5.4 Präventive Erhaltungsmaßnahmen 189
hinausgehen, beängstigende Alarmzeichenr schleichend zerfallendes
Kulturgut. Angekohlte Akten, geschrumpfte Pergamente sowie zur Un-
kenntlichkeit verformte Wachssiegel zeugen von Kriegseinwirkungen oder
sonstigen Brandkatastrophen.
Eine große Menge schwerwiegender Schäden ist aber auch auf anthro-
pogene Ursachen zurückzuführen. Naturgemäß sind bei Kulturgut, das
nach seiner Zweckbestimmung genutzt, angefaßt und in die Hand genom-
men wird, menschliches Unvermögen und Gedankenlosigkeit wesentliche
Schadensursachen. Den Nutzern der Archive, den Veranstaltern von Aus-
stellungen, aber auch manchen im Umgang mit Kulturgut allzu unbeküm-
merten Archivaren muß immer wieder ins Bewußtsein gerufen werden,
daß Archivalien kein Verbrauchsgutr eine oder wenige Generationen
sind. Der Mensch läßt im Bestreben, Bücher, Handschriften oder Archiva-
lien möglichst bequem oder rationell zu nutzen, häufig die erforderliche
Sorgfalt vermissen. Wenn Risse, Knicke, Fettflecken, Kugelschreiberspu-
ren, ausgebleichte Tinten, beschädigte oder verformte Buchrücken zu be-
klagen sind, müssen diese Schäden keinesfalls vorsätzlich verursacht wor-
den sein. Ähnliches giltr gutgemeinte, aber z.B. wenig fachmännisch mit
Klebeband durchgeführte Selbstreparaturen, die in der Regel eher scha-
den als nützen. Schließlich hat auch die Präsentation von Archivalien in
Ausstellungen ihre Schattenseiten: Dauerbeleuchtung, zumal mit Spot-
lights, langdauernde mechanische Belastung bei der gefälligen Darbietung
empfindlicher Objekte, oft auch Transportschäden, hinterlassen irreversi-
ble Spuren auf den Exponaten.
5.4 Präventive Erhaltungsmaßnahmen
5.4.1 Schadensprävention durch die Verwendung alterungsbeständiger
Materialien
Endogener Papierzerfall ist am wirkungsvollsten und zugleich am wirt-
schaftlichsten dadurch zu vermeiden, daß Papiere, die Säure und/oder
Holzschliff enthalten, nicht verwendet werden. Die Unternehmensarchiva-
re sollten daher im Unternehmen dafür werben, daß alterungsbeständige
Papiere als Schreib- und Druckpapiere eingesetzt werden. Die Anforde-
rungen an alterungsbeständige Papiere sind in der Norm DIN ISO 9706
definiert. Die wesentlichen Festlegungen sind neben Mindestanforderun-
gen an die Festigkeit: säurefreier Zellstoff (oder Hadern), leicht alkalisch,
frei von Holzschliff und mit Calciumcarbonat gepuffert. Derartige Papiere
sind am Markt verfügbar und müssen, da ihre Produktion im ökonomi-
schen und ökologischen Trend liegt, nicht teurer sein als saure Papiere.

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