9 Alternative Notenbankstrategien 133
9.4 Taylorregel
9.4.1 Allgemeine Darstellung
Die nach dem Standford-Ökonomen John Taylor benannte und 1993 von ihm
entwickelte Regel berechnet einen nicht die Konjunktur beeinflussenden (= kon-
junkturneutralen) Nominalzins (= Taylor-Zins), der mit inflationsfreiem Wirt-
schaftswachstum
32
vereinbar ist. Dieser Taylor-Zins kann gleichzeitig als Richt-
schnur (= Benchmark) für den Leitzins einer Notenbank dienen: Ist der ermittelte
Taylor-Zins r
Taylor
höher (geringer) als der aktuelle Leitzins r
r
, deutet dies auf eine
Zinserhöhung (Zinssenkung) durch die Notenbank hin.
Die Taylor-Formel lautet:
Forderung an die Notenbank ist somit, in Abhängigkeit von der jeweiligen kon-
junkturellen Situation (siehe Outputlücke) und inflationären Entwicklung (siehe
Inflationslücke) den Leitzins festzulegen. Im Rahmen der Taylor-Formel werden
die Gefahren aus einer Inflations- und Outputlücke in der Regel mit α und β
gleichgewichtet
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. Hierbei liegt die Vorstellung zugrunde, dass sowohl ein über-
mäßiger Preisdruck als auch eine Überauslastung der Fertigungskapazitäten durch
einen höheren kurzfristigen Zinssatz entgegengewirkt werden sollte und umge-
kehrt. Um die praktische Anwendbarkeit der Formel für die Geldpolitik zu illust-
rieren, erachtet es der Verfasser als sinnvoll, den Taylor-Zins für April 2009 unter
folgenden Annahmen (= Prämissen) für die €-Währungszone zu berechnen:
%. 2,5 Y %; 3,5 - Y %; 2
%; 0,5 0,5; jeweils und %; 2 :r* %, 2,6
potenzialiert,2009prognostiz
iert,2009prognostiz,2008realisiert
:::
::
Ziel
___________________
32
Bzw. mit dem jeweiligen Inflationsziel (Anmerkung des Verfassers).
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Also sind α und β jeweils 0,5 (bzw. 50 %).
Inflationslücke
Taylor realisiertVorjahr prognostiziert Ziel pronostiziert potenzial
rr YY



Outputlücke

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