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Geld, Kredit und Währung by Johannes Laser

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22 Geld, Kredit, Währung
2.6.2 Das Spekulationskassenhaltungsmotiv
In der Literatur wird neben der Transaktions- und Vorsichtskasse noch ein weite-
rer Grund für die Kassenhaltung angeführt: die Geldhaltung aus Spekulationsmo-
tiven. Am besten lässt sich diese Geldnachfrage verdeutlichen, wenn Sie Kunde
eines Internetbrokers (wie z. B. S broker, com direct, Onvista Bank oder Cortal
Consors) werden wollen. Dann müssen Sie als Grundvoraussetzung ein Depot er-
öffnen, von dem dann bei einer entsprechenden Kapitalanlage Beträge abgebucht
werden können. Je höher die zu erwartende Rendite aus der Kapitalanlage, umso
niedriger wird der Kontostand auf ihrem Depot sein. Als Maßstab (=Benchmark)
für die zu erwartende Rendite ist die Effektivverzinsung (Umlaufrendite) handel-
barer, festverzinslicher Wertpapiere des Bundes (Bundesanleihen, Bundesobliga-
tion), die für den Erwerber eine risikolose Anlageform darstellen. Nimmt deren
Effektivverzinsung zu, dann müssen auch risikobehaftete Anlageformen (Aktien
usw.) eine höhere Rendite offerieren, damit es zur Abdeckung des Kapitalbedarfs
kommen kann. Festzuhalten ist, dass dieser Teil der Geldnachfrage c. p. negativ
mit dem Zinsniveau korreliert.
Abb. 12: Spekulationskassenhaltung L in Abhängigkeit vom Zinsniveau r
In der o. a. Abbildung führt eine Senkung des Zinsniveaus von r
1
auf r
2
dazu, dass
die Geldnachfrage aus Spekulationsmotiven von L
1
auf L
2
wächst. Als primärer
Grund sind die gesunkenen Opportunitätskosten (=entgangene Kapitalzinsen) aus
der fehlenden Kapitalanlage zu nennen. Im nächsten Kapitel soll nun geklärt wer-
den, was unter dem gesamtwirtschaftlichen Zinsniveau r konkret zu verstehen ist.
r
L (r): Geldhaltung aus
Spekulationsmotiven
L(r
r
2
L
2
r
1
Li
q
uiditätsfalle
L
1
2 Kreditmarkttheorie von Brunner und Meltzer 23
2.6.2.1 Zusammenhang zwischen der Nachfrage nach festverzinslichen
Wertpapieren, Börsenwert und Effektivverzinsung
Auf den Bundesanleihen und -obligationen ist der Nennwert der Anleihe sowie die
Nominalverzinsung und Laufzeit aber nicht der Name des Erwerbers aufgedruckt.
Erwirbt ein Kapitalanleger bei einer Neuemission dieses festverzinsliche Wertpa-
pier und behält es bis zum Ende der Laufzeit, entspricht die Nominalverzinsung
der Effektivverzinsung.
Beispiel:
Beginn der Laufzeit (Emission): 1.1.2010;
Nennwert: 1.000 €;
Nominalverzinsung: 5 % p. a., d.h.: 50 € p. a.;
Laufzeit: 10 Jahre.
Erfolgt zu den o. a. Bedingungen der Erwerb zum 1.1.2010, bezieht der Kapitalan-
leger jedes Jahr Zinserträge in Höhe von 50 € und erhält den Nennwert in Höhe
von 1.000 € zurückgezahlt.
Der Vorteil dieser Bundesanleihen und -obligationen ist allerdings, dass sie jeder-
zeit vor Ende der Laufzeit an Dritte veräußert werden können. Hier ergibt sich der
Börsenwert (An- bzw. Verkaufskurs, Kurswert) über die entsprechende Nachfrage
und über das Angebot an noch nicht fälligen festverzinslichen Wertpapieren. Was
die Entwicklung des Börsenwertes betrifft, können prinzipiell zwei Szenarien dar-
gestellt werden.
Szenario I: Während der Laufzeit der Anleihe haben sich die Kapitalmarktzinsen
nach oben (größer als 5 % p. a.) entwickelt. In dieser Situation hat der potenzielle
Erwerber der noch nicht fälligen Anleihe die alternative Möglichkeit, ein neu emit-
tiertes Wertpapier zu einer höheren Nominalverzinsung zu erwerben. Zwar spielt
natürlich die Restlaufzeit aufgrund der Liquiditätspräferenz eine Rolle. Er wird
aber unter den oben aufgeführten Bedingungen nicht mehr bereit, den Nominal-
wert von 1.000 € zu zahlen. Insgesamt sinkt also die Nachfrage nach dem o. a.
Wertpapier, sodass der Börsenwert rückläufig ist. Nehmen wir an, dass er diese
Anleihe Ende 2014 für 800 € erwirbt. Dann bekommt er Ende 2019 von der Bun-
desrepublik 1.000 € zurückgezahlt (Agio 200 €; über die Restlaufzeit von 5 Jahren
verteilt, sind das jeweils 40 € pro Jahr) und erhält 50 € Zinsen p. a.. Zu berücksich-
tigen ist hier aber, dass sein Einsatz nicht 1.000 € sondern 800 € betrug, sodass

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