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Am Horizont klettern die ersten zaghaften Son-
nenstrahlen am Felsrand entlang, dann endlich
ergießt sich das farbenprächtige Schauspiel über
die Schlucht. Warme Rot- und Goldtöne eifern mit
spannenden Schattenspielen um die Wette. Dies-
mal hat sich das Aufstehen zum Sonnenaufgang ge-
lohnt. Ich stehe am Rand des Grand Canyons und
bin wahrhaftig überwältigt. Meine Finger gehorchen
mir mittlerweile nicht mehr, denn es hat über Nacht
gefroren. Trotzdem gebe ich nicht auf und als nach
einer Stunde die Sonne hoch am Himmel steht, ist
das Frühstück redlich verdient.
Der Grand Canyon ist mit einer Länge von ca. 450
Kilometern und einer Tiefe von bis zu 1800 Metern
zu Recht ein „Weltwunder“. Die schönsten Licht-
stimmungen für das riesige in Jahrmillionen entstan-
dene Flussbett hat man am frühen Morgen und kurz
vor Sonnenuntergang.
Aber auch das Umland ist einen Ausflug wert, da-
her breche ich nach dem Frühstück zu einem weite-
ren Highlight auf, dem 250 Kilometer entfernten An-
telope Canyon, ein begehrtes Ziel von Fotografen.
Dieser sogenannte Slot Canyon zeichnet sich durch
weiche Formen aus, die der Antelope Creek in lie-
bevoller Arbeit in das Sedimentgestein hinein gewa-
schen hat. Da sich diese Sehenswürdigkeit auf dem
Reservat der Navajo-Indianer befindet, gelangt man
leider nur mit deren Führung dorthin. Wenig Licht,
drängelnde Massen an Touristen, die mich anrem-
peln und ins Bild laufen, machen es mir allerdings
nicht leicht.
Nach dieser Tour geht es zum ebenfalls bekann-
ten Horseshoe Bend. Von einer Klippe hat man
eine spektakuläre Sicht auf den Canyon und dessen
hufeisenförmige Auswaschung des Colorado River.
Mittlerweile ist es später Nachmittag. Die Lichtstim-
mung ist einfach gigantisch und ich genieße diesen
mystischen Moment. Ein würdiger Abschluss meines
zweitägigen Canyon-Aufenthalts. Gerne wäre ich
länger geblieben, denn es gibt viel zu entdecken,
aber schon ruft mein nächstes Ziel.
USA Grand Canyon und Umland
Antelope Canyon · Etwa zwei Fahr-
stunden vom Grand Canyon entfernt
liegt dieser bei Fotografen sehr be-
liebte Canyon. Während der geführ-
ten Tour herrscht dichtes Gedränge,
es ist sehr eng und dunkel. Eine
Langzeitbelichtung auf Stativ „löscht
alle anderen Personen aus dem Bild.
16 mm · ISO 200 · f 5,6 · 2,5 Sek
 Frankfurt  Washington  New York  Los Angeles  Las Vegas Grand Canyon  San Francisco  Anchorage  New Orleans  Toronto  Vancouver 
Horseshoe Bend · Ich laufe die 700
Meter vom Parkplatz zum Aussichtspla-
teau und werde mit einem tollen Blick
belohnt. Um den Horseshoe Bend ganz
auf das Bild zu bekommen, benutze ich
ein starkes Weitwinkelobjektiv.
10 mm · ISO 100 · f 8 · 1 Sek
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Grand Canyon · Dieses Foto mache ich zum Sonnenaufgang. Trotz Minustemperaturen
und eisigem Wind harre ich für das perfekte Licht über eine Stunde aus, bis ich meine
Finger nicht mehr spüre. 70 mm · ISO 100 · f 10 ·1/100 Sek
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