86 B. Der Entstehungsprozess einer wissenschaftlichen Arbeit
flüssige Schleifen sowie falsche Bezüge. Hier empfiehlt sich ein ganz besonders
gründliches, auf den Argumentsaufbau bezogenes Korrekturlesen!
3. Schlussabschnitt
Der Schlussabschnitt dient in mehrfacher Hinsicht der Abrundung der wissen-
schaftlichen Arbeit. Zum einen wird hier zusammenfassend dokumentiert, dass die
in der Fragestellung/Problemstellung formulierte Zielvorgabe vollständig eingelöst
worden ist. Zudem können – je nach Thema – Abrundungen in folgenden Formen in
Betracht kommen:
Hinweise auf methodisch bedingte Einschränkungen im Gültigkeitsrahmen von
Ergebnissen
Hinweise auf (notwendigerweise) nicht behandelte, aber mit dem Thema ver-
bundene Fragen, Ableitung von weiterem Forschungsbedarf
Einschätzungen/Prognosen hinsichtlich der weiteren Entwicklung bestimmter
Strukturen und/oder Prozesse und damit Hinweise zur voraussichtlichen zeitli-
chen Stabilität/Instabilität von Untersuchungsergebnissen.
Zu vermeiden ist auch im Schlussabschnitt alles, was auf eine Eigenbegutachtung
hinausläuft. Zu Formulierungen wie
‚Damit konnten wissenschaftlich wertvolle Ergebnisse erzielt werden.‘
‚Aus der lückenlos geschlossenen Argumentationskette ergab sich …
‚Der damit erzielte Fortschritt ist gegenüber der vorliegenden Literatur als
sehr wesentlich einzustufen.‘
sieht sich hoffentlich die Gutachterin oder der Gutachter der betreffenden Arbeit
veranlasst. Seitens der Autorin oder des Autors sollte derartiges Eigenlob besser
unterbleiben.
VII. Überarbeitung
Bei den Hinweisen zur Niederschrift der Erstfassung wurde wiederholt vermerkt,
dass die Erstfassung nur als vorläufige Version angesehen werden könne.
Dies gilt zunächst und häufig vor allem für den Basisteil. Seine Erstfassung wird
unabänderlich auf der Basis eines noch unvollständigen Durch- und Überblicks
geschrieben. Von daher repräsentiert der Basisteil einen revisionsanfälligen Plan, der
sich in der Regel tatsächlich als revisionsbedürftig erweist. Dies ist ein ganz norma-
VII. Überarbeitung 87
ler Vorgang beim wissenschaftlichen Arbeiten, und dieser lässt sich auch problemlos
realisieren, wenn der Zeitplan einen nicht zu knapp bemessenen Überarbeitungszeit-
raum vorsieht.
In der Endfassung müssen ohne jegliche Abstriche folgende Harmonien realisiert
sein:
Harmonie zwischen den im Schlussteil präsentierten Ergebnissen/Antworten
und den in der ‚Fragestellung/Problemstellung‘ angekündigten Untersuchungs-
inhalten
Harmonie zwischen dem angekündigten ‚Gang der Untersuchung‘ und dem
tatsächlich vollzogenen Untersuchungsprozess
Harmonie zwischen den Definitionen/Kennzeichnungen von Begriffen und ihrer
Verwendung während der gesamten Arbeit
Harmonie zwischen angegebenen Prämissen und dem tatsächlichen Rückgriff
auf Prämissen
Harmonie zwischen Untersuchungsdesigns und tatsächlicher Durchführung von
Untersuchungen.
Disharmonien sind vollständig zu beseitigen, indem man je nach vorliegender Situa-
tion
die ‚Fragestellung/Problemstellung‘ umformuliert (ausweitet oder verengt) oder
die Ausführungen um die Bearbeitung zunächst offen gebliebener/offen gelas-
sener Teilfragen ergänzt
die Erläuterungen zum ‚Gang der Untersuchung‘ entsprechend umformuliert
die vorläufigen Begriffsfassungen, Angaben zu den Prämissen, Untersuchungs-
designs den tatsächlichen Verwendungen/Gegebenheiten anpasst
ggf. die Argumentation im Text des Kernteils korrigiert, falls die Disharmonien
nicht an Defiziten des Basisteils, sondern aus der fehlerhaften Umsetzung eines
auch im Rückblick gelungenen Basisteils resultieren.
Die gesamte Behandlung der Fragestellung/Problemstellung im Kernteil der Arbeit
ist daraufhin zu überarbeiten, dass die Endfassung
weder themenfremde Passagen noch hinsichtlich des Themas unnötig breite
Passagen zeigt (Kompression der Erstfassung in Richtung auf das Ideal ‚Jeder
Satz ist ein notwendiger Satz!‘)
nur lückenlose und in sich widerspruchsfreie Argumentations-/Beleg-/Beweis-
ketten aufweist
frei ist von
bloßen Behauptungen, Mutmaßungen, Spekulationen

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