
270 Karl Nikolaus Renner
paradoxem Ereignisbegriff, wonach „ein Ereignis im Text […] die Versetzung einer
Figur über die [nach Lotman unüberschreitbare] Grenze eines semantischen
Feldes“ ist.
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Dabei erweist es sich, dass Lotmans Ereignisbegriff den Status eines
theoretischen Begriffs besitzt.
Ein Vorgang wie das Überqueren eines Flusses ist nämlich im Sinne von
Lotman nur dann ein Ereignis, wenn dies eine Grenzüberschreitung ist. Also
etwas, was in der Logik der erzählten Welt eigentlich nicht stattfinden dürfte. Das
ist wiederum davon abhängig, ob dieser Fluss in der semantischen Ordnung der
erzählten Welt als Grenze zwischen zwei semantischen ...