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Evolution der Ethik

Book Description

Konflikte im moralischen Urteil gibt es zwischen Moralphilosophien, zwischen Kulturen, Personen und selbst innerhalb eines einzelnen Bewusstseins. Die moderne Forschung aus verschiedensten Fachbereichen zeigt, dass unser moralischer Sinn dabei offenbar keiner einheitlichen Logik folgt. Menschen unterscheiden ihre Beziehungen gemäß dreier Kategorien: "Interaktion", "Identität" und "Intimität". Jede einzelne lässt sich als eine evolutionäre Anpassung verstehen. Die Meta-Kategorie "Universalität" entsteht dagegen wohl nur unter günstigen Bedingungen und als ein evolutionäres Nebenprodukt. Urteile darüber "was man tun soll" und "was man nicht tun darf" erweisen sich in diesem Kontext als abhängig vom Beziehungstyp und Konflikte im Urteil sind in einer sozialen Welt systembedingt.
Das Modell einer "Beziehungstypischen Ethik", das auf dieser evolvierten Psychologie basiert, bietet somit die Grundlage für ein besseres Verständnis der gesamten menschlichen Ethik einschließlich der Moralphilosophien. Daneben bietet die Arbeit eine für die deutschsprachige Literatur bislang einzigartige Einführung in die Neue Synthese der Evolutionstheorie, sowie einen neuartigen Ansatz für den gelingenden Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaften.

Table of Contents

  1. Cover
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Vorwort
  5. Inhalt
  6. 1 Einleitung und Methodik
    1. 1.1 Situation
    2. 1.2 Die Theologie als Gesprächspartner
      1. 1.2.1 Das implizite Projekt: Integration
      2. 1.2.2 Das explizite Projekt: Beschreibung von Ethik und Moral
    3. 1.3 Weltanschauliche Transparenz und Problemfelder
    4. 1.4 Der Aufbau der Arbeit
  7. Teil I Prinzipien der Evolution
    1. 2 Veränderungen in der Evolutionstheorie
      1. 2.1 Historischer Abriss
        1. 2.1.1 19. Jahrhundert
        2. 2.1.2 Neodarwinismus und Synthetische Theorie
        3. 2.1.3 Die Moderne Synthese
        4. 2.1.4 Soziobiologie - Der »Egoismus« der Gene
        5. 2.1.5 Wichtige Prinzipien soziobiologischen Denkens
        6. 2.1.6 Evolutionstheorie - Wohin?
      2. 2.2 Multi-Level-Selektion
        1. 2.2.1 »Major Transitions« - Die großen Übergänge
        2. 2.2.2 Gruppenselektion
      3. 2.3 EvoDevo
        1. 2.3.1 Evolvierbarkeit als Eigenschaft phänotypischer Variation
        2. 2.3.2 Phylogenetische Stabilisierbarkeit
        3. 2.3.3 Vererbbarkeit - Evolution in vielen Dimensionen
      4. 2.4 EcoEvoDevo - Integration der Ökologie
      5. 2.5 Innovation
        1. 2.5.1 Das Homologiekriterium
        2. 2.5.2 Mechanismen der Innovation
        3. 2.5.3 Makroevolution
      6. 2.6 Evolutionäre Psychologie
        1. 2.6.1 Kognitive Module aus der Steinzeit
        2. 2.6.2 Die „Module” einer neuen evolutionären Psychologie
      7. 2.7 Die Integration der Modelle - Was sich verändert hat
      8. 2.8 Fazit
    2. 3 Kulturelle Evolution
      1. 3.1 Die (eingeschränkte) Universalität von Evolution
      2. 3.2 Memetik - Kulturelle Evolution als Replikationsprozess
        1. 3.2.1 Kritik am Mem-Konzept
      3. 3.3 Kulturelle Evolution als Konstruktionsprozess
        1. 3.3.1 Kulturelle Attraktoren
        2. 3.3.2 Kulturelle Populationsdynamik
        3. 3.3.3 Die »evolutive Landschaft« der Kultur
      4. 3.4 Wege kultureller Evolution
        1. 3.4.1 Koevolution
        2. 3.4.2 Kulturelle Evolution durch Nischenkonstruktion
        3. 3.4.3 Kulturelle Vererbung
        4. 3.4.4 Mem-artige Transmission
        5. 3.4.5 Kulturelle Evolution durch Zufall
        6. 3.5 Aufwachsen in einer sozialen, kulturellen Umgebung
          1. 3.5.1 Werkzeuggebrauch
          2. 3.5.2 Vertrauen - Ein Spezifikum menschlicher Umgebung
    3. 4 Evolution der Moral
      1. 4.1 Die (prä-)historische Phylogenese von Moral
        1. 4.1.1 Egalitäre Gemeinschaften
        2. 4.1.2 Hierarchische Gemeinschaften
        3. 4.1.3 Gesellschaftliche Strukturen
        4. 4.1.4 Hierarchischer Weg - Egalitäres Ergebnis
      2. 4.2 Die unvermeidliche Dialektik der faktischen Moral
        1. 4.2.1 Gegenläufige Kräfte
        2. 4.2.2 Ein Beispielfall: Die Rangordnung der Liebe
        3. 4.2.3 Fazit
      3. 4.3 Der Erkenntnisgewinn evolutionären Denkens
        1. 4.3.1 Ultimate und proximate Ursachen - eine Entlarvung?
        2. 4.3.2 »Zweckhaftigkeit« von Verhalten
      4. 4.4 Diskursprobleme
        1. 4.4.1 Kategorienfehler - Dialog auf zwei Ebenen
        2. 4.4.2 Weitere Fallen für den Diskurs
      5. 4.5 Die wenig hilfreiche Rolle der (deutschen) Medien
      6. 4.6 Fruchtbarer Diskurs
    4. 5 Evolution des Helfens
      1. 5.1 Altruismus unter Multi-Level-Selektion
        1. 5.1.1 Lösung auf der Ebene der Gene - Verwandtenselektion
        2. 5.1.2 Lösung auf der Ebene des Individuums - Reziprokes Verhalten
        3. 5.1.3 Helfen als Fehlleistung
        4. 5.1.4 Lösung auf der Ebene der Gruppe - Multi-Level-Selektion
      2. 5.2 Praxis des Helfens
        1. 5.2.1 Ökonomische Spiele als Analysewerkzeuge
        2. 5.2.2 Vertrauen
        3. 5.2.3 Reputation
        4. 5.2.4 Soziale Netzwerke
        5. 5.2.5 WEIRDos
      3. 5.3 Sanktionen - »Soziale Selektion«
        1. 5.3.1 Bestrafung
        2. 5.3.2 Antisocial Punishment
        3. 5.3.3 Policing - Dritt-Parteien-Bestrafung
        4. 5.3.4 Institutionen
        5. 5.3.5 Übernatürliches Policing - Religionen als Sprungbrett der Zivilisation
      4. 5.4 Ertrag des Kapitels
        1. 5.4.1 Menschen sind anders
        2. 5.4.2 Wie altruistisch ist Altruismus?
  8. Teil II Natur des moralischen Sinns
    1. 6 Soziale Kognition
      1. 6.1 Emotionen
        1. 6.1.1 Emotionen sind Handlungsanweisungen
        2. 6.1.2 Emotionen vermitteln Relevanz
        3. 6.1.3 Der Vorteil unwillkürlicher Signale
      2. 6.2 Somatische Marker
      3. 6.3 Empathie
        1. 6.3.1 Verbindung schafft Verbindlichkeit
        2. 6.3.2 Die ungleichen Zwillinge
        3. 6.3.3 Theory of Mind (ToM)
        4. 6.3.4 Das Aufbrechen von Verantwortung
      4. 6.4 Die überraschenden Fähigkeiten von Tieren
        1. 6.4.1 Emotionale Tiere
        2. 6.4.2 Zwischen Reduktionismus und Anthropomorphismus
        3. 6.4.3 Vervollständigung des Bildes
        4. 6.4.4 Fazit
      5. 6.5 Unterscheidend Menschliches
        1. 6.5.1 Das Prinzip »Kooperation«
        2. 6.5.2 Shared Intentionality
        3. 6.5.3 Fazit
    2. 7 Allgemeine Kognition
      1. 7.1 Selbst-Bewusstsein
        1. 7.1.1 Die erstaunlichen Fähigkeiten des Unbewussten
        2. 7.1.2 Das „Ich”
        3. 7.1.3 Das Narrative Selbst
      2. 7.2 Entwicklungsprinzipien
        1. 7.2.1 Die Suche nach Glück
        2. 7.2.2 Mechanismen der Persönlichkeitsentwicklung
      3. 7.3 Freiheit des Willens
        1. 7.3.1 Das Unbewusste in Kontrolle
        2. 7.3.2 Freiheit und Determinismus
        3. 7.3.3 Ein hypothetisches Modell
        4. 7.3.4 Die „Idee des Freien Willens” und moralisches Verhalten
        5. 7.3.5 „Ich” und Verantwortung
        6. 7.3.6 Zusammenschau und Ausblick zur Moral
    3. 8 Moralpsychologie
      1. 8.1 Die Rolle von Intuition und Rationaler Abwägung
        1. 8.1.1 Piaget und Kohlberg - Der Rationalismus des 20. Jahrhunderts
        2. 8.1.2 Jonathan Haidt - Primat der Intuition
        3. 8.1.3 Darcia Narvaez - Gleichwertigkeit von Intuitionen und Argumenten
        4. 8.1.4 Beurteilung der Ansätze von Haidt und Narvaez
        5. 8.1.5 Der Einfluss von Emotionen auf moralische Urteile
        6. 8.1.6 Der Einfluss bewusster oder rationaler Prozesse
        7. 8.1.7 Framing-Effekte - Kontext kann entscheidend sein.
        8. 8.1.8 Joshua Greene - »Dual-Process-Model«
      2. 8.2 Die verborgene Genese von Normen
        1. 8.2.1 Phylo-Genese: Geltung durch Akkomodation
        2. 8.2.2 Onto-Genese: Der Weg zur faktischen Geltung
      3. 8.3 Prinzipien des Moralischen Urteilens
        1. 8.3.1 Beurteilung von Handlungen - Trolleyologie
        2. 8.3.2 John Mikhail und Marc Hauser - »Moral Grammar«
        3. 8.3.3 Beurteilung von Handelnden
        4. 8.3.4 Zuverlässige Signale
      4. 8.4 Werte
        1. 8.4.1 Tabus und Sakrale Werte - Wenn Heiliges ins Spiel kommt
        2. 8.4.2 Jonathan Haidt - Fünf universelle Themenbereiche
        3. 8.4.3 Darcia Narvaez - „Triune Ethics”
        4. 8.4.4 Spezifische Wertsetzungen
      5. 8.5 Moralisches Denken dient sozialem Handeln
        1. 8.5.1 Der Effekt von Anonymität - „Intuitiver Politiker”
        2. 8.5.2 Der Effekt eines Alibis - »Moralische Heuchelei«
        3. 8.5.3 „Staatsanwalt” und „Pressesprecher”
        4. 8.5.4 Unbedingte Verpflichtung - Der„Intuitive Theologe”
        5. 8.5.5 Der Einfluss von Macht - Hypo- und Hyperkritik
        6. 8.5.6 Wechsel der Perspektive
        7. 8.5.7 Rai und Fiske - Moral als »Relationship Regulation«
        8. 8.5.8 Moral verbindet Individuen zu Gemeinschaften
        9. 8.5.9 In-Group oder Out-Group
      6. 8.6 „Der Strich, der das Gute vom Bösen trennt… *
        1. 8.6.1 Verantwortung
        2. 8.6.2 Von Helden und Monstern
  9. Teil III Anthropologische Ethik
    1. 9 Möglichkeiten einer Evolutionären Ethik
      1. 9.1 Darwinsche Impulse für die Ethik
        1. 9.1.1 Moral bei Darwin
        2. 9.1.2 Darwinismus (von dem sich Darwin wohl distanziert hätte)
      2. 9.2 Argumentationstypen im interdisziplinären Dialog
        1. 9.2.1 Interpretation als „Empirie”
        2. 9.2.2 Der Bezug aufs Selbsterleben
        3. 9.2.3 Der Rückbezug auf Metaphysik
      3. 9.3 Teleologie
        1. 9.3.1 Teleologie durch Metaphysik
        2. 9.3.2 Teleologie ohne Metaphysik
        3. 9.3.3 Bewertung der teleologischen Konzepte
      4. 9.4 Metaethik - Gibt es objektive Normen?
        1. 9.4.1 Der Einwand der kulturellen Variabilität und ökologischen Bedingtheit
        2. 9.4.2 Der Einwand der Evolutionären Entstehung
        3. 9.4.3 Der Verdacht des Projektivismus
        4. 9.4.4 Der Einwand der »Absonderlichkeit«
        5. 9.4.5 Metaphysik als „Joker”
      5. 9.5 Der Naturalistische Fehlschluss
      6. 9.6 Versuche einer normativen Evolutionären Ethik
        1. 9.6.1 Robert Richards - Moral durch Gruppenselektion
        2. 9.6.2 Brian Zamulinski - Moral als Evolutionäres Nebenprodukt
        3. 9.6.3 Michael Schmidt-Salomon - Evolutionärer Humanismus (EH)
      7. 9.7 Metaethische Überlegungen
        1. 9.7.1 Die Notwendigkeit einer Wertsetzung
        2. 9.7.2 Ceteris Paribus Untersuchungen
        3. 9.7.3 Der Mehrwert der Selbst-Realisierung
        4. 9.7.4 Was sollen wir tun?
    2. 10 »BEZIEHUNGSTYP-ETHIK«
      1. 10.1 Die drei natürlichen Beziehungskonzepte
        1. 10.1.1 Mentale Konzepte bilden soziale Strukturen
        2. 10.1.2 Mentale Konzepte stellen soziale Fragen
        3. 10.1.3 Das Konzept der Interaktion
        4. 10.1.4 Das Konzept der Identität
        5. 10.1.5 Das Konzept der Intimität
        6. 10.1.6 Die Rechtfertigung von Bestrafungen
        7. 10.1.7 Falsche Zuordnungen
        8. 10.1.8 Die Zuschreibung von „Schuld” in den drei Beziehungskonzepten
        9. 10.1.9 Die Asymmetrie zwischen Interaktion - Identität - Intimität
      2. 10.2 Die Metakategorie »Universalität« - Ein evolutionäres Nebenprodukt
        1. 10.2.1 Die verantwortlichen Anpassungen
        2. 10.2.2 Eine universale Ethik der SICHERHEIT
        3. 10.2.3 Die Evolution des Menschenrechtsethos
        4. 10.2.4 Extremformen menschlichen Lebens
        5. 10.2.5 Eine universale Ethik des ENGAGEMENTS
      3. 10.3 Die Möglichkeit normativer Aussagen
        1. 10.3.1 Einwände
        2. 10.3.2 Vom deskriptiven Modell zu präskriptiven Aussagen
    3. 11 Nächstenliebe
      1. 11.1 Nächstenliebe als eine Tugend
        1. 11.1.1 Die Entwicklungspsychologie der Nächstenliebe
        2. 11.1.2 Selbstliebe und Nächstenliebe
      2. 11.2 Nächstenliebe und Weltanschauung
        1. 11.2.1 Idee und Motivation
        2. 11.2.2 Atheistisch-materialistische Möglichkeiten einer Person3U
        3. 11.2.3 Nondualistisch-buddhistische Möglichkeiten einer Person3U
        4. 11.2.4 Christlich-personale Möglichkeiten einer Person3U
        5. 11.2.5 Der praktische Einfluss von Weltanschauungen
    4. 12 Rückblick und Ausblick eines Biologen und Theologen
      1. 12.1 Eine neue Biologie
      2. 12.2 Die interdisziplinäre Arbeit als Zusammenschau
      3. 12.3 Moral und Ethik
      4. 12.4 »BEZIEHUNGSTYP-ETHIK«
      5. 12.5 Die Struktur der Wirklichkeit
    5. Anhang
      1. A.1 Nicht-lineare Dynamik komplexer Systeme
      2. A.2 Mechanismen generationenübergreifender epigenetischer Vererbung
      3. A.3 Evolution eusozialer Superorganismen
      4. A.4 Ein Wettstreit der Memplexe: Evolutionärer Humanismus (EH) und Christliches Ethos (CE)
        1. Die Beurteilung von Personen und Handlungen
        2. Freiheit und Schuld
        3. Der eigene Anspruch und der Anspruch anderer
        4. Die Person - Menschenrechte, Menschenwürde
        5. Selbst-Realisierung in den Memplexen
        6. Bemerkungen zum „Wettstreit”
  10. Literatur
  11. Index
  12. Fußnoten