Neben den vorgenannten klassischen Geldanlagezielen wird in jüngster Zeit auch
der Aspekt der ethischen Verantwortbarkeit von Anlagen herausgestellt. Hier wer-
den nicht selten mit Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit oder mit Öko-Parolen
dubiose Anlagepolitik betrieben und fragwürdige Geschäfte angebahnt. Hier ist
erhöhte Vorsicht geboten!
3.1 Sicherheit
Mit der Sicherheit der Anlage wird das Ausmaß der Erhaltung des Anlagebetrages
und seiner nominalen Rückzahlung umschrieben. Diese Sicherheit steht in Ab-
hängigkeit von einer Reihe von Risiken, die eine Geldanlage mehr oder weniger
zwangsläufig begleiten. Es sind dies im einzelnen folgende Risiken:
– Verlustrisiko,
– Kursrisiko,
– Ertragsrisiko,
– Währungsrisiko,
– Inflationsrisiko.
3.1.1 Verlustrisiko
Das Verlustrisiko einer Geldanlage besteht in der Gefahr, dieselbe teilweise oder
insgesamt zu verlieren. Dieser Verlust kann durch widrige Umstände (z. B. Insol-
venz oder wirtschaftlicher Niedergang des Unternehmens, in das die Geldanlage
erfolgte), aber auch durch kriminelle Handlungen skrupelloser Anlagevermittler
oder -verkäufer (außerhalb des Bankenbereiches) erfolgen. Dem letzteren Verlust-
risiko läßt sich dadurch begegnen, daß man solche freien Anlagevermittler/
-verkäufer (des grauen Kapitalmarktes) meidet und sich nur solchen Anbietern
zuwendet, die ihre Einlagen durch Mitgliedschaft bei einem Einlagensicherungs-
fonds (einem sogenannten ,,Feuerwehrfonds‘‘) absichern. Solche durch Zusam-
menschlüsse fast aller Banken gebildete Fonds garantieren die Rückzahlung der
Einlagen im Falle ihres Verlustes. Es empfiehlt sich deshalb für einen Anleger,
sich nach der Mitgliedschaft eines in Betracht gezogenen Anbieters (von Geldan-
lagen) bei einem solchen Einlagensicherungsfonds zu erkundigen. Die Anbieter
sind verpflichtet, hierüber ihren Kunden unmißverständlich Auskunft zu geben.
3.1.2 Kursrisiko
Bei fest- und variabel verzinslichen Wertpapieren sind mehr oder minder große
Abfälle des Verkaufspreises (Verkaufskurses) gegenüber dem ursprünglichen Ein-
kaufspreis (Einkaufskurs) nicht auszuschließen, so daß der Anleger falls er zu
solch einem Zeitpunkt diese Papiere verkaufen wollte (oder müßte) mehr oder
minder große (Kurs-)Verluste gegenüber dem (ursprünglichen) Einkaufskurs und
damit Vermögenseinbußen in Kauf nehmen müßte.
Bei festverzinslichen Wertpapieren (Rentenpapieren) sind die Kursrisiken in der
Regel verhältnismäßig eng begrenzt. Bei variabel verzinslichen Wertpapieren (so
insbesondere Aktien) sind diese quasi unbegrenzt.
Nach dem Kreditwesengesetz unterstehen die Finanzdienstleister des grauen Marktes der
Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Um eine Lizenz
für den Vertrieb von Finanzprodukten zu erlangen, müssen diese bestimmte Mindestan-
forderungen erfüllen. Vermittler von Fondsanteilen und Bausparverträgen unterstehen
nicht dieser Aufsicht.
I Allgemeine Vorbemerkungen6
3.1.3 Ertragsrisiko
Mit Ertragsrisiko wird die Gefahr umschrieben, einen geringeren Ertrag aus An-
lagen zu realisieren als ursprünglich ins Auge gefaßt. Erträge sind: Zinsen, Divi-
denden, Mieten, staatliche Zuwendungen (Prämien, Steuergutschriften) und an-
dere mehr. Bei festverzinslichen Wertpapieren (Rentenpapieren) ist dieses Risiko
nicht gegeben. Bei variabel verzinslichen Wertpapieren (so insbesondere Aktien)
kann jedoch die Verzinsung (Dividende) bis auf Null absinken.
Zwischen Ertragsrisiko und Kursrisiko kann es bei variabel verzinslichen Wert-
papieren leicht zu Koppelungseffekten kommen. Wenn nämlich bei diesen die Zin-
sen (Dividenden) fallen (z. B. auf Grund von Ertragseinbußen oder geschmälerten
Gewinnerwartungen), führt dies (infolge von verstärkten Verkäufen dieser Papiere
oder verminderter Nachfrage nach ihnen) häufig auch zu entsprechenden Kurs-
verlusten.
3.1.4 Währungsrisiko
Werden Geldanlagen in einer fremden Währung vorgenommen, so ergibt sich da-
mit für den Anleger ein Währungsrisiko. Fällt nämlich der Kurs der Fremdwäh-
rung, in der die Anlage getätigt wurde, gegenüber dem Euro, dann muß der Anleger
beim Umtausch dieser Anlage in Euro zwangsläufig Wertverluste (gegenüber dem
ursprünglichen Kaufpreis der Anlage) hinnehmen.
3.1.5 Inflationsrisiko
Im Gegensatz zu Sachwertanlagen unterliegen Geldwertanlagen (deren Rückzah-
lung in Geld erfolgt) dem Inflationsrisiko, das heißt der Gefahr der Wertminderung
durch Kaufkraftverlust. Eine solche Wertminderung der Geldanlage kann gege-
benenfalls durch eine entsprechende Verzinsung kompensiert bis überkompensiert
werden.
3.2 Rentabilität
Die Rentabilität einer Anlage ergibt sich je nach Art der Anlage aus verschie-
denen Teilgrößen:
– der Verzinsung,
– dem Kursgewinn/-verlust,
– den Kosten und Gebühren.
3.2.1 Verzinsung
Entsprechend der jeweiligen Geldanlage ist die Verzinsung fest (bei Spareinlagen,
Rentenpapieren, Immobilien [Mietzins]) beziehungsweise variabel (bei Aktien, In-
vestmentfonds). Bei einer festen Verzinsung richtet sich der vertraglich vereinbarte
Zinssatz nach der Knappheit des Geldes am (Geld-)Anlagemarkt. Je knapper die
Anlagegelder, desto höher die Zinssätze und umgekehrt!
3.2.2 Kursgewinne/Kursverluste
Soweit die Anlagen am Markt, insbesondere an der Börse, gehandelt werden, kön-
nen sich neben den Zinserträgen Kursgewinne beziehungsweise Kursverluste er-
geben. Auf solche Kursgewinne richtet sich in der Regel das Hauptinteresse der
einschlägigen Anleger. Die Zinsen der Geldanlagen spielen daneben meist eine
untergeordnete Rolle.
I Allgemeine Vorbemerkungen 7

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