250 8 Kontaktpflege mit Chinesen
Das Operationsprinzip und Ziel ist es, die „richtige“ Zeitharmonie zu finden, und
zwischen dem Einzelnen und dem Universum wieder eine Synchronität herzustellen
(vgl. Li, Yiyuan, 1987, S. 72–73).
Ming bestimmt den sozialen und wirtschaftlichen Status einer Person, wie Erfolg
und Reichtum. „Yun“ bezieht sich aber auf die dynamischen Lebensfragen wie
Glück und Pech in unterschiedlichen Lebensphasen oder in verschiedenem Lebens-
alter.
Die glückliche Bewegung ist sehr wichtig, vor allem durch das Teilen mit den ande-
ren (vgl. Zeng, Shiqiang, 2008). Ein berühmtes Beispiel ist die Geschichte, die alle
Chinesen von Kindheit an kennen, der alte Sai. Die Geschichte lautet:
Es ist schwierig bis unmöglich Glück oder Unglück vorherzusehen, zu be-
einflussen, gar zu bezwingen oder umzukehren. Es gab einmal gemäß der
Weissagung einen Vater, der mit seinem Sohn in der Nähe der Grenze lebte.
Eines seiner Pferde verirrte sich eines Tages aus Versehen in das andere Land
Xiongnu. Jeder versuchte nun den Mann zu trösten, doch dieser erwiderte
nur: „Warum sollte ich voreilig sein, vielleicht bringt es Glück!“ Nach eini-
gen Monaten kam das Pferd aus dem Land der Xiongnu zurück, begleitete
von einem anderen wertvollen Hengst. Dieses Mal beglückwünschten alle
den Mann. Doch dieser entgegnete: „Warum sollte ich mich zu schnell freu-
en, denn es kann auch Unglück bringen!“ Seine Familie hatte eine Fülle von
schönen Pferden und sein Sohn liebte es sehr, zu reiten. Eines Tages fiel der
Sohn vom Pferd und brach sich schlimm ein Bein, so dass jeder wieder den
Vater beruhigen wollte. Und wie schon einmal antwortete dieser: „Es kann
auch zu Glück führen, ich will wieder lieber erst abwarten!“ Ein Jahr später
fielen die Krieger aus dem Land Xiongnu ein, und alle kampffähigen Männer
mussten zu den Waffen greifen und in den Krieg ziehen. Neun von zehn
Männern aus dem Grenzgebiet kamen ums Leben. Da der Sohn wegen des
gebrochenen Beins nicht (mehr) kämpfen konnte, blieben der alte weise Va-
ter und sein Sohn verschont und überlebten diese Tragödie…
Unglück erzeugte Glück, doch das Glück ist wieder nur von kurzer Dauer. Unglück
zieht und geht wie das Wetter und der Wechsel der Jahreszeiten. Und dies geht in
einer Abfolge lebenslang ohne je ein Ende zu finden so weiter, auch wenn man
manchmal die Zusammenhänge nicht vorher sieht oder versteht.
Ein bekanntes Sprichwort bzw. eine verbreitete Vorstellung in der chinesischen
Kultur lautet: „In der Natur kommt es zu plötzlich hereinbrechenden Stürmen, im
8.3 Hintergrundwissen als Schlüssel zum Erfolg 251
Leben zu unvorhergesehenen Schicksalsschlägen“ (tian you buce fengyun, ren you
danxi huofu, 天有不测风云,人有旦夕祸福). Aus dem Grund sind Chinesen vor-
sichtiger und streben nach Glücksbringern oder zu bestimmten Kulthandlungen und
Zeremonien, wenn z.B. ein Laden eröffnet wird. Sie dienen meistens nur der psychi-
schen Beruhigung und dem Trösten (vgl. Zeng, Shiqiang, 2002, S. 70–71).
8.3.3 Auswahl von Geschenken, Glücksbringern und Tabus
Sowohl die verbale sowie nonverbale Kommunikation, als auch Symbole (z. B.
Blumen, Geschenke, Dekorationen, Schmuck) gehören zu den Kommunikations-
formen, die bestimmte Botschaften vermitteln sollen. Das Verständnis und die An-
wendung bestimmter Symbole sind kultur-, hierarchie- und zeitabhängig. Die Sta-
tuszeichen bezeichnen und umschreiben oft auch die Hoffnungen und Wünsche. In
jedem Kulturkreis gibt es bestimmte Symboliken.
Die Glücksbringer der Chinesen verdeutlichen die tiefe Überzeugung der Harmonie
zwischen Himmel und Menschen. So die Überzeugung, dass der Mensch mit allen
Lebewesen im engen Zusammenhang steht und mit der Natur harmonisch zusam-
menleben sollte.
Die Chinesen glauben, dass Glücksbringer auch wirklich „Glück bringen“ können.
Die Glücksbringer als Geschenk bedeuten Freundschaft, Ehre und stehen für den
gegenseitigen Glückwunsch. Im Alltag spielen die Glücksbringer eine wichtige
Rolle in der zwischenmenschlichen Interaktion und fördern auch die Beziehung
untereinander (vgl. He, Zhang und Mo, 2002, S. 89–91).
Wenn eine Dynastie friedlich war, erscheinen in der Welt einige Symbole, wie z.B.
die glückliche Wolke (qingyun, 庆云; xiang yun, 祥云), der erquickende Tau (ganlu,
甘露), ein göttliches Pferd (shen ma, 神马), der Drache (long, ), der Phönix (feng,
), der weiße Hirsch (bailu, 白鹿), Qilin (qilin, 麒麟) und der Fuchs mit neun
Schwänzen (jiu wei hu, 九尾). Sie symbolisieren die Ankunft einer friedlichen
Zeit (vgl. He, Zhang und Mo, 2002, S. 91).
Nach Qiao Jitang (1993b) werden die über 100 Glückbringer fünf Kategorien zu-
geordnet. Einen kleinen Einblick über die Zuordnung der Glücksbringer (-Symbole)
zu den entsprechenden Wünschen und Hoffnungen gibt die nachfolgende Tabelle:

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