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Mit CMMI Prozesse verbessern!: Umsetzungsstrategien am Beispiel Requirements Engineering by Uwe Hehn, Michael Gerdom, Paul-Roux Wentzel, Jürgen Schmied

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3 Standortbestimmung82
Die ursprüngliche Idee war, dass sechs Monate nach der informellen Stand-
ortbestimmung bereits alle wesentlichen Probleme behoben sind und ein
SCAMPI Class-A-Appraisal zur Bestätigung des Capability Level 2 bei allen
im Umfang enthaltenden Prozessgebieten sinnvoll durchgeführt werden kann
(siehe Kapitel 2). Langsam wird aber aufgrund der gerade abgeschlossenen
Standortbestimmung und der ersten groben Meilensteinplanung allen Betei-
ligten klar, dass dies ein unrealistisches Ziel ist. Die FindYourWay AG revi-
diert daher ihre Ziele und setzt sich als neues Ziel, innerhalb der ursprünglich
angedachten sechs Monate die aus der Standortbestimmung abgeleiteten So-
fortmaßnahmen sinnvoll umzusetzen und eine erneute Planung für das ge-
samte Prozess-Verbesserungsprojekt durchzuführen.
3.4 Praktische Tipps
Standortbestimmungen lassen sich auf verschiedene Art und Weise
umsetzen. Informelle Standortbestimmungen sind zu Beginn einer Pro-
zessverbesserungsinitiative meist ausreichend. Ein CMMI SCAMPI
Class-A-Appraisal wird aufgrund des Aufwandes und der Komplexität
entweder zu bedeutenden Meilensteinen der Prozessverbesserung oder
am (vorläufigen) Ende einer Prozessverbesserungsinitiative durchge-
führt.
Der Ablauf einer informellen Standortbestimmung gliedert sich in
die Schritte:
Ziele und Umfang für die Standortbestimmung festlegen,
Grobplanung durchführen,
Kick-off und detaillierte Interviewplanung durchführen,
vorab Prozess- und Projektdokumente sichten,
Interviews vor Ort mit dem Projektteam und dem Management
führen,
Feedback-Sitzung und Konsolidierung abhalten,
Bericht erstellen und
schließlich den Abschluss-Workshop durchführen.
Denken Sie bei der Durchführung von informellen Standortbestim-
mungen an folgende Aspekte:
Planen Sie ausreichend Zeit für die Interviews ein! Je nach Prozess-
gebiet und dem zu betrachtenden maximalen Capability Level sind
ein bis zwei Stunden typisch. Wird mehr als nur ein Projekt
betrachtet, erhöht sich der Aufwand entsprechend. Sind die Inter-
views über mehrere Standorte verteilt, so erhöht sich ebenfalls der
Aufwand.
833.4 Praktische Tipps
Es macht Sinn, die Anforderungen einiger Prozessgebiete gemein-
sam abzufragen. Dementsprechend muss die Interviewzeit höher
als bei einem einzelnen Prozessgebiet ausfallen.
Fangen Sie nach Möglichkeit die Interviewphase mit den Prozess-
gebieten an, die die höheren Capability Levels unterstützen.
Dadurch gewinnen Sie an Performance, da sich die Bewertung der
generischen Praktiken und Ziele aller im Interview nachfolgenden
Prozessgebiete leichter beantworten lassen. Anschließend sollten
die Prozessgebiete ihrer natürlichen Reihenfolge nach betrachtet
werden (RD und REQM, TS, PI etc.).
Planen Sie genügend Zeit für die Konsolidierung ein. Diese ist
natürlich abhängig von der Größe des Appraiserteams. 20% der
ursprünglichen Interviewzeit für die Konsolidierung zuzüglich
eines weiteren Zeitpuffers für die Klärung offener Fragen zu ver-
wenden, ist aber sicherlich auch bei einem einzelnen Appraiser eher
die Untergrenze!
Wird mehr als ein Projekt in der Standortbestimmung betrachtet,
dann sollten Sie bei der Interviewplanung streng darauf achten,
zwischen den Projekten zu trennen. Dies bedeutet konkret:
Getrennte Interviews für getrennte Projekte! Die Hoffnung, durch
Zusammenlegen von Interviews zu mehreren Projekten Synergien
zu gewinnen, geht zulasten der Qualität der Interviewergebnisse.
Denn sowohl die Befragten als auch die Appraiser vermischen zu
leicht die verschiedenen Projekte.
Beginnen Sie die Interviews mit einem freundlichen Einstieg und
mit offenen Fragen. Suchen Sie später mit gezielten, geschlossenen
Fragen nach fehlenden Informationen. Beenden Sie die Einzelinter-
views mit Abschlussfragen wie beispielsweise: »Wenn Sie ab heute
die Entwicklungsprozesse verantworten würden, was würden Sie
als Erstes verändern?« Häufig werden die interessantesten Verbes-
serungspotenziale gerade bei derartigen Fragen aufgedeckt.
Vermeiden Sie den CMMI-Sprachjargon.
Führen Sie keine personenbezogenen Auswertungen durch! Jeder
Mensch tendiert dazu, sich selbst gut darzustellen! Sie werden
kaum brauchbare Informationen erhalten, wenn aus dem Ab-
schlussbericht Rückschlüsse auf konkrete Personen gezogen wer-
den können. Stellen Sie dies auch im Vorfeld der Standortbestim-
mung klar: Es werden keine personenbezogenen Auswertungen
gemacht.
3 Standortbestimmung84

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