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5. Bestandserhaltung
Auf vier Säulen ruht die wirkungsvolle Bestandserhaltung von Archiv-
gut:
Bewertung
Schadensprävention
Instandsetzung
Konversion.
Die Bewertung stellt sicher, daß nur das erhalten wird, was von bleiben-
dem Wert ist. Die vorbeugenden Maßnahmen verfolgen das Ziel, Archiv-
gut vor Schäden zu bewahren und Rahmenbedingungen zu schaffen, unter
denen die Archivalien möglichst lange zugänglich gehalten werden. Die
Instandsetzung behebt mit abgesicherten Methoden der Restaurierung be-
reits eingetretene Schäden oder stellt mit konservierenden Verfahren die
Gebrauchsfähigkeit wieder her. Die Konversion schließlich überträgt in
Fällen, in denen fachliche Gründe dies zulassen, den bildlichen Informa-
tionsgehalt von Archivalien auf alterungsbeständige Informationsträger,
wenn die Erhaltung der Originale nicht oder nicht wirtschaftlich möglich
ist. Neben der Bewertung, die an anderer Stelle ausführlich behandelt
wird, hat die präventive Bestandserhaltung die größte Wirkung und zu-
gleich das günstigste Preisleistungsverhältnis. Umgekehrt ziehen Versäum-
nisse in diesem Bereich meist irreversible gravierende Schäden und hohe
Kosten nach sich.
Zu den Maßnahmen der Schadensprävention gehören Archivbau, Ar-
chiveinrichtung, objektgerechte Klimatisierung, Lagerung und Ver-
packung, Bestandspflege, Schutzverfilmung und alle technischen und orga-
nisatorischen Vorkehrungen, die dem Schutz von Archivgut insbesondere
bei der Benutzung und bei Präsentationen in Ausstellungen dienen. Bei
der Erörterung der Unterbringung und Einrichtung von Archiven im
nächsten Abschnitt werden auch Fragen angesprochen, die nicht unmittel-
bar mit der Bestandserhaltung verbunden sind, aber doch Einfluß auch auf
diese Fachaufgabe haben. Wenn die baulichen Voraussetzungenr eine
optimale Gestaltung archivischer Funktionsabläufe geschaffen sind, wirkt
sich dies positiv auch auf die Bestandserhaltung aus.
5.2 Unterbringung und Einrichtung von Archiven
5.2.1 Allgemeine bauliche Anforderungen
5.2.1.1 Archivstandort und Baukonzeption
Kriterienr die Standortwahl eines Archivs sind Nähe zu den Stellen, die
regelmäßig an das Archiv abliefern und eine verkehrsgünstige Lager die
5.2 Unterbringung und Einrichtung von Archiven Υ1Ί
Abmessungen (Raster)
Deckenhöhe
Leitungen
Kommunikation
Bodenbelag
Heizung
Beleuchtung
Wandanstrich
Türbreite
Î
Tragfähigkeit
- Belüftung, Filter
Fenster
Verdunkelung
Sicherung
Baustoffe
Bauliche Anforderungen an das Magazin
potentiellen Archivbenutzer aus dem Bereich des Unternehmens und von
außerhalb. Verfügt ein Unternehmen über andere zentrale Dienstlei-
stungseinrichtungen wie Bibliothek oder Fachdokumentation, so ist ein
Standort in ihrer Nachbarschaft günstig. Zu brand- oder explosionsgefähr-
deten Anlagen sowie zu Anlagen mit Schadstoffemissionen sollte ein re-
spektvoller Abstand gehalten werden. Zu meiden sind alle Orte, wo sich
bei Hochwasser oder bei Schäden der Wasserversorgung oder -entsorgung
Wasser in größeren Mengen sammeln könnte. Wünschenswert sind Erwei-
terungsmöglichkeiten am Archivstandort oder in unmittelbarer Nähe, weil
aktive Archivtätigkeit zwangsläufig wachsenden Raumbedarf nach sich
zieht.
Die genannten Kriterien können nur in seltenen Fällen alle erfüllt wer-
den. Kompromisse bei der Standortwahl ziehen meist höhere bauliche
Aufwendungen nach sich. So wird ein Archiv, das die Nähe zum pulsieren-
den Leben im Unternehmen sucht, diesen Standortvorteil oft mit dem Ein-
bau einer wirkungsvollen Luftfilterung und möglicherweise mit der Not-
wendigkeit von Schallschutzeinrichtungen erkaufen müssen. Der ruhige
Standort auf der grünen Wiese macht in der Regel einen höheren Aufwand

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