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Kapitel 5
Touch Me Now:
Eine Einführung
in
Multitouch-Programmierung
In diesem Kapitel:
Multitouch in Windows 7 114
Multitouch-Programmiermodelle von Windows 7 116
Wie Multitouch in Windows 7 funktioniert 118
Mit Bewegungen arbeiten 122
Zusammenfassung 135
114
Kapitel 5: Touch Me Now: Eine Einführung in Multitouch-Programmierung
Dies ist das erste Kapitel im Buch, das sich mit Multitouch (Mehrfingereingabe) beschäftigt. Hier erhalten
Sie Antworten auf Fragen wie: »Was ist die Multitouch-Plattform in Windows 7?«, »Wie funktioniert Multi-
touch in Windows 7?« und »Wie sieht die zugrunde liegende Architektur aus?« Außerdem lernen Sie die
verfügbaren Programmiermodelle kennen, tauchen in die native API ein und lernen, was Bewegungen sind
und wie sich mit ihnen arbeiten lässt. Dieses Kapitel vermittelt Ihnen fundierte Kenntnisse zu den Multi-
touch-Funktionen in Windows 7 und legt die Grundlagen für die Themen in den folgenden Kapiteln, die
sich mit erweiterter nativer Multitouch-Programmierung beschäftigen und im Detail beschreiben, wie sich
die Multitouch-Funktionalität in WPF (Windows Presentation Foundation) umfassend nutzen lässt.
Multitouch in Windows 7
In Windows 7 wurde die Windows-Funktionalität mit Touch (Fingereingabe) erweitert, wobei Touch als
direkt verwendbare Funktion unter den verschiedenen Möglichkeiten für die Interaktion mit dem PC
(neben Maus und Tastatur) etabliert wurde. Windows-Touch-Unterstützung lässt sich in die Zeit von Win-
dows XP zurückverfolgen, als man mit einem Stift auf einem Tablet-PC mit einem einzelnen Touch-Punkt
arbeiten konnte. Außerdem hat Windows XP die Unterstützung für Freihand- und Handschrifterkennungs-
technologien bereitgestellt. In der letzten Zeit hat sich mit Multitouch-Geräten eine neue Kategorie von
Eingabegeräten etabliert, die von Benutzern äußerst positiv aufgenommen wurden. Daher ist es nur allzu
verständlich, dass Microsoft in Windows 7 die Multitouch-Unterstützung eingeführt hat, um einen Bereich
neuer Funktionalität für den Benutzer zu erschließen sowie allgemeine Aktivitäten zu erweitern.
Auf der Windows 7-Multitouch-Plattform ist es möglich, unmittelbar mit dem Computer zu interagieren.
Zum Beispiel können Sie in Windows-Explorer direkt auf Ihre Bilder zugreifen und sie mit entsprechenden
Fingerbewegungen langsam oder schnell durchblättern. Als Entwickler sind Sie in der Lage, Multitouch-
Unterstützung in Ihre Anwendung einzubauen und optimierte Multitouch-Funktionen in Windows 7 zu
schaffen.
Bevor wir die Windows 7-Multitouch-Programmiermodelle, die Architektur und die APIs untersuchen,
sehen wir uns zunächst an, wie Windows 7-Multitouch eine optimierte Touch-Oberfläche für das Betriebs-
system liefert. Denken Sie daran, dass Microsoft keine spezielle Windows 7-Multitouch-Shell erstellt hat – es
gibt keine spezielle Windows-Explorer-Version oder -Taskleiste, die nur für Multitouch-fähige Geräte
verfügbar wäre. Die meisten Anwendungen, die mit Windows 7 ausgeliefert werden, sind für Touch konzi-
piert, genau wie die Shells für diese Anwendungen. Sie lassen sich genauso gut mit der Standardtastatur-
und Mauseingabe bedienen, doch sie unterstützen auch Multitouch-Eingaben. Indem sie Multitouch unter-
stützen oder Touch-Eingaben erkennen, liefern diese Elemente ein optimales Multitouch-Benutzerszenario.
Das einfachste Beispiel bezieht die Sprunglisten der Windows 7-Taskleiste ein, mit denen sich Kapitel 1 und
Kapitel 2 befasst haben. Wenn Sie in Windows 7 mit der rechten Maustaste auf ein Symbol klicken, das an
die Taskleiste angeheftet ist, erscheint die entsprechende Sprungliste. Klickt der Benutzer zum Beispiel mit
der rechten Maustaste auf das Taskleistensymbol von Microsoft Office Word 2007, wird die Sprungliste der
Office-Anwendung geöffnet. Doch wie lässt sich per Multitouch rechts klicken? Es gibt zwar eine Rechts-
klick-Bewegung in Windows 7 (Drücken und Tippen), doch können Sie auch das Word-Symbol berühren
(das in Abbildung 5.1 mit » markiert ist) und Ihren Finger ziehen (veranschaulicht durch den Pfeil, der in
Abbildung 5.1 zur Zahl »2« zeigt.) – unter der Annahme, dass sich die Taskleiste an ihrem Standardplatz am
unteren Rand des Bildschirms befindet.
Multitouch in Windows 7
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Abbildung 5.1 Simulieren eines Rechtsklicks durch Ziehen
Wenn Sie diese Ziehbewegung ausführen, erscheinen die Sprunglisten für Word. Wie in Abbildung 5.2 zu
sehen ist, zeigt die durch Berühren geöffnete Sprungliste (rechts dargestellt) denselben Inhalt an wie die
Standardsprungliste, die durch Rechtsklicken mit der Maus (links dargestellt) geöffnet wird, aber in einem
etwas anderen Format.
Abbildung 5.2 Sprunglisten durch Rechtsklicken mit der Maus (links) und durch Berühren (rechts) geöffnet
Der Abstand zwischen den einzelnen Elementen in der per Multitouch geöffneten Sprungliste auf der rechten
Seite ist größer als der Abstand der Elemente auf der linken Seite. Dieses abweichende Aussehen hat einen einfa-
chen Grund: Die Taskleiste ist für Multitouch-Funktionalität optimiert. Demzufolge zeigt sie die Elemente in
einer Form an, die eine Auswahl per Hand erleichtert (eine größere Trefferfläche zur Verfügung stellt und somit
die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Sie das falsche Element mit Ihren Fingern treffen). Die Vergrößerung des
Trefferbereichs für ein zu berührendes Element ist gängige Praxis bei der Programmierung einer berührungs-
empfindlichen Anwendung. Dieses Konzept finden Sie überall in der Benutzeroberfläche von Windows 7.

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