFH`9>;7K<HI7JP:;I/;HC_=;DII9>7
:;DI "0*3&,!a?D&?;J;H;?D;H"-DB7=;L;HB7D=J7BI:?;I;:7I:H?JJ;&7B?D
AKHP;H3;?J7KI<^BBJ:7II:;H/;HC?;J;HI?;?DI%78EHPKH+;F7H7JKHC?JD;>C;DIEBB
KD:L;HM;?=;HJ:;C07HJKD=IJ;9>D?A;H:;D3KJH?JJPKHDB7=;PKC3M;9A;:;H+;F7
H7JKH7:;H&?;J;H:?;"-DB7=;D?9>JC;>HDKJP;DAEDDJ;P7>BJ;;H:;D&?;JP?DI
D?9>JC;>H ;H /;HC?;J;H AB7=J; LEH ;H?9>J :;D &?;JP?DI ;?D ;H&?;J;H JHK=LEH
:7II;H7K<=HKD::?;I;I,79>L;H>7BJID?9>JPKH37>BKD=L;HF<B?9>J;JI;?aKDI9>B`II?=
M?;:7I ;H?9>JC;?DJ;

II;?,79>;:;I/;HC?;J;HI=;M;I;DM?;ME;H:;D&7D
=;B8;I;?J?=;
?;?D<`>HKD=LED,E<JM7H;FHE:KAJ;DI;?=;=;D/;H=`JKD=D79>K<M7D:L;H;?D
87HJMEH:;D:;HK<JH7=D;>C;H>7J;?D;=HE8;K<M7D:II9>^JPKD=78=;=;8;D;H
K<JH7==;8;HL;HM;?=;HJ :?; 37>BKD= `8;H>7KFJ M;?B :;H=;I9>^JPJ;K<M7D:`8;H
I9>H?JJ;DMEH:;DI;?.DI9>B`II?=
10. LG Karlsruhe 0 4/79 KfH I vom 27.2.1980, Zahrnt DV-Rechtsprechung Band 1, K/M-7.
11. BGH vom 18.4.1977, Versicherungsrecht 77, 721 unter Verweis auf das Urteil vom 21.12.1960
(Neue Juristische Wochenschrift 61, 779).
29
1.2 Anspruchsgrundlage, Abwehrgrundlage und Beweislast
(3) Verteilung der Beweislast
Wer die Beweislast trägt, ist im Normalfall aus dem Wortlaut der gesetzlichen
Vorschrift bzw. der vertraglichen Regelung der Anspruchsgrundlage abzuleiten:
Der Anspruchsteller muss diejenigen Voraussetzungen beweisen, die diese bein-
haltet.
Die gesetzlichen Vorschriften verteilen die Beweislast auf Anspruchsgrundlage
und Abwehrgrundlage weitgehend so, dass derjenige etwas beweisen muss, in
dessen Herrschafts- oder Einflussbereich etwas geschehen ist. Diesen Gedanken
hat die Rechtsprechung etwas verallgemeinert. Sie legt manchmal demjenigen die
Beweislast auf, der »näher am Beweis«
ist.
Wer einen Vertrag abfasst, sollte stets bedenken, dass er die Beweislast durch
seine Formulierungen mitverteilt!
+/75/+1+,E6+;+/71'78:+68+/193-*96).+7+8>
'79>R 8I ,7JP  >7<J;J:;HK<JH7=D;>C;H8;?;?D;H)<B?9>JL;HB;JPKD=
7K<,9>7:;DI;HI7JPD79>,7JP W=?BJ4:?;I5D?9>JM;DD4;H5:?;)<B?9>JL;HB;JPKD=D?9>J
PKL;HJH;J;D>7JS/;HJH;J;DC`II;D?IJ7BIED?9>JDIFHK9>ILEH7KII;JPKD=L?;BC;>H
IJ`JPJ:;HK<JH7=D;>C;H7BI,9>KB:D;HI?9>7K<;?D;8M;>H=HKD:B7=;HCKII7BIE
8;M;?I;D:7II;H:?;)<B?9>JL;HB;JPKD=D?9>JPKL;HJH;J;D>7JCKIII?9>;DJB7IJ;D
?D/;HA^K<;HA7DDI?9>FB7KI?8B;HM;?I;:7C?JL;HJ;?:?=;D:7II;H<`H:;D&7D=;B?D
:;CLED?>CL;HA7K<J;D)HE=H7CC;?D;I/EHB?;<;H7DJ;DD?9>JIA_DD;BIE>7<J;J;H
D?9>J7K<,9>7:;DI;HI7JPa ;=;D:;DDIFHK9>:;I$KD:;D7K<&7D=;B8;I;?J?=KD=
>7J:;H/;HA^K<;H:?;8M;>H=HKD:B7=;:7III?;<`H?>DKDPKCKJ87HI;?7DDA7DD
:;H$KD:;78;H:;D$7K<FH;?I>;H78I;JP;DE:;HLEC/;HJH7=PKH`9AJH;J;D
'79>R8I ?IJ/EH7KII;JPKD= <`H :;D /;HPK= :;I K<JH7=D;>C;HI
K7:7II;HD?9>JH;9>JP;?J?==;B?;<;HJ>7J'79>8I ;DJ<^BBJ:;H/;HPK=M;DD:;H
K<JH7=D;>C;H:;D/;HPK=D?9>JPKL;HJH;J;D>7JKI:;C0EHJB7KJLED8I;H=?8J
I?9>:7II;H:?;;M;?IB7IJ:7<`HJH^=J8;H/EHI?9>JHJH^=J7K9>:?;;M;?IB7IJ<`H
I;?D;DJB7IJKD=:7II;HH;9>JP;?J?==;B?;<;HJ>7JE8ME>B:?;D?9>JH;9>JP;?J?=;%?;<;
HKD=H;?DD79>:;C0EHJB7KJLEDR8I/EH7KII;JPKD=<`H:;D/;HPK=?IJI
=?8J7BIE`8;H=;EH:D;J; ;I?9>JIFKDAJ;<`H:?;;M;?IB7IJL;HJ;?BKD=
+/75/+1
0;DD :;H $KD:; ;?D;D 0;HAL;HJH7= A`D:?=J E>D; :7II :;H K<JH7=D;>C;H :7PK
DB7II=;=;8;D>^JJ;CKII;H:;D0;HABE>DP7>B;DA7DD78;H78P?;>;DM7I:;H
K<JH7=D;>C;H :KH9> :;D?DI7JP I;?D;H <H;?=;MEH:;D;D$7F7P?J^J 7D:;HM;?J?= ;?D
D?CCJ "0*3&, ! ;H $KD:; JH^=J :?; ;M;?IB7IJA;DDJ 78;H :?; ,?JK7J?ED:;I
K<JH7=D;>C;HIC;?IJD?9>J;IM;=;DL;HB7D=J:?;+;9>JIFH;9>KD=LECK<JH7=D;>
C;H:7II;HI;?D;,?JK7J?ED7KI<`>HB?9>:7HB;=J

With Safari, you learn the way you learn best. Get unlimited access to videos, live online training, learning paths, books, interactive tutorials, and more.

Start Free Trial

No credit card required