1.4 Rechtsformen 41
Regeln des nationalen Rechts eines EU-Mitgliedstaats gegründet werden, ist als juristische
Person in das entsprechende Register einzutragen und gilt als Handelsgesellschaft im Sinne
des HGB. Zu ihrer Gründung sind mindestens zwei Mitglieder aus verschiedenen EU-
Mitgliedstaaten erforderlich. Die Geschäftsführung erfolgt durch von den Mitgliedern be-
stellte Geschäftsführer. Ein Mindestkapital ist nicht erforderlich, dafür besteht auch kein
Zugang zum Kapitalmarkt. Gewinne der EWIV werden an die Mitglieder verteilt und von
diesen nach nationalem Recht versteuert. Die Mitglieder haften unbeschränkt und gesamt-
schuldnerisch für die Verbindlichkeiten der EWIV. Ein Beispiel für eine EWIV ist der
deutsch-französische Fernsehsender ARTE.
1.4.5 Konzerne
Ein Konzern ist ein vertraglicher oder faktischer Zusammenschluss von mehreren rechtlich
selbstständigen Unternehmen, die ein gemeinsames wirtschaftliches Ziel verfolgen und unter
einer einheitlichen Leitung stehen. Es lassen sich zwei Grundformen des Konzerns unter-
scheiden:
Ein Gleichordnungskonzern
ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei Unterneh-
men, von denen keines einen beherrschenden Einfluss auf das andere ausübt, sondern bei
denen eine Abstimmung der gemeinsamen Interessen unter einheitlicher Leitung erfolgt.
Ein Unterordnungskonzern
besteht aus einem herrschenden (Mutterunternehmen) und
einem oder mehreren abhängigen Unternehmen (Tochterunternehmen). Diese Form des
Konzerns ist am häufigsten anzutreffen.
Konzern
Unterordnungs-
konzern
Gleichordnungs-
konzern
Vertrags-
konzern
faktischer
Konzern
Eingliederungs-
konzern
Konzern
Unterordnungs-
konzern
Gleichordnungs-
konzern
Vertrags-
konzern
faktischer
Konzern
Eingliederungs-
konzern
Abb. 1.16 Konzerne
Ein (Unterordnungs-)Konzern entsteht durch den Abschluss eines Beherrschungs- und Ge-
winnabführungsvertrags zwischen dem Mutter- und den Tochterunternehmen (Vertragskon-
zern), durch Kapitalverflechtungen, d.h. dass das Mutterunternehmen eine mehrheitliche
Beteiligung (> 50%) am Kapital des Tochterunternehmens erwirbt (faktischer Konzern), oder
42 1 Das Unternehmen in seinem Umfeld
durch Eingliederung des rechtlich selbstständigen, aber wirtschaftlich abhängigen Tochterun-
ternehmens in das Mutterunternehmen (Eingliederungskonzern). Abb. 1.16 gibt einen Über-
blick über die verschiedenen Konzernarten. Im internationalen Wirtschaftsverkehr schließen
sich Unternehmen zu multinationalen Konzernen von häufig erheblicher Größe und Markt-
macht zusammen.
Konzerne lassen sich weiterhin nach dem Zusammenhang zwischen ihren Betätigungsfeldern
unterscheiden:
In einem horizontalen Konzern
schließen sich Unternehmen auf der gleichen Wertschöp-
fungsstufe zusammen. Z.B. sind in einer Handelskette viele Einzelhandelsgeschäfte zu-
sammengefasst, die durch gemeinsamen Einkauf und einheitliche Werbung ihre Wettbe-
werbsposition verbessern.
Ein vertikaler Konzern
besteht aus Unternehmen, die in derselben Branche auf verschie-
denen Wertschöpfungsstufen tätig sind. Hierbei sollen vor allem Synergieeffekte genutzt
werden. Diese Situation liegt z.B. vor, wenn eine Kaffeerösterei sich an der Reederei, die
den Rohkaffee transportiert, und an dem Hersteller der Verpackungen als vorgelagerten
Produktionsstufen beteiligt sowie ein eigenes Filialnetz für den Vertrieb unterhält.
Bei einem Mischkonzern
werden Unternehmen, die in unterschiedlichen Geschäftsfel-
dern tätig sind, zusammengefasst. Z.B. legen Energieversorgungsunternehmen ihre Rück-
stellungen für die spätere Stilllegung von Kernkraftwerken häufig in erfolgversprechen-
den Wachstumsbranchen an.
Bei der Konzernbildung können unterschiedliche Ziele verfolgt werden: Durch die gegensei-
tige Belieferung der Konzernunternehmen können Kostenvorteile entstehen sowie deren
Bezugs- bzw. Absatzmöglichkeiten gesichert werden. Durch die Möglichkeit des konzernin-
ternen Finanzausgleichs lässt sich die Liquidität einzelner Konzernunternehmen verbessern.
Weiter ist mit der Zusammenfassung unterschiedlicher Unternehmen eine Streuung und
Minderung des wirtschaftlichen Risikos im Konzern verbunden.
Für Konzerne gelten besondere Vorschriften hinsichtlich der Rechnungslegung, um zu ver-
hindern, dass die Konzernleitung durch eine willkürliche Bewertung von konzerninternen
Geschäften die Bilanzen einzelner Konzernunternehmen unzulässig beeinflusst und z.B.
Gewinne in Länder mit niedrigen Steuersätzen verschiebt. Neben den Einzelbilanzen für die
Konzernunternehmen muss ein konsolidierter Konzernabschluss erstellt werden, in dem die
gegenseitigen Forderungen und Verbindlichkeiten gegeneinander aufgerechnet werden.
Die Bildung von Konzernen ist nicht uneingeschränkt zulässig, sondern unterliegt in
Deutschland – wie auch die Kartellbildung – dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkun-
gen (GWB). Ein Zusammenschluss von Unternehmen muss beim Bundeskartellamt gemeldet
werden, wenn er eines der folgenden Merkmale erfüllt:
Die weltweiten Umsatzerlöse übersteigen 500 Mio. €.
Mindestens ein beteiligtes Unternehmen erwirtschaftet im Inland einen Umsatz von mehr
als 25 Mio. €.

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