II. Rahmenbedingungen des Einsatzes
und Strukturen der Verbände
1. Rahmenbedingungen des Einsatzes
a) Finanzen und Verwaltung Braunschweigs um 1770
Wie viele andere größere und kleinere europäische Staaten auch, war das Herzog-
tum Braunschweig in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in eine finanzielle
Krise geraten. Hier wie andernorts hatte der Finanzbedarf des werdenden Staates
die Möglichkeiten der nach absoluter Herrschaft strebenden Fürsten überstiegen,
hatten die Domäneneinkünfte zur Deckung der öffentlichen Ausgaben nicht aus-
gereicht
1
. Die öffentlichen Kassen waren fast vollständig geleert, neue Steuern
konnten, da das Streben nach Unabhängigkeit die Beteiligung der Landstände
nicht zuließ, auf legalem Wege nicht erhoben werden. Absolutistische Hofhaltung,
französische Besatzung im Siebenjährigen Krieg, kostenintensive und teils fehlge-
schlagene Maßnahmen des Landesausbaus im Sinne des Merkantilismus
2
und
schließlich eine unzureichende Verwaltungsstruktur
3
hatten das Herzogtum an den
Rand des Staatsbankrotts getrieben.
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hatten die Herzöge verschiedene Maßnah-
men ergriffen, die zur Gesundung der Staatsfinanzen beitragen sollten. Schon 1756
hatte Herzog Carl I. sich genötigt gesehen, beim Kurfürstentum Hannover einen
Kredit über 2 000 000 Taler aufzunehmen, für den er die Domänen, insbesondere
das Fürstentum Blankenburg als Pfand eingesetzt hatte. Zeitgenössische Kamme-
ralisten wie Johann von Justi oder Joseph von Sonnenfeld sahen in solchen Maß-
nahmen den äußersten Schritt, den Staaten zur Schatzansammlung unternehmen
konnten
4
. Obschon die Zinsrückzahlungen mit den Einnahmen aus einem am
5. Oktober 1756 mit Großbritannien geschlossenen Subsidienvertrag verrechnet
wurden, hatten sie keinen nennenswerten Gesundungseffekt: Zu hoch waren die
1
Der Zusammenhang zwischen steigendem Finanzbedarf der Staaten und daraus folgender zu-
nehmender Staatlichkeit ist bereits seit geraumer Zeit als gesamteuropäisches Phänomen bekannt,
vgl. Goldscheid/Schumpeter, Die Finanzkrise. Weitgehend wird den Kriegen und den damit
notwendig gewordenen Rüstungsausgaben die Rolle des Motors dieser Entwicklung zugestanden.
Im europäischen Vergleich skizziert dies Reinhard, Kriegsstaat, S. 277
-310.
2
Vgl. Albrecht, Die Förderung des Landesausbaus.
3
Vgl. S. 28.
4
Vgl. Lanter, Die Finanzierung, S. 33.

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