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Klassik und Didaktik 1871-1914

Book Description

War der Deutschunterricht 1871–1914 ein staatliches Instrument zur Erziehung nationalchauvinistischer Untertanen? Inszenierte er in diesem Zuge einen geistlosen „Klassiker-Kult"? Seit den 1970er Jahren verstellen solche Vorstellungen den Blick auf Kanonisierungsvorgänge, die wesentlich vielschichtiger sind.

Die Studie analysiert den Diskurs sich formierender deutscher Fachdidaktik. Dieser kreiste um Schriften Lessings, Goethes und Schillers, die nicht allein zu erstrangigen Unterrichtsstoffen erklärt wurden, sondern auch andersherum in essenzieller Weise auf die didaktischen Standpunkte rückwirkten. Das Verhältnis von Klassik und Didaktik erweist sich als ein synergetisches: Einerseits wurden die „Klassiker" im Rahmen des Deutschunterrichts kanonisiert, andererseits vollzog sich die Institutionalisierung von Unterrichtszielen, -methoden und -stoffen maßgeblich unter dem Einfluss „klassischer" Philosopheme.

Gezeigt wird, inwieweit der ideelle Kern historischer Didaktik auf „Klassiker"-Rezeption zurückgeht und in welcher Weise wiederum didaktische Überlegungen Lesarten der „Klassiker" beeinflussten. Die Kanonisierung der „Klassiker" und die Institutionalisierung des Deutschunterrichts geraten dabei gleichermaßen in den Blick.

Table of Contents

  1. Cover
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Dank
  5. Inhalt
  6. I. Einleitung: Alfons, Herzog von Ferrara
  7. II. Grundlagen
    1. 1 Forschungsstand
    2. 2 Quellen: fachdidaktische Schriften
      1. 2.1 Diskursive Relevanz: Sammlung der zentralen Quellen
      2. 2.2 Diskursive Dominanz: Feststellung des Quellenwerts
      3. 2.3 Umfang und Ordnung des zentralen Quellencorpus
    3. 3 Methodische Bemerkungen
  8. III. Institutionelle und pädagogische Kontexte
    1. 1 Der deutsche Unterricht als staatliche Institution
      1. 1.1 Höhere Schule und höheres Schulwesen
      2. 1.2 Der institutionelle Einfluss auf den deutschen Unterricht
      3. 1.3 Fachdidaktischer Diskurs und behördliches Reglement
    2. 2 Pädagogik
      1. 2.1 Thematischer Überblick und Quellen
      2. 2.2 Die Grundlagen der historischen Pädagogik
      3. 2.3 Ziele der Erziehung
      4. 2.4 Theorie der Erziehungsmethoden
      5. 2.5 Kunst und Erziehung
  9. IV. Grundriss des deutschen Unterrichts
    1. 1 Unterrichtsziele
    2. 2 Unterrichtselemente
    3. 3 Unterrichtsmethoden
    4. 4 Entwicklung der Fachdidaktik und Realität des Schulalltags
  10. V. Zwischenbemerkung: Die innere Harmonie
  11. VI. Lektüre
    1. 1 Methodische Zugriffe auf die Lektüre
    2. 2 Der literarische Text als Unterrichtsgegenstand
      1. 2.1 Psychologie und Psychologisierung
      2. 2.2 Kunstwerk oder Erziehungsmedium?
    3. 3 Lektürestoffe: Auswahl und Anordnung
      1. 3.1 Lektürestoffe und Stufenfolge
      2. 3.2 Entwicklungstendenzen
      3. 3.3 Lektüremodell und Literaturgeschichte
    4. 4 Die „Klassiker“ im deutschen Unterricht
      1. 4.1 Prä-Klassiker und die Ordnung der Literaturgeschichte
      2. 4.2 Der Bahnbrecher: Lessing
      3. 4.3 Der Realist: Goethe
      4. 4.4 Der Idealist: Schiller
      5. 4.5 Das Zentrum der „Klassiker“-Rezeption
      6. 4.6 Charakterbildung
      7. 4.7 Grenzverwischungen
    5. 5 Vom „klassischen“ Philosophem zur didaktischen Philosophie
      1. 5.1 Kunstverständnis und Dramentheorie der „Klassiker“
      2. 5.2 Kunstrezeption: „klassische“ Erwartungshorizonte
      3. 5.3 Kunst und Erziehung bei Schiller
      4. 5.4 Die zentralen Schnittstellen zwischen „Klassik“ und Didaktik
      5. 5.5 Die Grenzen fachdidaktischer Affirmation
  12. VII. Aufsatz
    1. 1 Quellen
    2. 2 „Production“
      1. 2.1 Arten der „Production“
      2. 2.2 „Production“ und Unterrichtsziele
    3. 3 Aufsatz und Aufsatzlehre
      1. 3.1 Systematik
      2. 3.2 Theorie
      3. 3.3 Betreuung und Selbständigkeit
      4. 3.4 Stoffgebiete
    4. 4 Diskursive Schnittmengen: Rhetorik, Logik, Ethik
      1. 4.1 Rhetorik
      2. 4.2 Logik
        1. 4.2.1 Wissenschaftliche Logik als Grundlage der Aufsatzlehre
        2. 4.2.2 Angewandte Logik als Grundlage des Aufsatzschreibens
        3. 4.2.3 Von der Logik zur Ethik
      3. 4.3 Ethik
      4. 4.4 Wissenschaft und Aufsatzlehre: Prämissen und Tendenzen
    5. 5 Inskription: Ästhetik
    6. 6 Die „Klassiker“ im Aufsatz
      1. 6.1 Charakteristiken
      2. 6.2 Die Charakteristik als pädagogische Projektion
      3. 6.3 Unmittelbare logische Operationen
      4. 6.4 Materiale Wahrheit: Kunstrezeption als Erkenntnisprozess
  13. VIII. Schluss: Noch einmal Alfons
  14. IX. Ausblick
  15. Literaturverzeichnis
  16. Personenregister
  17. Sachregister