7.2 Gesamtwirtschaftliche Güternachfrage 93
Keynes unterstellt hierbei Freiheit von Geldillusion, d. h. dass die Konsumfunktion als
Zusammenhang zwischen dem realen Volkseinkommen und dem Realkonsum zu verste-
hen ist, also Änderungen des Geldwertes keinen Einfluss auf die Höhe des Realkonsums
haben.
Die von Keynes ohne empirische Untersuchungen aufgestellte Konsumhypothese be-
zieht sich auf eine kurzfristige Konsumfunktion, die angibt, wie hoch der (geplante)
Konsum bei alternativen hen des Volkseinkommens derselben Periode wäre. Empiri-
sche Untersuchungen über einen längeren Zeitraum von Jahren haben ergeben, dass die
langfristige Konsumfunktion als eine Funktion über die zeitliche Entwicklung des tat-
sächlichen Konsums in Abhängigkeit vom tatsächlichen Volkseinkommen in etwa durch
den Nullpunkt verläuft und linear ist. Bei einer solchen langfristigen Konsumfunktion
wäre dann die durchschnittliche mit der marginalen Konsumquote identisch.
Ökonometrische Untersuchungen haben für die Variante mit dem Robertson-Lag,
die den (geplanten) Konsum in Abhängigkeit vom Volkseinkommen der Vorperiode
darstellt, bessere Ergebnisse als für die Keynesianische Konsumhypothese gebracht:
C
t
= C
t
(Y
t1
)
7.2.2 Investitionsnachfrage
Der Investitionstätigkeit kommt im Rahmen der Analyse der Höhe von Volkseinkom-
men und Beschäftigung eine besondere Bedeutung deswegen bei, weil diese wesent-
lich größeren Schwankungen unterworfen sind als die Konsumnachfrage. Die Höhe der
einkommenswirksamen (privaten) Nettoinvestition kann von verschiedenen Bestim-
mungsfaktoren abhängig sein:
von der Höhe der Gewinne der laufenden Periode
von den erwarteten Gewinnen
von den Gewinnsteuern
von der Konsumnachfrage bzw. vom Volkseinkommen
von der Änderung der Konsumnachfrage bzw. der Änderung des Volkseinkommens
vom Marktzinssatz
vom internen Zinssatz, d. h. der erwarteten innerbetrieblichen Verzinsung der Inves-
tition
Von Keynes wird besonders die Abhängigkeit der Investition vom internen Zinssatz r,
den er als Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals bezeichnet, und dem Marktzins-
satz ibetont.
Nimmt man an, dass die erwarteten Nettoerträge einer geplanten Investition in n künf-
tigenPeriodenmitE
1
,E
2
,...,E
n
und die Anschaffungskosten der geplanten Investition
94 Keynesianische Theorie zur Erklärung der Höhe des Volkseinkommens
mit K
0
bezeichnet werden, so kann man den internen Zinssatz r dadurch errechnen,
dass man denjenigen Zinssatz sucht, der die auf den Zeitpunkt unmittelbar vor der In-
vestition diskontierten Nettoerträge E
1
,E
2
,...,E
n
genauso groß werden lässt wie die
Anschaffungskosten K
0
:
E
1
1+r
+
E
2
(1 + r)
2
+ ...+
E
n
(1 + r)
n
= K
0
Ist r i, also der errechnete interne Zinssatz größer als der Marktzinssatz i, den eine
Anlage auf dem Kapitalmarkt erbringen würde, so lohnt sich die Investition.
Geht man davon aus, dass der interne Zinssatz (die Grenzleistungsfähigkeit des Kapi-
tals) bei zunehmender Investition abnimmt, so wird in Abbildung
s_078_1
7.2 mit I
0
diejenige
Höhe der Investition gekennzeichnet, die bei gegebenem Marktzinssatz i realisiert wird.
Abbildung 7.2: Interner Zinssatz und Marktzinssatz
s_078_1
Abbildung 7.3: Änderung des Marktzinssatzes
s_078_2

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