82 Geld, Inflation und Deflation
sende Verschuldung wird zur Tugend. Ein Beispiel hierfür ist die Hyperinflation in
Deutschland, die im Jahre 1923 ihren Höhepunkt erreichte (1 US-Dollar = 4,2 Billio-
nen Mark).
Bei zunehmender Inflationsgeschwindigkeit verliert das gesetzliche Zahlungsmittel seine
Geldfunktionen. Durch den Verlust der Kaufkraft geht die Wertaufbewahrungsfunkti-
on verloren und damit wird auch die Tauschmittelfunktion beeinträchtigt, so dass man
möglicherweise zum Realtausch, Gut gegen Gut, zurückkehrt oder Ersatzgeld (Zigaret-
tenwährung) geboren wird.
6.5.2 Deflation
Wer in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts aufgewachsen ist, wurde le-
diglich mit dem Problem der Inflation konfrontiert. Allgemeine Preisrückgänge über
mehrere Perioden waren nicht zu beobachten.
Eine Phase fortlaufender Senkungen des Preisniveaus (Deflation) verbunden mit Pro-
duktionsschrumpfung und Massenarbeitslosigkeit gab es in der Weltwirtschaftskrise in
den frühen Dreißigerjahren.
Auch im 19. Jahrhundert gab es lange Perioden mit Senkungen des Preisniveaus: So
lag z. B. das durchschnittliche Preisniveau in den USA im Jahre 1896 um 23 Prozent
unter dem des Jahres 1880 (Mankiw 2008).
Wirtschaftskrisen mit Gesamtauswirkungen auf die Weltproduktion wurden auch durch
die beiden Energiekrisen mit den Rezessionen im Anschluss an den Jom-Kippur-Krieg
1973 und die iranische Revolution von 1979 oder durch die 1982 einsetzende Schulden-
krise in Lateinamerika ausgelöst.
Seit den Neunzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts ist Japan nach einem infla-
tionärem Boom bei Vermögenswerten in einen Zustand der Stagnation geraten. Auch
Zinssätze von fast Null und Ausgabenprogramme der Regierung haben zu keinem Auf-
schwung der japanischen Wirtschaft geführt.
Die „Asien-Krise“ (1997), abnehmende Wachstumsraten in den USA und Europa kurz
nach Beginn des dritten Jahrtausends und vor allem die derzeitige neue Weltwirt-
schaftskrise haben Deflationsgefahren wieder aktualisiert.
Ob die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise als neue Weltwirtschaftskrise in die Ge-
schichte eingehen wird, muss sich noch zeigen.
6.5.2.1 Weltwirtschaftskrisen
Als markanter Beginn der alten Weltwirtschaftskrise (Great Depression) wird der
Schwarze Freitag am 25. Oktober 1929 an der Börse von New York genannt. Die
Kurszusammenbrüche begannen allerdings nicht am Freitag, sondern schon am Mitt-
woch, dem 23. Oktober; am 28. und 29. Oktober nahmen die Kursverluste noch zu. Der
Dow Jones stürzte von Oktober 1929 bis zum Jahrestief 1932 von 400 auf 40 Punkte.
(Erst ein knappes Vierteljahrhundert später erreichte der Dow Jones wieder seinen al-
ten Höchststand von 400 Punkten).

Get Volkswirtschaftslehre für Betriebswirte, 3rd Edition now with O’Reilly online learning.

O’Reilly members experience live online training, plus books, videos, and digital content from 200+ publishers.