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IT-Projektverträge: Rechtliche Grundlagen by Christoph Zahrnt

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A Eine kurze »Einführung in das juristische
Denken«
Das juristische Denken, also die juristische Methodik, ist so wenig umfangreich
und vom Ansatz her so einfach, dass es gewagt werden kann, dem interessierten
Leser eine Kurzfassung zu bieten. Den großen Umfang der Rechtswissenschaft
machen die Vielzahl der Lebenssachverhalte, die geregelt werden (müssen), und
die mangelnde Gedankenstrenge der juristischen Methodik aus. In den letzten
Jahren kommt verstärkt hinzu, dass der Gesetzgeber unbewusst oder bewusst
nachlässig in der Konzeption und in der Formulierung von Gesetzen ist oder es
gleich der Rechtsprechung überlässt, Detailfragen zu klären.
Damit der Leser einen korrekten Eindruck erhä
lt, habe ich die Darstellung
streng an einem Buch eines Rechtswissenschaftlers ausgerichtet. »Einführung i n
das juristische Denken« von Karl Engisch schien mir dafür besonders geeignet.
Manches mag dem Leser nicht so wichtig, manches mag ihm etwas überbetont
erscheinen. Ich habe mich bemüht, bei der (drastischen) Kürzung inhaltlich mög-
lichst wenig zu ändern, um zu zeigen, wie ein Rechtswissenschaftler das Denken
in seinem Arbeitsgebiet sieht
. Die besonderen Fragen des Strafrechts (das Engisch
lehrte) und des öffentlichen Rechts werden weitestgehend fortgelassen. Ergän-
zungen von mir sind kursiv gedruckt.
Engisch selbst hat das Hauptproblem der Juristerei wohl in dem Satz (aus der
römischen Rechtswissenschaft) gesehen, den er dem Buch als Motto vorangestellt
hat:
»Die Gesetze zu verstehen bedeutet nicht, sich an ihre Worte zu halten, sondern
an ihren Geist« (Scire leges non hoc est verba earum tenere, sed vim et potesta-
tem).
37
Als Praktiker in der Konfrontation mit Richtern und Kollegen möchte ich das
dahingehend auslegen, dass viele Juristen – aus Unsicherheit oder aus Bequem-
lichkeit – am Wortlaut der Gesetze kleben. Sie behandeln juristische Konstruk-
tionen, als ob diese der höchste Maßstab wären, und vergessen, dass diese (ausge-
37. Die Übersetzung folgt dem Konzept von Engisch, der mehrfach vom »Geist des Gesetzes« spricht.

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