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Mit CMMI Prozesse verbessern!: Umsetzungsstrategien am Beispiel Requirements Engineering by Uwe Hehn, Michael Gerdom, Paul-Roux Wentzel, Jürgen Schmied

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2157.3 Pilotierung der Prozesse
Der dargestellte Auszug aus der Skill-Matrix der FindYourWay AG zeigt die
Fähigkeiten und Kenntnisse der beiden fiktiven Mitarbeiter Alice E. Tation
und Devin Loper. Die Skill-Matrix definiert das Wissen der Mitarbeiter mit
einer einfachen Schulnotenskala. Frau Tation als Besitzerin des Teilprozesses
Requirements Engineering hat naturgemäß ausreichende Kenntnisse, um das
Requirements Engineering im ALV-Projekt durchzuführen. Da aber zwei Per-
sonen dazu benötigt werden, wurde trotz mangelnder Kenntnisse Herr Loper
die Rolle zugeschrieben. Dies geschah, da er einerseits starkes Interesse an
einer persönlichen Weiterentwicklung zeigte und auch schon viel Erfahrung
zu Navigationsgeräten besitzt und er andererseits unter der Federführung
von Frau Tation seine neue Aufgabe antreten kann. Außerdem wurde für
beide eine Schulung des neuen RE-Werkzeugs RequireMan veranschlagt und
Herr Loper erhält zusätzlich zeitnah eine Methodenschulung zum Require-
ments Engineering.
Die Pilotierung im
Pilotprojekt beginnt mit
einem Kick-off-Workshop
Zu Beginn der Pilotierung wird ein Kick-off-Workshop mit allen an
der Pilotierung beteiligten Personen durchgeführt. Hier sollen alle Sta-
keholder entsprechend über die Pilotierungsmaßnahmen im Projekt
informiert und für ihre Durchführung motiviert und gewonnen wer-
den. Weiterhin soll die Organisation und Planung der Pilotierung vor-
gestellt werden. In dem Kick-off können auch eine Abstimmung und
die Rollenverteilung stattfinden.
7.3 Pilotierung der Prozesse
Der Prozessmanager ist
für die Umsetzung der
Pilotierung im Projekt
verantwortlich
Nach der Planung, der Organisation und dem Kick-off der Pilotierung
werden die ausgewählten Teilprozesse tatsächlich im Pilotprojekt zum
ersten Mal ausprobiert. Die Verantwortung für die Steuerung der all-
gemeinen Pilotierungsaktivitäten wie dem Einsammeln von Feedback
trägt wieder der Projektleiter des Prozess-Verbesserungsprojektes. Für
die Steuerung der konkreten pilotierungsbezogenen Aktivitäten ist der
Leiter des Pilotprojektes in seiner Rolle als Prozessmanager verant-
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Abb. 7–4
Skill-Matrix für das
ALV-Projekt der
FindYourWay AG
7 Pilotierungsphase216
wortlich. Die Mitarbeit erfolgt in diesem Schritt hauptsächlich durch
die Ausführenden und die Prozess-Stakeholder, begleitet durch einen
Coach, z.B. einen externen Berater.
Bei der Pilotierung
wird das Prozessmodell
umgesetzt
Die Pilotierung entspricht der Implementierung eines Prototyps in
der Entwicklung und dient der Validierung der Prozesse. Bei der Vali-
dierung kommt es vor allem darauf an, festzustellen, ob die definierten
Prozesse umsetzbar und angemessen sind, insbesondere bei so schwie-
rigen Themen wie der Traceability. Die Pilotierung findet auf der Basis
der Prozessbeschreibung inklusive der Dokumentenvorlagen statt. Es
wird also versucht, die Prozessdefinition in die Praxis umzusetzen.
Hierbei werden im Projekt echte Dokumente unter Verwendung der
Dokumentenvorlagen erzeugt.
Realisierung der Traceability
von Ulrich Becker
In der System- und Softwareentwicklung entstehen verschiedene Artefakte,
die sich voneinander ableiten. Zum Beispiel entwickeln sich Systemanforde-
rungen aus Kundenanforderungen, Systemanforderungen werden durch
Komponenten der Systemarchitektur umgesetzt und durch Systemtests über-
prüft.
Traceability bezeichnet die durchgängige Verfolgbarkeit dieser Zusam-
menhänge. In der System- und Softwareentwicklung geht es in erster Linie
darum, Anforderungen durch den gesamten Entwicklungszyklus zu verfol-
gen: In welcher Komponente wird eine Anforderung umgesetzt? In welchen
Testfällen wird eine Anforderung getestet? Welche Kundenanforderung ist ei-
gentlich der Ursprung für eine Systemanforderung?
Vorwärtsgerichtete Traceability bezeichnet die Verfolgung einer Informa-
tion durch den weiteren Verlauf der Entwicklung – also z.B. von einer Anfor-
derung zu der Komponente, in der sie umgesetzt wird. Rückwärtsgerichtete
Traceability bezeichnet die Rückverfolgung eines Elements zu seinem Ur-
sprung – also z.B. von einer Systemanforderung zu der zugrunde liegenden
Kundenanforderung. Bidirektionale Traceability ermöglicht die Verfolgung
in beide Richtungen.
Warum Traceability?
Hinter der Forderung nach Traceability stehen konkrete Überlegungen zu
deren Nutzen:
Impact-Analyse
Die Auswirkung von Änderungen lassen sich auf der Grundlage der Tra-
ceability besser abschätzen. Änderungen an einer Kundenanforderung
können über eine durchgängige Traceability verfolgt werden: Welche
Teile der Architektur, welche Testfälle, welche Quellcodedateien sind von
2177.3 Pilotierung der Prozesse
der Änderung betroffen? Realisierbarkeit und Aufwand können so besser
beurteilt werden. Zudem ist sichergestellt, dass keine notwendigen Ände-
rungen übersehen werden. Umgekehrt kann auch vor Änderungen am
Quellcode oder der Architektur überprüft werden, inwieweit dort umge-
setzte Anforderungen auch nach der Änderung erfüllt sind.
Die Traceability zwischen Anforderungen und Testfällen gibt Aufschluss
über die Testabdeckung: Werden alle Anforderungen durch Testfälle ab-
geprüft?
Die Traceability zwischen Systemspezifikation und Systemarchitektur
zeigt, ob alle Systemanforderungen berücksichtigt wurden.
Die Traceability vermittelt ein besseres Systemverständnis, da sichtbar ist,
wo und wie Anforderungen umgesetzt werden.
Traceability wird von CMMI gefordert. Die Umsetzung darf jedoch nicht
allein die Erfüllung dieser Forderung zum Ziel haben, sondern soll sich am
konkreten Nutzen für das Projekt orientieren.
Herausforderungen
Traceability ist aber nur dann von Nutzen, wenn die Traces aktuell und kor-
rekt sind. Haben die Entwickler kein Vertrauen in die Korrektheit der Traces,
werden sie diese Information nicht verwenden; der Aufwand bei der Erstel-
lung war umsonst. Umgekehrt können falsche oder lückenhafte Traces zu
Fehleinschätzungen bei der Impact-Analyse oder zu Lücken bei der Testabde-
ckung führen.
Um Traceability erfolgreich und gewinnbringend umzusetzen, muss eine
Strategie definiert werden, die folgenden Kriterien genügt:
Der durch Erstellung und Pflege der Traces generierte Aufwand kann vom
Projekt nachhaltig geleistet werden.
Durch die Umsetzung der Traceability entsteht den Projekten ein konkre-
ter Nutzen.
Entwurfs-
entscheidung
System-
anforderung 1
Kunden-
anforderung 1
System-
anforderung 2
System-
testfall 1
System-
testfall 2
System-
testfall 3
Komponente:
SW
Komponente:
HW
HW/SW-
Interface
System-
integrationstest
Systemtest
SystemintegrationstestSystemarchitektur
Systemanforderungen
Kundenanforderungen
Abb. 7–5
Beispiel für eine
Traceability

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