Jan-Dirk Müller

Schade und Schädlein

Über die Grenzen berechnender Klugheit und exemplarischen Erzählens46

Fabliaux/Maeren sind amoralisch – das ist keine eben neue Erkenntnis. Ehebrüche, Betrügereien und abgefeimte Listen werden so erzählt, dass man nicht nach ihrer Moral fragt, sondern über deren Verletzung lacht. Fabliaux und Mæren heben die Moral nicht auf, im Gegenteil ist sie im Hintergrund immer präsent, setzt sich manchmal auch im Schluss der Geschichte durch oder wird in einem Epimythion warnend vorgetragen, aber die Handlung setzt sie momentan außer Kraft. Die Transgression auf Widerruf ist attraktiv und macht Spaß.

Nicht immer allerdings bereitet ihr Gelingen Vergnügen. Transgressionen können auch ambivalent sein. Dann setzen sie Reflexionen ...

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