2.4 Entsorgung 113
halten. Die behördlichen Anforderungen umfassen neben Zertifizierungs- und Mitteilungs-
pflichten auch die Verpflichtung zur regelmäßigen Vorlage eines detaillierten Abfallwirt-
schaftskonzepts sowie bei Überschreiten bestimmter Abfallmengen die Vorlage von umfas-
senden Abfallbilanzen mit Angaben über Art, Menge und Verbleib der jeweiligen Stoffe. Die
von den Kommunen und Genehmigungsbehörden erlassenen Vorschriften und Gebühren-
ordnungen sind somit die Parameter, an denen ein Unternehmen seine Entsorgungsstrategie
ausrichtet: Je unerwünschter und damit je teurer ein Rückstand oder Abfallstoff wird, desto
größer werden die Bemühungen, dessen Anfall zu reduzieren.
2.4.2 Recycling
Unter Recycling versteht man die Rückführung von Material und Energie, die bei der Pro-
duktion als Rückstand oder beim Konsum als Hausmüll anfallen, als Einsatzstoffe in Produk-
tionsprozesse. Dabei wird aus Sicht des Gesetzgebers das Ziel verfolgt, einerseits natürliche
Rohstoffe zu substituieren und dadurch zu schonen, andererseits die entstehenden Rück-
stands- und Abfallmengen zu verringern, um Umweltbelastungen zu reduzieren und knappen
Deponieraum einzusparen. Recycling bringt also positive Umweltwirkungen sowohl auf der
Input- als auch auf der Outputseite der Produktion mit sich.
Durch Recycling lässt sich eine teilweise Umstellung von der derzeitigen Durchflusswirt-
schaft zu einer Kreislaufwirtschaft
erreichen. Die Kreislaufführung von Stoffen ist ein grund-
legendes Prinzip der Ökologie, durch das sich eine maximale Stoffausnutzung erreichen
lässt. In einem Wirtschaftssystem lassen sich durch den Aufbau von Wiederverwertungs-
kreisläufen und -kaskaden sowohl der Grad der Stoffausnutzung als auch die Verweildauer
der Stoffe erhöhen; damit wird zugleich die Effizienz der Produktion gesteigert.
Folgende Formen des Recycling lassen sich unterscheiden:
Nach dem Ort, an dem die zu verwertenden Stoffe entstehen, unterscheidet man das Pro-
duktionsabfallrecycling, bei dem Rückstände aus Produktionsprozessen – z.B. Schneide-
reste, Späne, Ausschuss, aber auch energetische Rückstände wie Abwärme und Prozess-
energie – erneut in industriellen Prozessen eingesetzt werden, und das Altproduktrecyc-
ling, das nach Ablauf der üblichen Nutzungsdauer eines Produkts die in ihm enthaltenen
Wertstoffe einer weiteren Nutzung zuführt. Die Verpflichtung von Unternehmen, ihre
gebrauchten Produkte zurückzunehmen und geordnet zu entsorgen, wird in verschiedenen
Rücknahmeverordnungen geregelt.
Nach dem Ort des Wiedereinsatzes der Stoffe lässt sich Recycling einteilen in innerbe-
triebliches Recycling, bei dem im Unternehmen entstehende Reststoffe in den Ur-
sprungsprozess oder einen anderen Produktionsprozess zurückgeführt werden, und das
interindustrielle Recycling
, bei dem mehrere Unternehmen am Aufbau eines Verwer-
tungskreislaufs beteiligt sind. Hier stellt sich häufig das Problem, geeignete Marktpartner
zu finden, die den anfallenden Stoff abnehmen bzw. den benötigten Stoff in der ge-
wünschten Menge anbieten.
114 2 Die Güterwirtschaft
Eine weitere Einteilung orientiert sich daran, ob der Stoff überarbeitet oder direkt ver-
wendet und ob er im Ursprungsprozess oder in einem anderen Prozess eingesetzt wird.
Daraus ergeben sich die in Abb. 2.40 dargestellten Recyclingformen.
Einsatz in
Ursprungsprozess
(primäres Recycling)
anderen Prozess
(sekundäres Recycling)
ohne Überarbeitung
(direktes Recycling)
mit Überarbeitung
(indirektes Recycling)
Wieder-
verwendung
Weiter-
verwendung
Wieder-
verwertung
Weiter-
verwertung
Einsatz in
Ursprungsprozess
(primäres Recycling)
anderen Prozess
(sekundäres Recycling)
ohne Überarbeitung
(direktes Recycling)
mit Überarbeitung
(indirektes Recycling)
Wieder-
verwendung
Weiter-
verwendung
Wieder-
verwertung
Weiter-
verwertung
Abb. 2.40 Recyclingformen
Bei der Wiederverwendung wird ein Stoff ohne größere Überarbeitung für den ur-
sprünglichen Zweck wieder benutzt. Ein Beispiel dafür sind Pfandflaschen, die nach
einer Reinigung wieder befüllt werden können.
Weiterverwendung
liegt vor, wenn Abfallstoffe, die in einem Produktionsprozess
anfallen, ohne Überarbeitung in einem anderen Prozess eingesetzt werden, z.B. wird
der Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen im Hoch- und Tiefbau eingesetzt.
– Ein Stoff wird wiederverwertet
, wenn er nach einer Überarbeitung für seinen ur-
sprünglichen Zweck erneut eingesetzt wird. Dies ist z.B. bei der Papierherstellung aus
Altpapier oder bei der Verwendung runderneuerter Autoreifen der Fall.
Bei der Weiterverwertung
schließlich wird ein Stoff nach Überarbeitung in einem
anderen Prozess oder für einen anderen Zweck eingesetzt, z.B. bei der Herstellung
von Parkbänken aus Kunststoffgranulat. Auch die thermische Verwertung von Abfäl-
len zum Zweck der Nutzung der in den Stoffen enthaltenen Energie wird zur Weiter-
verwertung gezählt.
Diese Recyclingarten erfordern in der genannten Reihenfolge einen immer größeren
Bearbeitungs-, Transport- und Energieaufwand. Aus ökologischer Sicht ist daher die
Wiederverwendung der Weiterverwendung, diese der Wiederverwertung und diese
schließlich der Weiterverwertung vorzuziehen, falls für einen bestimmten Stoff mehrere
Recyclingmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Die Wirtschaftlichkeit des Recycling hängt wesentlich davon ab, in welchem Umfang vor
dem Wiedereinsatz eines Stoffes eine Aufbereitung erforderlich ist. Nach dem Umfang

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