Winifred Davies
2. Der Status des Vernaculars
Die seit Labov übliche Privilegierung des „Vernaculars“ und die feste
Vorstellung, dass das „Vernacular“ auf eine bestimmte Art regelmäßiger,
systematischer und authentischer als andere Varietäten sei, kann als Bei-
spiel für einen Mythos angeführt werden. Durch die Privilegierung dieser
Sprachform wird der Eindruck vermittelt, dass alle anderen Varietäten
vergleichsweise unsystematisch seien. In diesem Zusammenhang wurde
auch der Begriff „Authentizität“ zu einem Schlagwort, ohne dass eigent-
lich klar war, was er bedeutete (Meyerhoff 2006: 132 spricht sogar von
einem „cult of authenticity“ in der soziolinguistischen Forschung und
verweist auf einige kritische Stimmen, z. B. Bucholtz 2003 und ...