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IT-Projektverträge: Rechtliche Grundlagen by Christoph Zahrnt

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9.2 Die Erstellungsphase im Übrigen
Änderungswünsche beeinflussen kann [Kapitel 9.2.2]. Bei Vergütung nach Auf-
wand braucht er nicht mit dem Auftragnehmer zu diskutieren, ob sein Wunsch
zusätzlichen Aufwand verursacht oder nicht. Denn er bezahlt diesen sowieso.
Entsprechendes gilt für den Zeitbedarf.
(2) Mitverantwortung des Auftragnehmers für das Budget
Vergütung nach Aufwand heißt nicht, dass beliebig viel Geld für die Entwicklung
zur Verfügung steht [siehe IT-PM, Kapitel 2.1.2.2 unter »Vergütung nach Auf-
wand ist kein Ruhekissen«]. Es ist bereits dargelegt worden, dass die Mitarbeiter
des Kunden, die den Auftragnehmer über ihre Situation (Istzustand, Wü nsche)
informieren sollen, dabei nicht an den Realisierungsaufwand zu denken brauchen
[Kapitel 9.1.2 (4)]. Der Auftragnehmer ist bei Vergütung nach Aufwand ver-
pflichtet, gegenüber dem Projektleiter des Kunden auf den Realisierungsaufwand
hinzuweisen, wenn von einem Mitarbeiter hohe Anforderungen gestellt wurden.
Offen ist, ob der Zeit- und Arbei
tsplan, den der Auftragnehmer zu Beginn der
Arbeit aufstellen muss [Kapitel 9.2.1], auch den – unverbindlich – zu schätzenden
Aufwand beinhalten muss.
9.2 Die Erstellungsphase im Übrigen
9.2.1 Vorgehen bei der Realisierung
Projektleitung: Der Auftragnehmer ist zur Projektleitung für seine Leistungen
und zur Planung und Kontrolle der Mitwirkung des Kunden verpflichtet. Das gilt
auch bei Vergütung nach Aufwand. Die Organisation und das Vorgehen können
weitgehend durch die Richtlinien zu Entwicklung, Dokumentation und Quali-
tätssicherung bestimmt sein [Kapitel 9.1.5]. Zum Stand der Technik gehört, dass
der Auftragnehmer – innerhalb der vereinbarten Termine – einen Zei t- und
Arbeitsplan aufstellt.
Pflicht des Auftragnehmers, die Anforderungen zu überprüfen: Zur Pflicht, die
Anforderungen des Kunden vor Vertragsabschluss zu überprüfen, siehe Kapitel
9.7 bzw. zu Projektbeginn Kapitel 9.1.7.
Funktionen: Wenn bei Vertragsabschluss noch keine endgülti
ge Spezifikation
vorliegt, überprüft der Auftragnehmer die Aufgabenstellung zwangsläufig inner-
halb von deren Konkretisierung. Wegen des Umfangs der Überprüfung braucht er
das erst dann zu tun. Hat der Auftragnehmer von vornherein Zweifel an der
Richtigkeit, muss er diese mitteilen (Fürsorgepflicht). Erkennt der Auftragnehmer
nachträglich Fehler in der Vorgabe, muss er diese dem Kunden mitteilen, wenn er
Haftungsrisiken vermeiden will [Kapitel 9.5.1 (2)].
9 Erstellung von Programmen
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Systemtechnische Vorgaben: Es geht um die künftige systemtechnische Zielumge-
bung (= Einsatzumgebung), um Entwicklungs- und Dokumentationsrichtlinien
[Kapitel 9.1.5] und um die Entwicklungsumgebung. Hier liegt es fachlich nahe,
dass der Auftragnehmer die beschriebene Zielumgebung auf Tauglichkeit als
Grundlage für die Nutzung des Programms überprüft, abgeschwächt auch die
Entwicklungsumgebung für die Entwicklung. Die Fortschreibung der beschriebe-
nen Zielumgebung gehört zum IT-technischen Entwurf. Es liegt nahe, dass der
Auftragnehmer diese überprüft, wenn er mit der Erstellung des Entwurfs begi
nnt.
Dementsprechend ist grundsätzlich eine Pflicht zur Überprüfung dieser Vor-
gaben zu bejahen. Hinsichtlich ihres Umfangs kommt es darauf an, welche Mög-
lichkeiten der Auftragnehmer bei Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismä-
ßigkeit des Aufwands hat. Das hängt zum einen von den möglichen Maßnahmen
ab. Sind diese beschränkt, darf der Auftragnehmer es im Wesentlichen bei einer
Plausibilitätsprüfung belassen. Je stärker der Kunde Fachmann ist, desto mehr
darf sich der Auftragnehmer auf die Richt
igkeit der Vorgaben verlassen.
Hinsichtlich der Entwicklungsumgebung dürfte die Überprüfungspflicht
gering sein: Wenn der Kunde eine solche Umgebung definiert, darf der Auftrag-
nehmer sich grundsätzlich darauf verlassen, dass jener das als Fachmann sachge-
recht und genau getan hat. – Dabei kann der Kunde seine Entscheidung nach
übergeordneten Gesichtspunkten getroffen haben. Die Entwicklungsumgebung
kann also für das konkrete Projekt suboptimal sein. Das muss der Auftragnehmer
bis zu deren mittleren Güte hinnehmen.
Pflicht des Auftragnehmers zum Testen: Grundsätzlich ist es Sache des Auftrag-
nehmers zu testen. Er muss die nötige Testumgebung (das Testbett) und d
ie Test-
daten schaffen. Der Kunde ist dazu nach der Rechtsprechung kaum verpflichtet
[Kapitel 9.2.3.1], kann sich aber durch die Vereinbarung der Richtlinien des Auf-
tragnehmers dazu verpflichten.
Konfigurationsmanagement: Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9001:2000
verlangt ein sehr weitgehendes Konfigurationsmanagement. Wenn im Vertrag
nichts geregelt ist, dürfte keine Pflicht zu einem solch umfangreichen Konfigura-
tionsmanagement bestehen.
Systemtechnische Betreuung des zu erstellenden Programms: Während der Pro-
grammentwicklung ergeben sich hinsichtlich der Systemsoftware einige Aufga-
ben. Der Auftragnehmer ist für diese zuständ
ig, wenn er auch die Systemsoftware
liefert oder eine eigene Entwicklungsumgebung einsetzt [zu den Fällen, dass der
Kunde die Systemsoftware zur Verfügung stellt, siehe www.zahrnt.de, Kapitel
9.2.1].

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