VORBEREITUNG FÜR DAS MODELING
Kapitel 1
14
1.2 Zeichnen von Objekten
Wenn kein geeignetes Bildmaterial zur Verfügung steht, können die sogenann-
ten Modelsheets verwendet werden, die eingescannt und für die Image Planes
verwendet werden können. Bei einem Modelsheet sollte der Gegenstand von
vorne, von der Seite und im Halbprofil gezeichnet werden. Auch hier gilt die
Regel, je mehr Zeichnungen angefertigt werden, desto weniger Zeit wird zum
Modellieren benötigt. Bei den Zeichnungen sollte man sich Gedanken machen,
wofür der Gegenstand später verwendet wird. Für eine Werbung sollte ein
Gegenstand immer sauber und mit geraden Linien gezeichnet und auch model-
liert werden. Wenn aber eine Kerze für einen Kurzfilm entworfen und auch
modelliert werden soll, dann sollte nicht jede Linie gerade sein, sondern ruhig
etwas uneben gestaltet werden, da der Hintergrund ansonsten zu steril wirkt.
Teilweise wird dies auch als Stilmittel verwendet. Bei einer bekannten Trickfilm-
produktion aus dem Jahre 2002 hat der Designer entschieden, dass alle Objekte,
die im Film vorkommen, in der Mitte nicht gerade, sondern leicht gewölbt sind
und es keine spitz zulaufenden Ecken gibt. Dadurch sah alles im Film in etwa so
aus, als hätte man es mit einer Luftpumpe aufgeblasen. Dadurch bekam der Film
einen neuen einheitlichen Stil.
Bei einem Modelsheet sollte auch darauf geachtet werden, dass der Gegenstand
aus allen Ansichten die gleiche Größe behält und nicht schrumpft oder wächst.
Am besten erreicht man dies, wenn man eine Ansicht zeichnet (z.B. die Frontan-
sicht), markante Stellen aussucht und mit einem Lineal gerade Linien zeichnet,
die von den markanten Stellen bis zum Seitenende gehen. Damit liegt man auf
der sicheren Seite, dass die markanten Stellen in der Front- und Seitenansicht an
der gleichen Stelle sind. Es sollten nicht zu viele Linien auf dem Papier sein, da
es sonst unübersichtlich wird. Wenn das Modelsheet fertig gezeichnet ist, kann
man es auf einem Lichttisch noch einmal ordentlich abpausen und am Ende nur
für den Größenvergleich ein paar Linien einfügen.
1.3 Zeichnen der Modelsheets
für Charaktere
Auch für die Charaktere, die in Ihrer Produktion vorkommen, müssen Model-
sheets angefertigt werden. Dazu wird empfohlen, den Charakter nicht nur von
vorne und von der Seite, sondern auch von hinten und vorne im Halbprofil zu
zeichnen. Für Zeichentrickfilme wird das auch gemacht, man zeichnet den Cha-
rakter in einer Art Turnaround, d.h., man startet mit der Frontansicht, geht über
das Halbprofil zur Side View und über ein weiteres Halbprofil zur Rückseite des
Charakters. Dadurch kann er von allen Seiten betrachtet werden und man
bekommt eine gute Übersicht über die Form und das Design. Man sollte auch
nicht nur beim Modelsheet bleiben, sondern zusätzlich verschiedene Bewegun-
gen und Gesichtsausdrücke zeichnen. Zeichnen Sie den Charakter bei seiner
Lieblingsbeschäftigung, wie er läuft, wie er sitzt, zeichnen Sie detaillierte
1.3 Zeichnen der Modelsheets für Charaktere
15
Ansichten der Finger, der Handstrukturen. Es hilft auch oftmals, wenn man den
Charakter im Ganzen zeichnet und dann noch einmal eine detaillierte Zeichnung
des Kopfes anfertigt. Bevor mit dem Modelsheets angefangen wird, sollten erst
einmal Skizzen angefertigt und getestet werden, wie der Charakter mit längeren
Beinen, einem dickeren Bauch, einem eierförmigen Kopf usw. aussieht. Man
sollte immer für neue Designmöglichkeiten offen sein.
Für die Linien zum Größenvergleich nehme ich meistens die oberste Stelle bei
den Haaren, die unterste Stelle unter den Schuhen, den Übergang zwischen
Hemd und Hose, die Stelle unter dem Kinn und den Mittelpunkt der Nase.
Nach der Fertigstellung des Modelsheets des Hauptcharakters wird dessen Pro-
filbild oder Halbprofilbild als Größenvergleich für alle anderen Objekte benutzt.
So hat man z.B. die Frontansicht des Hauptcharakters (die Umrisse reichen aus)
und zeigt diesen gleich neben der Frontansicht der Kerze, damit der Modeller
weiß, wie groß die Kerze im Verhältnis zum Hauptcharakter skaliert werden
muss. Dadurch wird sichergestellt, dass die Größen realistisch bleiben und für
die komplette Produktion eingehalten werden.
Um schon vor dem Modeling ein Gefühl für den Charakter zu bekommen oder um
das gezeichnete Modell noch zu verfeinern und mehr Details zu bekommen,
sollte man den Charakter so oft wie möglich in unterschiedlichen Posen und Per-
spektiven zeichnen. Während dieser Zeit kann man auch charaktertypische
Posen zeichnen, mit denen definiert wird, wie der Charakter sich bewegen soll
(ein schwerer und runder Charakter wird sich anders bewegen als ein langer
dünner). Diese Vorlagen kann man später bei der Gestaltung des Rigs und beim
Skinning verwenden. Durch diese Entwürfe wird sichergestellt, dass der Charak-
ter die nötige Bewegungsbandbreite bekommt, die er für das spätere Projekt
benötigt.
Abbildung 1.3
Modelsheet in der
Entstehung

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